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Seit 30 Jahren wird der Leibniz-Preis vergeben – ein Gespräch mit zwei Preisträgern von der Freien Universität

27.03.2015

Namensgeber des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland: der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz. Verliehen wir der mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierte Preis von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Namensgeber des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland: der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz. Verliehen wir der mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierte Preis von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bildquelle: orion eff / fotolia.com
Die Gräzistin Prof. Dr. Gyburg Uhlmann wurde 2006 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet.
Die Gräzistin Prof. Dr. Gyburg Uhlmann wurde 2006 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. Bildquelle: Freie Universität Berlin
Der Biochemiker Prof. Volker A. Erdmann ist der erste Preisträger der Freien Universität im Jahr 1987. Er wurde zusammen mit seinem Kollegen Prof. Wolfram Saenger ausgezeichnet.
Der Biochemiker Prof. Volker A. Erdmann ist der erste Preisträger der Freien Universität im Jahr 1987. Er wurde zusammen mit seinem Kollegen Prof. Wolfram Saenger ausgezeichnet. Bildquelle: Stephan Töpper

Seit 1986 verleiht die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Insgesamt 354 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bundesweit haben diese renommierte Auszeichnung in den fast 30 Jahren seit Bestehen des Förderprogramms erhalten – darunter 17 von der Freien Universität Berlin. Wie wirkt sich die Ehrung durch diesen mit zurzeit rund 2,5 Millionen Euro dotierten wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auf eine wissenschaftliche Karriere aus? Welche Weichen stellt der Preis? Das haben wir zwei Leibniz-Preisträger der Freien Universität gefragt: den emeritierten Biochemieprofessor Volker A. Erdmann, der die Auszeichnung 1987 gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfram Saenger bekam – und damit als Erster der Hochschule – und die 2006 ausgezeichnete Altphilologin Professorin Gyburg Uhlmann als vorerst letzte Preisträgerin.

Frau Professorin Uhlmann, Herr Professor Erdmann, an welchem Punkt ihrer wissenschaftlichen Karriere haben Sie den Leibniz-Preis erhalten?

Gyburg Uhlmann: Etwa drei Jahre nach Abschluss meines Habilitationsverfahrens, als ich gerade eine Reihe von Lehrstuhlvertretungen wahrnahm und an einem Buch über literaturgeschichtliche Konstruktionen in der griechischen Antike arbeitete.

Volker A. Erdmann: Den Leibniz Preis haben Herr Saenger und ich am 23. November 1987 bekommen, sieben Jahre, nachdem ich den Ruf an die Freie Universität Berlin angenommen hatte. Der Preis kam für mich zur rechten Zeit, um die Arbeiten in meiner Professur auf dem Gebiet der Nukleinsäuren zu etablieren und auszubauen.

Hatte die Auszeichnung Einfluss auf Ihre Forschungsarbeit und sie auf eine bestimmte Bahn gelenkt?

Gyburg Uhlmann: Der Preis hat es mir ermöglicht, Forschungen zur antiken Platon-Kommentierung und ihrem Schulkontext in Athen und Alexandria auszubauen; verwirklichen konnte ich außerdem eine Reihe von Tagungen und Veranstaltungen zum Zusammenhang zwischen Rationalität und Literatur beziehungsweise Literaturtheorie. Darüber hinaus konnte ich einige Pilotphasen für neue Forschungsansätze absolvieren, die ich ausprobieren wollte.

Meine derzeitigen wissensgeschichtlichen Schwerpunkte im Bereich der spätantiken Aristoteles-Kommentierung und ihrer bildungs- und institutionengeschichtlichen Kontextualisierung sind aus meiner Projektarbeit zur Platon-Kommentierung erwachsen. Denn beide Kommentar-Corpora sind aus denselben Schulen hervorgegangen und stehen in denselben oder vergleichbaren kulturellen Kontexten. In den vergangenen Jahren habe ich diese Kontexte durch die Leibniz-Preis-Förderung immer stärker in den Blick nehmen können – auch im Rahmen des Aristotelismus-Zentrums Berlin, das die Arbeit des Aristoteles-Archivs an der Freien Universität seit 2014 fortsetzt. Damit bin ich manchen Ideen aus meinem Platon-Kommentierungsprojekt weiter nachgegangen.

