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Zwischen regionaler Bürokratie und globalem Wettbewerb

Auf der Tagung UniFinanz 2008 wurde über öffentliches Management debattiert

19.10.2008

Podiumsdiskussion bei UniFinanz am 8. Oktober 2008
Podiumsdiskussion bei UniFinanz am 8. Oktober 2008 Bildquelle: Freie Universität Berlin

Am 8. Oktober 2008 fand an der Freien Universität die Tagung "Finanzmanagement und Ressourcensteuerung in deutschen Universitäten" statt, die in Kooperation mit der Syncwork AG veranstaltet wurde. Über 150 Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung haben über aktuelle Fragen der Finanz- und Ressourcensteuerung öffentlicher Institutionen diskutiert.

Ausgelöst durch neue Anforderungen der EU an das Rechnungswesen von Hochschulen haben die Themen "Kosten- und Leistungsrechnung", "Doppik" oder "Standardisierung des öffentlichen Rechnungswesens" eine neue Brisanz bekommen. Was nach einem trockenen Buchhalter-Thema klingt, entpuppt sich als Gestaltungsfeld, das vor dem Hintergrund der knappen öffentlichen Kassen sowohl für den Alltag als auch für die politische und strategische Gestaltung erhebliche Auswirkungen hat.

Als eine besondere Herausforderung, vor der öffentliche Institutionen stehen, wurde von Professor Dr. Dietrich Budäus, Arbeitsbereich Public Management der Uni Hamburg, die Zersplitterung und Heterogenität des öffentlichen Rechnungswesens herausgestellt. Während im privatwirtschaftlichen Bereich ein einziges Gesetz gilt, hat sich das öffentliche Finanzwesen in jedem Bundesland eigenständig entwickelt; der Bund und die Kommunen gehen wieder andere Wege. Das Fehlen von Standards, so Budäus, habe zur Konsequenz, dass eine Vergleichbarkeit der Institutionen fehle und dadurch eine parlamentarische Kontrolle der Einrichtungen erodiere.

"Solange Hochschulen über Steuergelder finanziert werden, gibt es einen berechtigten Anspruch auf politische Steuerung und Kontrolle", stellte die Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Frau Dr. Annette Fugmann-Heesing, klar. Allerdings könne dies nicht bedeuten, den Weg zurück in die kameralen Strukturen und Kontrollmechanismen zu suchen. Vielmehr müsse das Verhältnis von Hochschulen und Politik neu definiert werden, "damit Hochschulen wettbewerbs- und  zukunftsfähig sein können." Dass dieses Verhältnis im Hinblick auf die Steuerung der Institution und die Gestaltung des Gemeinwesens neu zu bestimmen sei, wurde auch vom Kanzler der Freien Universität, Peter Lange, bestätigt. Wie viel Betriebswirtschaft Universitäten benötigen bzw. vertragen, wie Finanzsteuerung mit anderen Mechanismen verzahnt werden kann, und wie Autonomie und Wettbewerb einerseits und staatliche Steuerung andererseits in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden können, waren Kernfragen, um die sich die Vorträge der UniFinanz 2008 drehten.

Zwar konnte die Tagung nicht alle Fragen beantworten, aber es wurden Prozesse eingeleitet, um die Gestaltung eines Handlungsfeldes in die Hand zu nehmen, das zu wichtig ist, um es allein den Bürokraten zu überlassen.