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Forschung zum autonomen Fahren am Brandenburger Tor präsentiert / Gouverneur von Nevada unternahm Probefahrt in „Made in Germany“

04.08.2015

Autonomes Fahren in der Stadt: Das computergesteuerte Fahrzeug "Made in Germany" unterwegs auf der Straße des 17. Juni.
Autonomes Fahren in der Stadt: Das computergesteuerte Fahrzeug "Made in Germany" unterwegs auf der Straße des 17. Juni. Bildquelle: David Bedürftig
Brian Sandoval, Gouverneur des US-Bundesstaates Nevada (2. v.l.), war zu Gast in Berlin. Professor Raúl Rojas (3.v.r.) und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Intelligente Systeme und Robotik" präsentierten ihre Forschung.
Brian Sandoval, Gouverneur des US-Bundesstaates Nevada (2. v.l.), war zu Gast in Berlin. Professor Raúl Rojas (3.v.r.) und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Intelligente Systeme und Robotik" präsentierten ihre Forschung. Bildquelle: David Bedürftig
Gouverneur Sandoval (Mitte) lässt sich von Tinosch Ganjineh, Geschäftsführer der Projekt-Ausgründung AutoNOMOS (2.v.r.), die eingesetzte Technik erklären.
Gouverneur Sandoval (Mitte) lässt sich von Tinosch Ganjineh, Geschäftsführer der Projekt-Ausgründung AutoNOMOS (2.v.r.), die eingesetzte Technik erklären. Bildquelle: David Bedürftig
Ein Computersystem im Kofferraum und ein Laptop auf dem Beifahrersitz sammeln die Daten und werten diese in Echtzeitgeschwindigkeit aus.
Ein Computersystem im Kofferraum und ein Laptop auf dem Beifahrersitz sammeln die Daten und werten diese in Echtzeitgeschwindigkeit aus. Bildquelle: David Bedürftig

High-Tech-Termin am Brandenburger Tor: Brian Sandoval, Gouverneur des US-Bundesstaates Nevada, war zu Gast in der Hauptstadt. Zu seinem Berlin-Programm zählte ein Treffen mit Professor Raúl Rojas, Leiter der Arbeitsgruppe „Intelligente Systeme und Robotik“ am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin. „Ich durfte dem Gouverneur unsere laufenden Projekte in Deutschland vorstellen“, erklärt Rojas. „Wir haben uns sehr interessant unterhalten und gut über autonome Autos ausgetauscht.“

Nach einem „Briefing“ zum Forschungsstand unternehmen beide einen gemeinsamen Spaziergang vom Hotel am Potsdamer Platz bis hin zum Brandenburger Tor, wo zwei dieser selbstfahrenden Wagen für den Ehrengast bereitstehen: „e-Einstein“ heißt das kleinere Auto, „Made In Germany“ das größere. Dies ist ein modifizierter Volkswagen Passat und das Prunkstück des Wissenschaftler-Teams um den Experten für künstliche Intelligenz, das seit 2007 im Bereich autonomes Fahren forscht, entwickelt und testet.

Sieben Laserscanner, der größte sitzt auf dem Dach und rotiert, und ein ultra-präzises GPS zählen zur Ausstattung von „Made in Germany“, mehrere Radare sowie Kameras sind im Front- und Heckbereich des Wagens angebracht: Der selbstfahrende Bolide scannt die komplette Umgebung.

Speziell entwickelte Software steuert den Wagen

Gesteuert wird der Wagen über eine speziell entwickelte Software. Ein Computersystem im Kofferraum und ein Laptop auf dem Beifahrersitz sammeln die Daten und werten sie in Echtzeitgeschwindigkeit aus. So weiß das Auto, wohin es fahren und wann es bremsen muss.

Der langjährige Mitarbeiter in Rojas‘ Forschungsgruppe und Geschäftsführer der Projekt-Ausgründung AutoNOMOS, Tinosch Ganjineh, sagt: „Damit fährt so ein computergesteuertes Auto sicherer als ein von Menschenhand gesteuertes.“ Und es könne auch länger fahren, Computer müssten schließlich nicht essen und schlafen.

„That looks wonderful!“ Sandoval bestaunt das Auto und begrüßt die anwesenden Wissenschaftler und Journalisten. Wie lange die Entwicklung denn gedauert habe, will er wissen. Fünf Jahre, sagt Ganjineh und erklärt, dass die autonomen Autos in Deutschland bislang nur mit einer Sondererlaubnis auf die Straße dürften.

Probefahrt um die Siegessäule

Dann beginnt die Probefahrt. Für den Gouverneur ist das Thema autonomes Fahren nicht ganz neu, schließlich ist dessen Bundesstaat Nevada weltweit Spitzenreiter in diesem Bereich. „Das ist schon das dritte selbstfahrende Auto, in dem ich fahre“, sagt er. Trotzdem sei natürlich jede Fahrt immer wieder aufregend.

Ein kurzes „See you!“ – und der Gouverneur verschwindet hinter dem Fahrersitz. Das Steuer bleibt selbstverständlich frei, Beifahrer ist nur ein Laptop. Wie von Geisterhand setzt sich der silberne VW in Bewegung und rollt langsam auf die Straße des 17. Juni.

Eine kurze Schleife um die Siegessäule, dann steigt der Politiker aus und strahlt: „Es war eine großartige Fahrt.“ Zwar sei Nevada die Nummer eins, wenn es um autonomes Fahren ginge, sagt er, „aber zum Beispiel im Bereich des Mappings können wir noch von der Freien Universität und Deutschland lernen.“

Forschung zum autonomen Fahren in der Stadt

In Nevada würden selbstfahrende Autos schon sehr bald zur Realität auf den Straßen gehören, auch intelligente Highways würden dort entwickelt, sagt Rojas. Aufgrund der Rechtslage werde das in Deutschland allerdings noch ein wenig länger dauern: „Die Autofirmen arbeiten an der Einführung des Autopilots für die Autobahn ab etwa 2018.“

Ziel seiner Forschung an der Freien Universität sei es, auch längerfristige und noch komplexere Ziele der neuen Mobilitätskonzepte zu realisieren. So arbeite der Informatiker mit seinem Team etwa daran, autonomes Fahren auch in der Stadt möglich zu machen.

Dies wäre sicher auch interessant für Berlin-Besucher. Gouverneur Sandoval ist hier erstmals zu Gast – und muss nach der Präsentation am Brandenburger Tor auch schon wieder weiter, um noch mehr zu sehen von der „amazing city“, der aufregenden Stadt.