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Weil der Klimawandel alle angeht

Über klimapolitische Projekte könnte der Frieden im Nahen Osten gesichert werden, sagt Avi Gottlieb / Gesprächsrunde am 15. Juli an der Freien Universität

13.07.2015

Wasserknappheit, wie hier in der Wüste Negev in Israel, ist eines der zentralen Probleme im Nahen Osten. Eine gerechte Ressourcenverteilung könnte zum Frieden in der Region beitragen, sagt Avi Gottlieb.
Wasserknappheit, wie hier in der Wüste Negev in Israel, ist eines der zentralen Probleme im Nahen Osten. Eine gerechte Ressourcenverteilung könnte zum Frieden in der Region beitragen, sagt Avi Gottlieb. Bildquelle: flickr/Physicians for Human Rights / cc-by-sa flic.kr/p/8qSSyb

Klimawandel und Co. sind sein Steckenpferd: Der israelische Soziologieprofessor Avi Gottlieb von der Tel Aviv University beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland hat der Wissenschaftler an der Freien Universität mit Unterstützung der Alexander von Humboldt-Stiftung eine Konferenz organisiert: „Nachhaltigkeit und Friedensstiftung im Nahen Osten". Interessierte können bei einer sich anschließenden öffentlichen Gesprächsrunde Vorträge renommierter Umweltforscher hören und mitdiskutieren.

„Eines der größten Probleme mit Blick auf die Versorgung der Menschen im Nahen Osten ist die Wasserknappheit“, sagt Avi Gottlieb. Abgesehen vom Libanon gebe es in allen Ländern der Region nur sehr wenig Trinkwasser. Die aktuelle politische Situation mache es zudem nicht leicht, gangbare Lösungen für derartige Problemstellungen zu finden. „Das tiefe Misstrauen zwischen den Ethnien – etwa zwischen Israelis und Palästinensern – erschwert die Verhandlungen und mindert die Bereitschaft, zusammenzuarbeiten. Durch Kooperation auf umweltpolitischer Ebene könnten entscheidende Verbesserungen erzielt werden“, sagt der Wissenschaftler.

Grundstein legen für allgemeine Annäherung

Gemeinsame Klimaschutzprojekte und gerechte Ressourcenverteilung hätten das Potenzial, den Frieden im Nahen Osten zu sichern, ist Gottlieb überzeugt. „Zudem könnte durch solche Verhandlungen auch der Grundstein für eine allgemeine Annäherung gelegt werden.“ Als Beispiel, wie die Länder in der Region von umweltpolitischen Kooperationsprojekten profitieren könnten, nennt Gottlieb die aktuelle Praxis Israels, Meerwasser in Entsalzungsanlagen aufzubereiten. „Die Aufbereitung verbraucht sehr viel Energie, die in der Regel durch das Verbrennen von Fossilien gewonnen wird.“ Stattdessen könnte man etwa Solaranlagen in der Jordanischen Wüste bauen. „Statt fossile Energieträger zu verbrennen, könnte Israel Solarenergie aus Jordanien beziehen und dem Land im Gegenzug Trinkwasser bereitstellen.“

Wissenschaft kann Brücken schlagen

Nachhaltigkeit sei ein Thema mit dem Potenzial, Ressentiments auf anderer Ebene in den Hintergrund treten zu lassen und Konflikte zwischen verschiedenen Nationen und Ethnien zu überbrücken, so Gottlieb. „Phänomene wie Wasserknappheit, Extremwetter und der Klimawandel betreffen uns alle. Hier kann die Wissenschaft einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, verschiedene Interessensgemeinschaften an einen Tisch zu bringen und gemeinsame Lösungen zu finden.“

Urbanisierung verschärft Probleme des Klimawandels

Im Rahmen der von ihm organisierten Konferenz möchte Gottlieb mit Wissenschaftlern aus Israel, Deutschland und Kanada Ideen und Forschungsprojekte diskutieren, die sich mit Lösungsansätzen für umweltpolitische Problemstellungen auseinandersetzen. Besonders für den urbanen Raum sei es von größter Dringlichkeit, Strategien für die Zukunft zu entwickeln, so der Forscher – und das nicht nur im Nahen Osten.

„Heute lebt etwa 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Rund 70 Prozent der Treibhausgase, die derzeit ausgestoßen werden, entstehen dort.“ Durch die zunehmende Urbanisierung werde sich die Situation in Zukunft noch verschärfen, so Gottlieb. „Städte im Nahen Osten sind vom Klimawandel besonders stark betroffen – unter anderem weil viele von ihnen am Meer liegen und der Meeresspiegel in Folge des Klimawandels ansteigt. Das ist nur eines von vielen Problemen, die wir angehen müssen.“

Weitere Informationen

Gesprächsrunde „Sustainability and Peace-Building in the Middle East”

Zeit und Ort

  • Mittwoch, 15. Juli 2015, 17 Uhr
  • Freie Universität Berlin, Botanisches Museum, Großer Hörsaal, Königin-Luise-Straße 6-8, 14195 Berlin
  • Anmeldung nicht erforderlich, der Eintritt ist frei
  • Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt
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