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Spur(en)

29.06.2016 - 01.07.2016

4. Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs 980 „Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit“

Die Tagung wird konzipiert und organisiert von der Konzeptgruppe II „Zeit und Geschichtlichkeit“ (Leitung: Prof. Dr. Andrew James Johnston / Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann)

Der Begriff der Spur begegnet uns nicht nur in der Alltagssprache, sondern auch in den Geisteswissenschaften in nachgerade verwirrender Vielfalt: Von Walter Benjamin bis Jacques Derrida haben die unterschiedlichsten Theorien und Strömungen den Begriff der Spur mit jeweils spezifischer Bedeutung aufgeladen. Spuren haben Bedeutung, weil sie die unausweichliche Relationalität von Präsenz und Absenz geradezu verkörpern und ihr zugleich eine zeitliche Struktur einzuschreiben scheinen: Dasjenige, was die Spur verursacht hat, scheint auf den ersten Blick immer schon fort zu sein. Zugleich bedarf die Spur immer der Interpretation, wobei das Verhältnis der Spur zu dem Sachverhalt, auf den sie verweist oder zu verweisen scheint, nie eindeutig ist, sondern immer mehrere Lesarten zulässt. So führt der Akt der Spurenlese zwangsläufig dazu, dass neue Spuren hinterlassen werden, dass Wissen transferiert und verändert wird und dementsprechend neues Wissen entsteht. Insofern ist auch die Rückwärtsgewandtheit der Spur keinesfalls eindeutig: Einerseits verweist sie zwar auf die Vergangenheit, doch andererseits stellt sie einen Kontext her, der zu zukünftigem Handeln motiviert. Insbesondere wenn die Spur auf einen Ursprung verweist, vermag sie oft ein Begehren nach der Rückkehr zu eben diesem Ursprung zu wecken. Doch muss diese scheinbare Rückkehr stets in die Zukunft führen. Zudem macht die Spur in ihrer Verbindung von Zeitlichkeit und Materialität auf ihren Träger aufmerksam: Ohne Medium kann keine Spur existieren, weswegen die spezifische Gestalt einer jeden Spur nur im Dialog mit der Oberfläche oder dem Körper entstehen kann, auf der oder in dem sie sich befindet.

In seiner Jahrestagung 2016 lädt der SFB 980 Episteme in Bewegung dazu ein, diesem Verhältnis von Materialität und Zeitlichkeit in der Spur neue Dimensionen abzugewinnen. Es soll nicht bloß darum gehen, den vielfältigen kulturellen Konnotationen der Spurmetapher nachzuspüren, sondern vielmehr soll das reflexive Potenzial dieser Trope vor allem im Hinblick auf die Dialektik von Materialität und Zeitlichkeit, von physischer Präsenz und Geschichte, die jeder Spur inhärent ist, untersucht werden.

Zeit & Ort

29.06.2016 - 01.07.2016

Harnack-Haus
Tagungsstätte der Max-Planck-Gesellschaft
Ihnestr. 16-20
14195 Berlin-Dahlem

Weitere Informationen

Dr. Kristiane Hasselmann, Wissenschaftliche Koordinatorin, Sonderforschungsbereich 980 "Episteme in Bewegung", Tel 0049 (0)30 - 838 503 49 oder Tel 0049 (0)30 - 838 590 24, Web: www.sfb-episteme.de

Der Besuch der Tagung ist kostenfrei. Um Anmeldung bis zum 20.06.2016 wird gebeten: info@sfb-episteme.de