Aus dem Kontext dieser Forschungen heraus konnte ich auch an der Konzeption des Sonderforschungsbereichs 980 „Episteme in Bewegung“ mitarbeiten, der 2012 bewilligt wurde und dem ich seitdem als Sprecherin vorstehe. Die Perspektiven, die ich durch die Spielräume, die mir der Leibniz-Preis bot, entwickeln konnte, haben mir sehr dabei geholfen, in der Zusammenarbeit mit vielen hervorragenden Kollegen die breiten wissensgeschichtlichen Forschungshorizonte, mit denen der SFB vormoderne Kulturen untersucht, zu entwerfen und zusammenzuführen.

Ich würde insgesamt daher nicht von einer Lenkung meiner Forschungsarbeit durch den Preis sprechen, sondern eher von einem flexiblen Ermöglichungsrahmen, der auch risikoreichere Forschung zuließ oder jedenfalls die sonst notwendig zu nehmenden Hürden der Antragstellung für eine gewisse Zeit aus dem Weg räumte.

Volker A. Erdmann: Der große Vorteil dieses Preises war, dass die Gelder sehr großzügig eingesetzt werden konnten. Dadurch bekam ich eine bis dahin nicht geahnte Planungssicherheit, aber auch Flexibilität in der Wahl der Forschungsthemen. Das führte dazu, dass wir unseren ersten Nukleinsäuresynthese-Automaten anschaffen konnten und dass sich beispielweise Rolf Bald, ein sehr erfahrener Nukleinsäure-Chemiker, in meiner Abteilung ausschließlich der Nukleinsäure-Chemie widmen konnte. Diese Arbeiten führten letztendlich zu unserer Entdeckung der spiegelbildlichen Nukleinsäuren, das heißt der Spiegelmeren und Spiegelzymen, die für den Einsatz in der Molekularbiologie, molekularen Medizin und auch der Nano-Techologien vielversprechende Perspektiven bieten.

Sehr wichtig war aber auch, dass wir uns intensiv den Strukturen dieser Nukleinsäuren widmen konnten, was zusätzlich dadurch begünstigt wurde, dass wir mithilfe des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) über die Jahre an 17 verschiedenen Weltraummissionen teilnehmen konnten, um für Röntgen-Strukturuntersuchungen von den RNA- Molekülen Kristalle unter Bedingungen der Schwerelosigkeit zu züchten. Diese Strukturuntersuchungen führten zu grundlegenden Erkenntnissen der RNA-Strukturen und -Funktionen.

Die durch den Leibniz-Preis sichtlich verbesserten Arbeitsbedingungen ermöglichten es ebenfalls, dass ich 1990 den DFG-Sonderforschungsbereich 344 „Regulationsstrukturen von Nukleinsäuren und Proteinen“ gründen und als Sprecher leiten konnte. 1998 konnte ich zusätzlich die RiNA GmbH und das Berliner Netzwerk für RNA-Technologien, das ich zehn Jahre leitete, gründen. Dem Netzwerk für RNA-Technologien, gehörten insgesamt 25 Partner an, die großzügig vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Land Berlin und von der Industrie zu jeweils einem Drittel unterstützt wurden. Die Förderung betrug 120 Millionen DM, beziehungsweise 60 Millionen Euro. Auch die im vergangenen Jahr von mir gegründete Erdmann Technologies GmbH wäre letzten Endes ohne die Auszeichnung und finanzielle Unterstützung durch den Leibniz-Preis nicht möglich gewesen.

Weitere Informationen

Übersicht über alle Leibniz-Preisträgerinnen und -Preisträger der Freien Universität Berlin seit 1987