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„Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen“

Wie Sie das Risiko minimieren, sich mit der Neuen Grippe anzustecken

17.08.2009

Dr. Bert Bornkessel ist Leitender Betriebsarzt und Mitglied der neu eingerichteten Pandemie-Arbeitsgruppe der Freien Universität
Dr. Bert Bornkessel ist Leitender Betriebsarzt und Mitglied der neu eingerichteten Pandemie-Arbeitsgruppe der Freien Universität Bildquelle: Freie Universität Berlin

Die Universität wappnet sich für den Ernstfall. Auf Beschluss des Präsidiums hat sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Neue Grippe gebildet, die einen Pandemie-Plan für die Freie Universität Berlin erarbeiten soll. Zu den Mitgliedern gehört auch der Leiter des Betriebsärztlichen Dienstes, Dr. Bert Bornkessel. Campus.leben sprach mit ihm über Grippesymptome, Ansteckungswege und Schutzvorkehrungen.

campus.leben: Herr Bornkessel, mit welchen Symptomen macht sich die Neue Grippe bemerkbar?

Bornkessel: Die Erkrankten bekommen Fieber, das schnell auf 39 Grad Celsius und höher steigt. Dazu kommen Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Einige wenige Patienten klagen auch über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Generell sind die Symptome nur schwer von denen einer normalen, saisonalen Grippe zu unterscheiden. 

Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit?

Bornkessel: Die Inkubationszeit beträgt  ein bis vier Tage. Das ist ebenfalls ähnlich wie bei der saisonalen Grippe. Schon etwa 24 Stunden, bevor die ersten Krankheitszeichen auftreten, können die Infizierten bereits Viren ausscheiden und damit andere anstecken. Man geht davon aus, dass die Erkrankten insgesamt etwa sieben Tage ansteckend sind.

Auf welchen Wegen kann man sich anstecken?

Bornkessel: Der häufigste Weg ist die sogenannte Tröpfcheninfektion, also das Anstecken über Husten, Niesen oder eine geringe Distanz beim Sprechen. Wer niest, produziert etwa 20.000 Tröpfchen und jeder dieser Tropfen kann bei einem Erkrankten mehr als 100 Viren enthalten. Um sich anzustecken, genügen schon 100 bis 1000 Viren, also ein paar Tröpfchen. Die Erreger gelangen über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper. Deshalb sollte man sich auch nicht mit den Händen ins Gesicht fassen. Denn die Viren sind außerhalb des menschlichen Organismus bis zu zwei Tage lebensfähig und können an den Händen „kleben“, mit denen wir gerade eine Türklinke gedrückt oder ein Geländer angefasst haben.

Wie kann ich mich sonst noch schützen?

Bornkessel: Jeder sollte seine Hände mehrmals täglich mit Seife waschen, aber mindestens 20 bis 30 Sekunden lang und auch zwischen den Fingern. Beim Husten bitte nicht die Hände vor den Mund halten, sondern in die Armbeuge husten. Es empfiehlt sich, größere Menschenansammlungen zu meiden und auf das Händeschütteln oder Umarmen zur Begrüßung oder zum Abschied zu verzichten. Taschentücher müssen natürlich sofort im Hausmüll entsorgt werden, und wenn möglich, sollten die Büros und Arbeitsräume häufig gelüftet werden.  Hygienemasken können eine ergänzende Maßnahme sein, wobei über die Wirksamkeit während einer Influenzapandemie noch keine ausreichenden Daten vorliegen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich mich trotzdem angesteckt habe?

Bornkessel: Bei Verdacht auf eine Infektion mit der Neuen Grippe ist es ratsam, umgehend seinen Hausarzt zu konsultieren – am besten den Arzt oder die Ärztin telefonisch auf den Verdacht hinweisen, um nicht weitere Patienten im Wartezimmer anzustecken. Der Betriebsärztliche Dienst ist hier nicht der richtige Ansprechpartner, denn wir sollen Patienten weder behandeln, noch Medikamente ausgeben und wir dürfen auch keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Generell sollten Mitarbeiter, die Grippesymptome bei sich spüren, zu Hause bleiben. Sie müssen aber in jedem Fall  sofort ihren Dienstvorgesetzten an der Arbeitsstelle benachrichtigen und sollten ihn auch über einen möglichen Verdacht informieren. Über die geschäftsführenden Direktoren und die dezentralen Pandemiebeauftragten gelangt die Information dann – natürlich anonymisiert – an den Betriebsärztlichen Dienst. Wir beraten mit dem Pandemiebeauftragten der Universität regelmäßig über die Entwicklung der Krankheitszahlen und das weitere Vorgehen.

Die Neue Grippe ist eine meldepflichtige Erkrankung. Bestätigte Fälle müssen den zuständigen Gesundheitsämtern mitgeteilt werden. Wie erfährt die Universität, ob Mitarbeiter oder Studenten nachweislich erkrankt sind?

Bornkessel: Im Meldeformular muss der Arbeitgeber nicht namentlich genannt werden. Es gibt daher keine Handhabe für eine systematische Erfassung. Wir stehen aber in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt Steglitz-Zehlendorf, um schnell Informationen über ein mögliches Anwachsen der Infektionszahlen im Bezirk zu erhalten. Allerdings dürften die gemeldeten Fälle sowieso nur die Spitze des Eisbergs zeigen. Bei einem drastischen Anstieg der Erkrankungsfälle wird es nicht immer durch Laboruntersuchungen möglich sein zu klären, ob es sich tatsächlich um die Neue Grippe handelt oder nicht. Ein Mensch mit stabiler Konstitution hat die Erkrankung nach etwa sieben Tagen überstanden. Allerdings wissen wir nicht, ob sich das Virus irgendwann noch verändert und dadurch gefährlicher wird. 

Die Universität bietet ihren Mitarbeitern jedes Jahr im Herbst eine Impfung gegen die saisonale Grippe an. Schützt diese Impfung auch gegen die Neue Grippe?

Bornkessel: Nein. Obwohl die Erreger ähnlich sind, reicht die übliche Grippeimpfung nicht aus. Bei der Neuen Grippe ist der Impfstoff unterschiedlich und es muss zwei Mal im Mindestabstand von zwei Wochen geimpft werden. Ob der Betriebsärztliche Dienst eine solche Impfung neben der üblichen Grippeimpfung anbieten kann, wird zurzeit geklärt.