Freie Universität Berlin


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„Wir wollen eine Brücke zwischen Forschung und Anwendung bauen“

Die Freie Universität ist Gastgeberin einer Tagung zum Thema Klinische Neuropsychologie vom 12. bis 14. September

10.09.2013

Ja, ein gesichertes logisches Theorem aber mehr auch nicht
Ja, ein gesichertes logisches Theorem aber mehr auch nicht Bildquelle: ag visuell Fotolia.com

Auch wenn detaillierte wissenschaftliche Abbildungen von Hirnarealen und den ihnen zugeordneten kognitiven Prozessen oft etwas anderes suggerieren: Die Informationsverarbeitung im Gehirn stellt Forscher bis heute vor viele Rätsel. Vom 12. bis 14. September 2013 kommen an der Freien Universität Berlin rund 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Klinischen Neuropsychologie auszutauschen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die aus experimenteller Forschung gewonnenen Erkenntnisse in der klinischen Behandlung von Patienten angewendet werden können. campus.leben sprach mit dem Tagungspräsidenten und Professor für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie Michael Niedeggen.

Herr Professor Niedeggen, die Neuropsychologie ist eine relativ junge Fachrichtung. Welchen Forschungsfragen widmet sie sich?

Klinische Neuropsychologen arbeiten mit neurologischen Patienten, die Schädigungen des zentralen Nervensystems erlitten haben. In der Praxis geht es um die Frage, welche Möglichkeiten der Rehabilitation es gibt, d.h. welche Trainingsmethoden  fehlerhafte Funktionen wiederherstellen können. Wir versuchen außerdem, mit experimentellen Methoden herauszufinden, was wir von diesen Patienten über die Gehirnfunktionen im Allgemeinen lernen können.

Einer der Schwerpunkte der Tagung ist die Verbindung von experimenteller Forschung und klinischer Anwendung. Welches Problem stellt sich auf diesem Gebiet momentan?

Zurzeit ist es noch schwierig, beide Wege zusammenzubringen. Die Experimentelle Neuropsychologie beschäftigt sich mit den Hirnfunktionen gesunder Probanden und untersucht, welche Aufgaben sich welchen Hirnarealen zuordnen lassen. Dabei entwickelt sie Methoden, um bestimmte Prozesse im Gehirn gezielt auslösen zu können. Die Methoden, aber auch die Erkentnisse der experimentellen Forschung, sind für die Klinik sehr relevan, sie werde werden aber zu oft nicht wahrgenommen. In der Klinik begegnet man dagegen Patienten mit spezifischen kognitiven Störungen. Die zielgerichtete Arbeit mit diesen Patienten kann helfen, die Funktionsmodelle vom Gehirn zu prüfen, die in der experimentellen Forschung entwickelt wurden. Manchmal müssen die Modell auch erweitert werden, wenn man Patienten mit hochspezifischen Ausfällen findet. Als Beispiel möchte ich nur Patienten nennen, die keine Objektbewegungen mehr wahrnehmen können, bei denen sonst aber das Sehen intakt ist.  Ziel der Tagung ist es daher, die experimentelle Forschung und  klinische Anwendung mehr als bisher  zu verknüpfen.

Ein weiterer Fokus liegt in der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Demenzen. Inwiefern und mit welchem konkreten Ziel forschen Neuropsychologen zu diesem Gebiet?

Die Frage nach Beeinträchtigungen von Gehirnfunktionen beschäftigt uns schon lange. Die Trennlinie zwischen normalen altersbedingten Defiziten und Demenzen ist unscharf und muss immer wieder neu evaluiert werden. Es gibt bisher kaum gesicherte Erkenntnisse dazu. Wichtig ist für uns Neuropsychologen folgende Frage: Wann können wir mit Sicherheit sagen, dass jemand sich tatsächlich auf der Schwelle zur Demenz befindet? Dabei spielt auch das subjektive Erleben des Patienten eine wichtige Rolle. Auch der Einfluss von Depressionen bei älteren Menschen scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Ist eine Depression ein zusätzlicher Risikofaktor für Demenz? Oder ist jemand depressiv, weil er im Alltag Gedächtnisprobleme hat? Auch hier ist eine engere Verbindung von experimenteller und klinischer Neuropsychologie wünschenswert, um Patienten genauer zu diagnostizieren und angemessen zu behandeln.

Weitere Informationen

Jahrestagung der Gesellschaft für Neuropsychologie und der Federation of the European Societies of Neuropsychology

  • Donnerstag, 12. September (Beginn 9.30 Uhr) bis Samstag, 14. September 2013; Henry-Ford-Bau Freie Universität Berlin, Garystr. 35, 14195 Berlin-Dahlem, U-Bhf. Thielplatz (U3)
  • Das vollständige Programm der Tagung und Anmeldemöglichkeit im Internet: www.esn2013.org
  • Die Tagung richtet sich an Studierende, Psychologen sowie an Ärzte, Therapeuten und Pädagogen. Informationen zu den Teilnahmegebühren und das Anmeldeformular finden Sie unter: www.esn2013.org/registration