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Die Kunst der Verführung

Bis 7. September: Kunsthistorikerin Vera Beyer von der Freien Universität hat die Ausstellung „Joseph und Zulaikha“ im Kupferstichkabinett mitkuratiert

20.08.2014

Ausschnitt aus Rembrandt, Josephs Verführung, Radierung, 1634, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Ausschnitt aus Rembrandt, Josephs Verführung, Radierung, 1634, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin Bildquelle: bpk - Bildagentur, Jörg P. Anders
Ausschnitt aus Josephs Verführung aus einem Manuskript von Amanis Yusuf wa Zulaikha, Iran, 1416, Ms. or. oct. 2302, fol. 18r
Ausschnitt aus Josephs Verführung aus einem Manuskript von Amanis Yusuf wa Zulaikha, Iran, 1416, Ms. or. oct. 2302, fol. 18r Bildquelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz / Fotostelle

Altes Testament, Koran, Tora – ganz gleich, ob im Christentum, im Islam oder im Judentum: In allen drei heiligen Schriften findet sich die Josephsgeschichte wieder. Joseph wird an Potiphar, einen hohen ägyptischen Beamten, verkauft. Dessen Frau Zulaikha versucht, den schönen Jüngling zu verführen. Auch in der Kunst wurde die Josephsgeschichte vielfach rezipiert. Nun zeigt eine Ausstellung im Kupferstichkabinett am Kulturforum die Verführungsszene in Druckgrafiken und Bildern aus Indien, Persien und Europa und führt dem Betrachter Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Darstellungen vor Augen. Kunsthistorikerin Vera Beyer von der Freien Universität ist eine der Kuratorinnen der Ausstellung.

Mal wird die Verführungsszene als Liebesgeschichte interpretiert, mal als moralisches Lehrstück. „Die Kunstwerke im ersten Teil der Ausstellung zeigen zwar alle die Beziehung zwischen Joseph und Zulaikha, doch die Geschichte wird immer etwas anders dargestellt“, erklärt Kunsthistorikerin Vera Beyer. „Auf europäischen Abbildungen verkörpert Zulaikha den Inbegriff der sexuellen Verführung, der Joseph widerstehen muss. Die persischen Druckgrafiken zeigen dagegen ein ganz anderes Bild.“ Dort werde Zulaikhas Begehren im Anblick von Josephs Schönheit eher als Liebe zur göttlichen Schönheit inszeniert. Statt protestantische Enthaltsamkeit zu vermitteln, werde in den orientalisch anmutenden Bildern die sinnliche Schönheit als ein Weg zu Gott sichtbar gemacht.

Zugleich wird thematisiert, dass etwa Josephsbilder von Rembrandt starke Bezüge zur indischen Bildkultur aufweisen: „Rembrandt gibt seinen Figuren ein orientalisches Aussehen, indem er Miniaturen aus dem Moghulreich und aus Persien heranzieht“, sagt Vera Beyer. So werde künstlerisch die historische Herkunft der Figuren aus dem Nahen Osten hervorgehoben. Dass sich Bildkulturen wechselseitig beeinflussen, zeigen auch indische Exponate, in denen christliche Motive aufgegriffen werden.

Kunst verbindet Europa und Nahost

Fünf Berliner Sammlungen haben die Kuratorinnen Vera Beyer und Friederike Weis während ihrer Zusammenarbeit in der „Emmy Noether-Nachwuchsgruppe Kosmos Ornatus“ durchkämmt, um die indischen, persischen und europäischen Darstellungen der Josephsgeschichte zusammenzustellen. Über traditionelle Sammlungsgrenzen hinweg zeigen die Kunstwerke Unterschiede und Verbindungen zwischen den Bildkulturen von Europa und Nahost. Ein Thema, zu dem Vera Beyer seit Längerem forscht: Als Leiterin der „Emmy Noether-Nachwuchsgruppe Kosmos/Ornatus“ am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, untersucht die Wissenschaftlerin auch außerhalb der Ausstellung Zusammenhänge von christlicher und islamischer Kunst.

Am kommenden Sonnabend, um 15 Uhr, bieten die Kuratorinnen Vera Beyer und Friederike Weis noch einmal eine Abschlussführung durch die Ausstellung an.

Weitere Informationen

Joseph und Zulaikha. Beziehungsgeschichten zwischen Indien, Persien und Europa

Zeit und Ort

  • 11. Juni bis 7. September 2014
  • Kupferstichkabinett in der Gemäldegalerie am Kulturforum, Matthäikirchplatz 8, 10785 Berlin
  • Öffnungszeiten: montags geschlossen, dienstags, mittwochs und freitags 10 bis 18 Uhr, donnerstags 10 bis 20 Uhr, sonnabends und sonntags 11 bis 18 Uhr
  • Eintritt: 10 Euro / 5 Euro ermäßigt
  • Abschlussführung der beiden Kuratorinnen am 23. August um 15 Uhr