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„Wir können nur an die Mitarbeiter appellieren, eine H1N1-Infizierung zu melden“

Ein Gespräch mit dem Leitenden Betriebsarzt der Freien Universität, Dr. Bert Bornkessel

23.11.2009

Dr. Bert Bornkessel ist Leitender Betriebsarzt und Mitglied der neu eingerichteten Pandemie-Arbeitsgruppe der Freien Universität
Dr. Bert Bornkessel ist Leitender Betriebsarzt und Mitglied der neu eingerichteten Pandemie-Arbeitsgruppe der Freien Universität Bildquelle: Freie Universität Berlin

Kein erkrankter Mitarbeiter ist seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet, mitzuteilen, woran er leidet. Doch nur, wenn die Universität einen Überblick über das Ausmaß der am H1N1-Virus infizierten Mitarbeiter hat, können geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Herr Dr. Bornkessel, die bundesweit steigende Zahl von Infektionen mit der Neuen Grippe lässt die Besorgnis in der Bevölkerung wachsen. Die Mitarbeiter der Freien Universität interessiert, ob auch hier schon Fälle aufgetreten sind.

Die Freie Universität führt – wie jeder Arbeitgeber – zwar Statistik über die Anzahl ihrer erkrankten Mitarbeiter, aber nicht über die Art der Krankheit. Das unterliegt dem Datenschutz: Niemand ist verpflichtet zu sagen, woran er leidet. Deshalb liegen uns leider keine verlässlichen Zahlen vor. Mir ist aber bekannt, dass es auch an der Freien Universität bereits Erkrankungen mit der Neuen Grippe gegeben hat.

Wie viele sind das bisher gewesen?

Ich weiß von etwa einem Dutzend Erkrankungen, aber wie gesagt: Niemand ist zur Meldung der Diagnose verpflichtet. Wir können nur immer wieder an die Mitarbeiter – und auch an die Studierenden – appellieren, dass sie zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz anderer dem für sie zuständigen dezentralen Pandemie-Beauftragten melden, wenn sie sich mit dem H1N1-Virus angesteckt haben. Und dass die dezentralen Pandemiebeauftragten tatsächlich jeden Freitag die Zahl der erkrankten Mitarbeiter in Ihrem Bereich an uns melden. Hier wünschen wir uns mehr Unterstützung: Von den 30 Pandemie-Beauftragten in den verschiedenen Fachbereichen erstattet bisher leider nur etwas mehr als die Hälfte regelmäßig Bericht. Aber nur dann, wenn alle melden, haben wir Zahlen, mit denen wir vernünftig planen können – und damit auch die Chance, die Ausbreitung der Neuen Grippe an der Freien Universität einzudämmen.      

Ist die Zahl der Menschen, die an der Neuen Grippe erkrankt sind, auch in Berlin deutlich angestiegen?

Das ist immer eine Frage der Interpretation: Was heißt deutlich? Nach den Zahlen, die das Robert-Koch-Institut herausgibt, das bundesweit für Krankheitsüberwachung und -prävention zuständig ist und die Statistik der bundesweiten H1N1-Erkrankungen führt, kann man das so sehen. Der Berliner Senat hat für die 47. Kalenderwoche 2439 Fälle bestätigt. Das ist der  bisher höchste Wert und stellt eine Verdopplung der bisherigen Fallzahlen dar. Allerdings weise ich auch darauf hin, dass wir mitten in der Grippezeit sind und es jahreszeitlich im völlig normalen Rahmen ist, wenn die Infektionszahlen ansteigen.

Wie wird an der Freien Universität vorgesorgt, welche Maßnahmen werden getroffen?

Neben der Berichterstattung im Online-Magazin campus.leben und den Informationen, die wir mit den Gehaltsnachweisen versendet haben, weise ich noch einmal darauf hin, dass jeder Einzelne viel dazu beiträgt, sein Ansteckungsrisiko zu verringern und die Ausbreitung des Virus einzudämmen: durch häufiges und intensives Händewaschen oder den Verzicht auf das Händeschütteln. Das schützt auch vor einer Ansteckung mit der saisonalen Grippe.

Sie haben an der Freien Universität auch in diesem Jahr Mitarbeiter gegen das saisonale Grippevirus geimpft. Haben dieses Angebot in diesem Jahr mehr Mitarbeiter in Anspruch genommen als im Jahr zuvor?

Ja. 2008 haben sich 400 Mitarbeiter impfen lassen, in diesem Jahr waren es 600.