Freie Universität Berlin


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Absolventen der Freien Universität mit „Hertha-Nathorff-Preis“ ausgezeichnet

Masterarbeiten zu psychosozialer Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Berlin

28.05.2010

Alexandra Mallickh (links) und Rico Urbschat (2. von rechts) bei der Preisverleihung
Alexandra Mallickh (links) und Rico Urbschat (2. von rechts) bei der Preisverleihung Bildquelle: Berliner Ärztekammer

Werden Kinder und Jugendliche in Berlin psychosozial angemessen versorgt? Zwei Absolventen des Studiengangs „Public Health: Psychosoziale Prävention und Gesundheitsförderung" an der Freien Universität Berlin gingen dieser Frage in ihrer Masterarbeit nach. Alexandra Mallickh und Rico Urbschat wurden dafür mit dem 2. Platz des „Hertha Nathorff-Preises“ ausgezeichnet.

Die Jury des „Hertha-Nathorff-Preises“, die unter anderem aus Vertretern der Berliner Ärztekammer, der Krankenkassen und der Senatsverwaltung besteht, wählte Alexandra Mallickhs und Rico Urbschats Masterarbeit aus über 25 Arbeiten aus. Die Diplom-Soziologin und der Diplom-Pädagoge teilen sich den mit 1.000 Euro dotierten zweiten Platz. In diesem Jahr wurde kein 1. Preis vergeben.

Befragung von Experten zur psychosozialen Versorgung

Einer Studie zufolge zeigen rund 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Zur speziellen Situation in Berlin gibt es bislang kaum Untersuchungen. „Aus diesem Grund wollten wir in unserer Arbeit die psychosoziale Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen in Berlin beleuchten“, erklärt Alexandra Mallickh. In ihrer Arbeit geben die beiden Masterabsolventen konkrete Empfehlungen für Verbesserungen im psychosozialen Versorgungssystem in Berlin, damit Kinder und Jugendliche jederzeit bedarfsgerecht behandelt werden können.

Die Untersuchung wurde mit Hilfe von Experteninterviews, die sich vorrangig an leitende Mitarbeiter aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Schule richteten, durchgeführt. Nach Einschätzung der Experten ist die Versorgungslage in Berlin vergleichsweise gut. Allerdings gibt es ihrer Meinung nach eindeutige Hinweise auf Unterversorgungen, vor allem in Stadtteilen mit einem niedrigen Sozialindex und bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien.

Bessere Vernetzung zuständiger Einrichtungen

Angeregt wurde von den Experten eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen: der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Schule. Auf diese Weise könnte der psychosozialen Über-, Unter- und Fehlversorgung von Kindern und Jugendlichen entgegengewirkt werden.

Der Hertha-Nathorff-Preis wird jährlich von der Ärztekammer Berlin gestiftet. Seit 1995 zeichnet sie hiermit besonders qualifizierte Magister- und Masterarbeiten im Bereich „Public Health“ und der Gesundheitswissenschaften aus. Benannt ist der Preis nach einer Pionierin im Bereich der öffentlichen Gesundheitsvorsorge: Die Ärztin Hertha Nathorff verlor aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1934 ihre Kassenzulassung und 1938 die Approbation.

Zuvor war Hertha Nathorff leitende Ärztin im Frauen- und Kinderheim des Roten Kreuzes in Berlin-Lichtenberg und Leiterin der Familien- und Eheberatungsstelle am Krankenhaus Charlottenburg. 1939 musste sie über England in die USA emigrieren.