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Ozonschicht über Europa erholt sich, in den Tropen nimmt sie langfristig ab

Konferenz zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Stratosphäre / Interview mit der Meteorologin Ulrike Langematz von der Freien Universität

24.02.2016

Eine polare Stratosphärenwolke in Norwegen. Diese Wolkenart wird auch Perlmuttwolken genannt und tritt in der Stratosphäre in Höhen über 20 km auf.
Eine polare Stratosphärenwolke in Norwegen. Diese Wolkenart wird auch Perlmuttwolken genannt und tritt in der Stratosphäre in Höhen über 20 km auf. Bildquelle: CC0 - Wikimedia Commons Wikimedia
Mit diesem Messflugzeug werden die Temperaturen in der Stratosphäre erfasst.
Mit diesem Messflugzeug werden die Temperaturen in der Stratosphäre erfasst. Bildquelle: Laila Tkotz, KIT KIT
Meteorologin Ulrike Langematz hat den Workshop organisiert.
Meteorologin Ulrike Langematz hat den Workshop organisiert. Bildquelle: David Ausserhofer
Die Teilnehmer vor dem Seminaris Campus-Konferenz-Center, in dem der Workshop stattgefunden hat.
Die Teilnehmer vor dem Seminaris Campus-Konferenz-Center, in dem der Workshop stattgefunden hat. Bildquelle: Privat

Das DFG-Forschungsprojekt SHARP (Stratospheric Change and its Role for Climate Prediction), an dem die Freie Universität federführend beteiligt war, wurde Ende 2015 nach sechsjähriger Laufzeit abgeschlossen. Ziel von SHARP war es, die Folgen des Klimawandels für die Stratosphäre – die Schicht der Erdatmosphäre oberhalb der Troposphäre – und dabei insbesondere die Ozonschicht zu untersuchen. SHARP hat sich dabei an dem internationalen Projekt SPARC (Stratosphere-Troposphere Processes and their Role in Climate) des World Climate Research Programme (WCRP) orientiert. Campus.leben sprach mit der Meteorologin Professorin Ulrike Langematz, die in der vergangenen Woche einen internationalen Workshop an der Freien Universität organisiert hatte.

Frau Professorin Langematz, welche neuen Erkenntnisse hat die Konferenz geliefert?

Es ist allgemeiner Konsens, dass sich die Ozonschicht erholt. Die Entwicklung ist allerdings regional sehr unterschiedlich. Der chemische Ozonabbau, für den Fluor-Chlor-Kohlenstoffe und Bromverbindungen verantwortlich sind, wird abnehmen, weil diese Stoffe nicht mehr produziert werden dürfen. Insofern ist beispielsweise in Europa eine Verbesserung zu erwarten.

Andererseits wird sich die Ozonschicht in den Tropen nicht erholen, weil es dort – durch den Klimawandel bedingt – einen verstärkten Luftmassentransport aus der Troposphäre in die Stratosphäre gibt. Dadurch wird das Ozon aus der tropischen Stratosphäre in die höheren Breiten wegtransportiert. Das hat zur Folge, dass in den Tropen die UV-Strahlung zunehmen wird, was zu einer Gesundheitsgefährdung führen kann.

Aktuell wird von Meteorologen befürchtet, dass das Ozonloch in Europa größer werden könnte – was hat es damit auf sich?

Es sieht so aus, als könnte in diesem Frühjahr über dem Nordpolargebiet die Ozonschicht stark abnehmen. Das liegt daran, dass es im Dezember und Januar in der nördlichen Stratosphäre besonders kalt gewesen ist, wodurch gute Bedingungen für einen fortschreitenden Ozonabbau gegeben sind. Es müsste allerdings noch ein paar Wochen länger kalt bleiben, damit es zu einem ähnlich starken Ozonabbau wie im März 2011 kommen kann. Ob das so sein wird, lässt sich aktuell noch nicht vorhersagen. Kurzfristig könnte dann mehr UV-Strahlung zur Erde durchkommen. Allerdings wäre dieser Effekt nicht so stark wie in den Tropen, weil die Sonne in Europa nicht so hoch steht und die Wolken viel abfangen. Das Ozonloch wäre auch nach kurzer Zeit wieder geschlossen, denn wenn es im Frühjahr wärmer wird, nimmt auch das Ozon wieder zu.

Ich würde die extreme Kälte in der arktischen Stratosphäre übrigens nicht zwangsläufig als Folge des Klimawandels sehen, weil es im Winter immer starke Schwankungen gibt. Die aktuelle Kälte dort kann also durchaus noch im Rahmen der normalen Variabilität liegen.

Wie wird sich weltweit die Ozonschicht in den nächsten Jahrzehnten verändern?

Wir haben im Oktober 2015 eines der stärksten Ozonlöcher in der Südhemisphäre gemessen, eine Erholung ist hier erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu erwarten. In der Nordhemisphäre lassen sich aufgrund der starken Temperaturschwankungen aktuell noch keine verlässlichen Aussagen treffen, wir gehen aber davon aus, dass sich die Ozonschicht dort in den nächsten 10 bis 20 Jahren erholen und dann etwa wieder auf dem Wert von 1980 sein wird.

In den Tropen wird es aber aufgrund des Klimawandels keine Erholung geben. Es ist aber trotzdem ein großer Erfolg, dass mit dem Montrealer Protokoll und seinen Folgeprotokollen Maßnahmen ergriffen worden sind, die zu einer Wiederherstellung der Ozonschicht führen werden.

Das SHARP-Projekt ist Ende 2015 ausgelaufen und hat mit der Konferenz seinen Abschluss gefunden. Wie sieht die Bilanz aus?

SHARP ist ein sehr erfolgreiches Projekt gewesen, wir haben viele Beiträge in einem internationalen Kontext veröffentlicht, beispielsweise im Scientific Assessment of Ozone Depletion 2014 der World Meteorological Organization. Ozon war ein wichtiges Thema bei SHARP, wir haben mehr als 40 Publikationen dazu erstellt. Aber auch bei den anderen Projekten waren wir außerordentlich produktiv und immer international eingebunden. Deshalb war unser Workshop auch sehr gut von Kollegen aus der ganzen Welt besucht. Wir planen auch, die Ergebnisse in einem Buch zu veröffentlichen.

Die Fragen stellte Manuel Krane