„Großartig, mit der eigenen Forschung etwas für Menschen bewegen zu können“

Erfolge für Ausgründungen der Freien Universität / Investorenkapital in Millionenhöhe

19.12.2014

Das Barzahlen-Team: Florian Swoboda, Achim Bönsch, Sebastian Seifert (von links nach rechts)
Das Barzahlen-Team: Florian Swoboda, Achim Bönsch, Sebastian Seifert (von links nach rechts) Bildquelle: Max Threlfall / profund
Die  Erfinder der Software "shyftplan": John Nitschke, Jan-Martin Josten (rechts)
Die Erfinder der Software "shyftplan": John Nitschke, Jan-Martin Josten (rechts) Bildquelle: shyftplan
Das Team von "Humedics": Prof. Dr. Karsten Heyne, Dr. Christian Frischkorn, Alexander Helmke (von links nach rechts)
Das Team von "Humedics": Prof. Dr. Karsten Heyne, Dr. Christian Frischkorn, Alexander Helmke (von links nach rechts) Bildquelle: Humedics GmbH

Nicht in der legendären Garage, sondern in einem Gründerhaus auf dem Universitäts-Campus haben sie angefangen – und sie sind äußerst erfolgreich: Allein im Herbst dieses Jahres haben drei Ausgründungen der Freien Universität hohe Kapitaleinlagen von Investoren erhalten, um ihre gut laufenden Geschäfte auszubauen. Bei den ersten Schritten in Richtung Markt wurden sie von profund, der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, unterstützt.

Der Betriebswirt John Nitschke und der Bioinformatiker Jan-Martin Josten konnten ihr Start-up mit einem einjährigen EXIST-Gründerstipendium aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an der Freien Universität aufbauen. Ihr wissenschaftlicher Mentor war Professor Robert Tolksdorf vom Fachbereich Mathematik und Informatik. In einem Gründerraum der „IT-Etage“ auf dem Geocampus Lankwitz entwickelten sie eine Plattform, mit der Unternehmen Schicht- und Einsatzpläne sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen können. Die Software „Shyftplan“ nutzen inzwischen Pflegedienste, Restaurants, Messe-Agenturen, Einzelhändler und andere Dienstleister für die Personalorganisation. Das auf zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsene Team hat nun 1,45 Millionen Euro Kapital von Kizoo Technology Ventures und der Investitionsbank Berlin (IBB) bekommen, um weiter zu expandieren.

Bedrohungsanalyse vom Experten

Florian Swoboda, Achim Bönsch und Sebastian Seifert haben 2011 den Finanzdienstleister „Barzahlen“ gegründet und im November 2014 gleich mehrere Millionen Euro von der Berlin Technologie Holding und der Investmentgesellschaft Alstin eingesammelt. „Barzahlen“ bedient Kunden, die zwar gern im Internet kaufen, aus Angst vor Datenmissbrauch aber lieber offline bezahlen wollen. Diese können inzwischen bei mehr als 7.500 Internethändlern bestellen, sich einen Zahlschein ausdrucken und damit bei einem der rund 3.400 Einzelhandelspartner die Rechnung in bar begleichen. Unterstützt wurde das Team von Informatik-Professor Volker Roth von der Freien Universität: Er konnte unter anderem bei der sogenannten Bedrohungsanalyse helfen und Angriffspunkte in der Software-Architektur identifizieren, die noch besser abzusichern waren. Heute beschäftigt „Barzahlen“ 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und will sein Produkt demnächst auch im Ausland anbieten.

Mit Forschung etwas für Menschen bewegen

Die „Humedics GmbH“, eine gemeinsame Ausgründung der Freien Universität und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, konnte bereits im November ihre dritte Finanzierungsrunde abschließen. Vesalius Biocapital Partners, Seventure Partners und weitere Risikokapitalgeber investierten rund sieben Millionen Euro in das Medizintechnikunternehmen, das ein Verfahren zur unmittelbaren und mobilen Messung der individuellen Leberfunktion am Patientenbett auf den Markt bringt. Die Innovation macht Operationen und Therapien für Menschen mit Lebererkrankungen besser planbar und somit sicherer – und wurde dafür erst kürzlich mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg auszeichnet. Mitgründer von „Humedics“ und Miterfinder des Verfahrens ist Karsten Heyne, Professor am Fachbereich Physik der Freien Universität. Er tüftelt bereits an neuen Erfindungen: „Es ist einfach großartig zu sehen, dass man mit seiner Forschung etwas für die Menschen bewegen kann. Als Physiker war das für mich keine Selbstverständlichkeit. Das möchte ich gern wiederholen.“