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Obst und Gemüse satt

Die amerikanische Soziologin Lindsay Read erforscht Online-Angebote zu gesunder Ernährung

27.03.2014

Wie kann man Menschen dazu bewegen, sich gesünder zu ernähren? Dieser Frage geht Lindsay Read in ihrer Forschung nach.
Wie kann man Menschen dazu bewegen, sich gesünder zu ernähren? Dieser Frage geht Lindsay Read in ihrer Forschung nach. Bildquelle: complize/www.photocase.com
Die amerikanische Soziologin Lindsay Read forscht seit Herbst 2013 als Stipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft.
Die amerikanische Soziologin Lindsay Read forscht seit Herbst 2013 als Stipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft. Bildquelle: Krishan Sint van der Kooi

Alle Jahre wieder: Einer Forsa-Umfrage zufolge haben sich 47 Prozent aller Deutschen für 2014 vorgenommen, mehr auf ihre Ernährung zu achten. Oft ist das leichter gesagt als getan. Die amerikanische Soziologin Lindsay Read untersucht im Rahmen eines Bundeskanzler-Stipendiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Marketing Department der Freien Universität, wie Ernährungspolitik in Deutschland, Großbritannien, den USA und Polen die Bevölkerung erreicht. Die Forscherin hat bei ihrer Untersuchung vor allem eines im Blick: die Gesundheit der Menschen.

Eine Arbeitskollegin erzählte Lindsay Read von den Förderungsmöglichkeiten der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Aus der Plauderei an der Kaffeemaschine wurde schnell ein handfester Plan: Die Amerikanerin wollte die Chance nutzen, in Deutschland zu forschen. Also machte sie sich an die Arbeit und bewarb sich. „Ich wusste, dass ich etwas im Bereich der Ernährungspolitik machen wollte“, erzählt die 34-Jährige.

Sie arbeitete ein Forschungsvorhaben aus, von dem sie anschließend einen deutschen Gastgeber und die Jury der Stiftung überzeugen musste. Ein Gastgeber war recht schnell gefunden: Professor Alfred Kuß, der am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft an der Freien Universität eine Professur für Marketing innehat, konnte sich vorstellen, die ambitionierte Amerikanerin nach Berlin einzuladen. Schließlich hat Ernährungspolitik direkten Einfluss auf das Verhalten von Konsumenten, sodass Reads Forschungsfeld gut in den Fachbereich passt.

Das Forschungskonzept überzeugte

Auch die Jury der Stiftung konnte Read von ihrer Idee überzeugen, „und dann ging alles ganz schnell“, berichtet Read. Im Februar 2013 hatte sie ihr Auswahlgespräch, schon im darauf folgenden Sommer zog sie in ihre Wohnung in Berlin ein.

„Wie können wir Menschen dazu bringen, mehr Obst und Gemüse zu essen, sich gesünder zu ernähren? Welche Instrumente brauchen wir dafür?“ lautet die Hauptfrage, die Lindsay Read umtreibt. Seit Oktober vergangenen Jahres arbeitet die Amerikanerin, die in Iowa Spanisch und Geschichte sowie an der University of Wisconsin in Madison „Public Affairs“ studiert hat, nun im Rahmen eines Bundeskanzler-Stipendiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Marketing Department der Freien Universität zu ernährungspolitischen Fragen.

Staatliche Kampagnen zu gesunder Ernährung im Blick

„Ich untersuche, wie Konsumenten mit Online-Angeboten umgehen, insbesondere Rezept-Webseiten.“ Schließlich erfreuten sich Online-Kochbücher sowohl in Deutschland als auch in den USA immer größerer Beliebtheit. „Diese Webseiten stellen zwar Rezepte zur Verfügung“, sagt sie, „aber informieren sie auch über Nährwerte und die Grundlagen gesunder Ernährung?“

Lindsay Reads Hauptaugenmerk liegt auf staatlichen Kampagnen. Sie untersucht die Ernährungspolitik in Deutschland, Großbritannien, den USA und Polen qualitativ, sucht nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden darin, wie die ernährungspolitischen Entscheidungen durchgesetzt und der Öffentlichkeit präsentiert werden. So will sie herausfinden, wie Verbraucher am einfachsten an Informationen über Ernährungspolitik gelangen können.

Die Menschen zum besseren Essen bewegen

Das Sprichwort „An apple a day keeps the doctor away“ sei überholt, sagt sie. In Deutschland, Großbritannien den USA und anderen Ländern gäbe es inzwischen die sogenannten „Fünf am Tag“-Kampagnen, die dafür werben, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen. Die unterschiedlichen Online-Angebote hierzu nimmt Read unter die Lupe, auf der Suche nach der optimalen Präsentation von Informationen für Verbraucher.

Wenn Lindsay Read von ihrer Arbeit spricht, spürt man, was sie bewegt: „Wie wir unser Ernährungssystem gestalten, hat große Auswirkungen auf jeden Einzelnen, aber auch auf die Umwelt.“ Und so sieht die überzeugte Pragmatikerin Read ihren Platz auch eher unter Menschen als am Schreibtisch: „Ich könnte mir gut vorstellen, an einem Projekt mitzuarbeiten, das das Kochen zu Hause fördert und die Menschen dazu bringt, sich mehr mit ihrem Ernährungsverhalten zu beschäftigen.“

Nach Berlin wird sie der Weg in die Millionenstadt Chicago führen. Hier gebe es eine große Schere zwischen arm und reich – was sich auch auf die Ernährung und das Ernährungsverhalten auswirke. An der Freien Universität sammelt sie beim täglichen Gang in die Mensa Eindrücke. Vor allem schätzt sie das gastronomische Ampel-System, das Mensabesucher – aufsteigend von grün („Die beste Wahl! Je öfter, desto besser!“) über gelb („Eine gute Wahl! Immer mal wieder!“) bis rot („Eher selten! Am Besten mit Grün kombinieren.“) – übersichtlich über den Nährwert des Essensangebots informiert.