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„Die Zusammenarbeit zwischen den naturwissenschaftlichen Fächern stärken“

Millionenförderung für Neubau zur Erforschung supramolekularer funktionaler Architekturen an Biogrenzflächen beschlossen / Interview mit Chemieprofessor Rainer Haag

19.06.2015

Im neuen Forschungsbau werden unter anderem multivalente Wechselwirkungen an Biogrenzflächen untersucht, wie in dieser Illustration veranschaulicht.
Im neuen Forschungsbau werden unter anderem multivalente Wechselwirkungen an Biogrenzflächen untersucht, wie in dieser Illustration veranschaulicht. Bildquelle: AG Haag
Die Kombination und Entwicklung neuartiger Techniken zur Biogrenzflächenforschung wird ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit in der Takustraße sein. Das Bild zeigt Darstellungen der nano-FTIR-Mikroskopie.
Die Kombination und Entwicklung neuartiger Techniken zur Biogrenzflächenforschung wird ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit in der Takustraße sein. Das Bild zeigt Darstellungen der nano-FTIR-Mikroskopie. Bildquelle: I. Amenabar et al., Nat. Commun. 2013
Stephanie Reich aus dem Fachbereich Phsyik und Chemieprofessor Rainer Haag sind die designierten Sprecher für den Neubau „Supramolekulare Funktionale Architekturen an Biogrenzflächen“.
Stephanie Reich aus dem Fachbereich Phsyik und Chemieprofessor Rainer Haag sind die designierten Sprecher für den Neubau „Supramolekulare Funktionale Architekturen an Biogrenzflächen“. Bildquelle: David Ausserhofer; BGBM

Nach dem Neubau ist vor dem Neubau: Kurz nach der Eröffnung des Neubaus für die Kleinen Fächer der Geschichts- und Kulturwissenschaften hat die Freie Universität an diesem Freitag die Bewilligung in Höhe von 37,6 Millionen Euro für ein weiteres Großbauprojekt erhalten: Der Neubau „Supramolekulare Funktionale Architekturen an Biogrenzflächen“ (SupraFAB), der an der Dahlemer Takustraße entstehen soll, wird die fächerübergreifende Forschung zwischen den Naturwissenschaften stärken. Die Fördermittel werden je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen. Die beiden Sprecher der Focus Area NanoScale Rainer Haag, Professor für Chemie an der Freien Universität, und Physikprofessorin Stephanie Reich sind die designierten Sprecher für den Neubau.

Herr Professor Haag, wie kann ein Gebäude Auswirkungen auf die Forschung in den Fachbereichen Biologie, Chemie, Pharmazie sowie Physik haben?

Die verschiedenen Disziplinen sind seit Langem durch vier Sonderforschungsbereiche und die Forschungsplattform NanoScale miteinander verbunden und haben gemeinsame Schnittmengen in der Forschung. Der neue Forschungsbau hilft konkret bei der Erforschung sogenannter Biogrenzflächen, das sind Grenzflächen zwischen einem Material und einem biologischen System. Sie spielen bei lebenden Systemen eine zentrale Rolle, etwa bei der Wechselwirkung von Wirkstoffen mit Proteinkomplexen in der Zellmembran oder von Krankheitserregern mit Zelloberflächen.

Wie sieht die interdisziplinäre Forschung konkret aus?

Wir wollen herausfinden, wie sich diese Grenzflächen besser organisieren, strukturieren und modifizieren lassen, und wie sich sogenannte funktionale Architekturen an Grenzflächen verhalten. Es geht darum, verschiedene Verfahren zu entwickeln um herauszufinden, was an diesen Grenzflächen auf molekularer Ebene passiert. Diese Fragen berühren verschiedene naturwissenschaftliche Disziplinen, es gibt dafür zum Beispiel sowohl biologische, chemische als auch physikalische Methoden. Durch den Neubau können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieser Bereiche besser zusammenarbeiten. Solche interdisziplinären Zusammenarbeiten sind wichtig, um bei komplexen Fragestellungen erfolgreich zu sein.

Welche architektonischen Besonderheiten bietet der Neubau?

Schon jetzt gibt es eine enge Vernetzung zwischen den verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen auch über Fächergrenzen hinweg. Durch den Neubau ist diese Nähe endlich auch räumlich möglich. Das Gebäude soll zwischen 2016 und 2020 in der Takustraße errichtet werden, im Zentrum des naturwissenschaftlichen Campus der Freien Universität. Über eine Brücke soll der Neubau mit dem Institut für Chemie und Biochemie verbunden werden. Fortan sitzen Wissenschaftler aus der Physik, Chemie, Biochemie und Biologie in einem Gebäude – ohne abgetrennte Arbeitsbereiche. Das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit. Außerdem bekommen wir Fördergelder für viele Großgeräte, die gerade in der Grenzflächenanalytik für exakte und hochauflösende Messungen wichtig sind.