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Die Pergamonaltar-Forschung im Wandel der Zeit

27. Mai, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung „Der Thron des Satans“ - Der Pergamonaltar in Bild und Rekonstruktion" im Foyer der Universitätsbibliothek

26.05.2015

Der Pergamonaltar, hier zu sehen in einer Rekonstruktion des Archäologen Richard Bohn, steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am 27. Mai im Foyer der Universitätsbibliothek eröffnet wird.
Der Pergamonaltar, hier zu sehen in einer Rekonstruktion des Archäologen Richard Bohn, steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am 27. Mai im Foyer der Universitätsbibliothek eröffnet wird. Bildquelle: gemeinfrei
Das Bild zeigt das Fundament des Pergamonaltars nach seiner Freilegung um 1879.
Das Bild zeigt das Fundament des Pergamonaltars nach seiner Freilegung um 1879. Bildquelle: gemeinfrei

Es ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Antike: Der Pergamonaltar stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus und diente seinen griechischen Erbauern als religiöse Opferstätte. „Der Pergamonaltar ist das größte, bekannteste und am besten erhaltene Monument seiner Art. Dass heute bei uns in Berlin ein komplettes, antikes Gebäude steht, das ist geradezu einmalig“, sagt Burkhard Emme, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Archäologie der Freien Universität. Gemeinsam mit Moritz Taschner vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) und Studierenden der Freien Universität hat Emme eine Ausstellung zu historischen Forschungsergebnissen und bildlichen Rekonstruktionen des antiken Gebäudes entwickelt. campus.leben sprach mit dem promovierten Archäologen über die besondere Bedeutung des Pergamonaltars und darüber, was den Altar auch heute noch zu einem spannenden Ausstellungsthema macht.

Herr Emme, warum ist der Pergamonaltar ein Forschungsgegenstand, der bis heute so viele Archäologen fasziniert?

Die ersten Grabungen in Pergamon wurden 1878 von Carl Humann veranlasst. Er bezeichnete den Altar als Bauwerk, mit dem eine ganze Kunstepoche gefunden worden sei. In der Regel arbeitet die Archäologie hauptsächlich mit Fragmenten. Dementsprechend nimmt der sehr gut erhaltene Pergamonaltar also eine Sonderstellung in der Forschung ein. Aber auch als Monument an sich, ist er von großer Bedeutung. Unter anderem sind große Teile der bekannten Relieffriese erhalten geblieben. Zudem ist der Altar für einen archäologischen Fund außergewöhnlich gut datiert. Zu guter Letzt weist der Altar eine lange Forschungsgeschichte auf, in der eine beeindruckende Bandbreite von Darstellungstechniken zu beobachten ist. Dies ist der Ausgangspunkt unserer Ausstellung.

Ihre Ausstellung dokumentiert diverse archäologische Forschungsarbeiten zum Pergamonaltar und setzt sich kritisch mit den Annahmen auseinander, die ihnen zugrunde liegen. Woher rührt ihr Interesse an diesem Thema?

Die archäologische Forschung und Rekonstruktionsgeschichte in Hinblick auf den Pergamonaltar sind hochinteressant. Rekonstruktion bedeutet zunächst, dass Forscher anhand fragmentarischer Funde auf eine einst vorhandene Gesamtstruktur schließen. Zur Ergänzung dient oft der Vergleich mit anderen bekannten Bauten. Rekonstruktionen des Pergamonaltars waren im späten 19. Jahrhundert sehr einflussreich und haben sich auch auf weite Teile der archäologischen Forschung des 20. Jahrhunderts ausgewirkt. Wir haben diesen Prozess im Seminar kritisch nachvollzogen und haben dabei herausgearbeitet, dass diese Rekonstruktionen über die Jahrzehnte hinweg vielen anderen Autoren als Vorbild gedient haben. So kommt es, dass auch andere Bauten nach dem Vorbild des Pergamonaltars rekonstruiert wurden, auch wenn wir heute wissen, dass man dabei oft über das Ziel hinausgeschossen ist.

Was erwartet die Besucher im Rahmen der Ausstellung?

Da unser Fachbereich über einen relativ großen Bestand an historischen Büchern und Bildbänden verfügt, haben wir das Glück, viele alte Bücher ausstellen zu können. Das ist nicht nur auf wissenschaftshistorischer, sondern auch auf ästhetischer Ebene interessant. Innerhalb der Ausstellung finden sich Beispiele für unterschiedliche Dokumentationstechniken der archäologischen Forschung, etwa in Form eines umfangreichen Ausgrabungsberichtes von 1906 oder im Abdruck eines Aquarells von Friedrich Thiersch, auf dem der Pergamonaltar in sehr lebendiger und eindrucksvoller Weise dargestellt ist.

Die Fragen stellte Nora Lessing

Weitere Informationen

„Der Thron des Satans“ - Der Pergamonaltar in Bild und Rekonstruktion

Zeit und Ort

  • Eröffnung am Mittwoch, 27.05.2015, 18 Uhr
  • 27. Mai bis 7. August 2015
  • Foyer der Universitätsbibliothek, Garystraße 39, 14195 Berlin
  • Öffnungszeiten: Mo - Fr von 9 bis 20 Uhr

Eine Anmeldung nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.