Freie Universität Berlin


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Forschen ohne (Alters-)Grenzen

Wie sich Hochschul-Professoren in Deutschland den Ruhestand vorstellen

26.11.2009

Korbinian Lutz interviewte für seine Diplomarbeit 23 Professoren und Professorinnen und fragte nach deren beruflichen und privaten Zukunftsplänen
Korbinian Lutz interviewte für seine Diplomarbeit 23 Professoren und Professorinnen und fragte nach deren beruflichen und privaten Zukunftsplänen Bildquelle: privat

Wer sein Leben in den Dienst von Forschung und Lehre gestellt hat, hat einiges erreicht. Mit 65 Jahren, dem in Deutschland verpflichtenden Pensionsalter für Universitätsprofessoren, gehören sie noch lange nicht „zum alten Eisen“. Korbinian Lutz, Diplomand an der Freien Universität Berlin, hat in seiner Abschlussarbeit am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie untersucht, wie Dozenten in Deutschland ihren Ruhestand planen – und kam dabei zu überraschenden Ergebnissen.

Keine Verpflichtungen mehr? Keine Studenten, keine Symposien? Endlich Zeit für die Familie und den Garten? Oder weiter forschen, weil der Beruf nicht loslässt und längst zum Lebensinhalt geworden ist? Korbinian Lutz, der vor seinem Wechsel an die Freie Universität in Chemnitz, Barcelona und Konstanz Psychologie studierte, hat 23 Professorinnen und Professoren vier verschiedener Universitäten danach befragt, wie sie ihren Ruhestand gestalten möchten. Alle standen kurz vor oder nach ihrer Pensionierung. 

Balance zwischen privaten und beruflichen Interessen

Trotz aller Begeisterung für das Fach freute sich mehr als die Hälfte der Interviewpartner darauf, mehr Freizeit für die Dinge zu haben, die ihnen privat am Herzen liegen. Dazu gehören die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden ebenso wie Hobbys oder ehrenamtliches Engagement. Sieben der Befragten gaben an, sich außerdem verstärkt ihren wesentlichen Forschungsinteressen widmen zu wollen – ohne sich beispielsweise mit den  administrativen Verpflichtungen einer Professur belasten zu müssen.

Für andere hingegen ist eine Veränderung ihres berufszentrierten Lebensstils nur schwer vorstellbar. Neun der Professoren würden am liebsten weitermachen wie bisher und sich aktiv an Forschung und Lehre beteiligen. Auffällig war, dass sich diesem Typus ausschließlich Männer zuordnen ließen.

Einer der Befragten gab an, dass der Eintritt ins Rentenalter einen deutlichen Bruch in seiner Biographie markieren solle. Er wolle neue inhaltliche Herausforderungen suchen und beweisen, dass er eben noch nicht „zum alten Eisen“ gehöre. 

Für mehr Flexibilität

Die Motivation zahlreicher Hochschullehrer, ihren Lebens- und Arbeitsweise nicht komplett umzugestalten, wirft die Frage nach Vor- und Nachteilen veränderter Beschäftigungszeiten auf. Die Universitäten könnten von der großen Erfahrung der Seniorprofessoren ebenso profitieren wie von deren internationalen Kontakten.

Andererseits: Entstünden bei einer Weiterbeschäftigung Barrieren für den wissenschaftlichen Nachwuchs? Würden aktuelle Forschungstrends verpasst? Die Mehrheit der Befragten wünscht sich auch künftig eine enge Verzahnung von Forschung und Lehre und den aktiven Austausch mit jüngeren Kollegen und Studierenden.

Lutz fasst das Fazit seiner Diplomarbeit zusammen: „Man sollte die Altersgrenze nicht prinzipiell für alle Professoren erhöhen, sondern individuell festlegen. Das hätte den Vorteil, dass man auf die Wünsche der Betroffenen sowie die fachspezifischen Besonderheiten besser eingehen kann.“