Freie Universität Berlin


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Strategien gegen Stress

Nina Knoll, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Freien Universität, erforscht, wie Paare mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zurechtkommen

06.08.2013

Gesundheitspsychologin Nina Knoll: „Diese Stelle ist ein wahnsinniges Glück.“
Gesundheitspsychologin Nina Knoll: „Diese Stelle ist ein wahnsinniges Glück.“ Bildquelle: Bianca Schröder

Mehr Sport treiben – diesen Vorsatz hat wohl fast jeder schon einmal gefasst. Doch warum scheitert er so oft? Und was müsste passieren, damit er umgesetzt wird? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die Gesundheitspsychologie. Professorin Nina Knoll forscht dazu, wie sich Partner bei der Veränderung gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen gegenseitig unterstützen.

Nina Knoll wusste schon früh in ihrem Psychologiestudium, dass sie in die Forschung gehen würde. Das Themenfeld ergab sich wie von selbst: Die Universität Mainz, an der sie studierte, war eines der Zentren der Gesundheitspsychologie – ein Fach, das sich damals in Deutschland noch im Aufbau befand. Die Mainzer Professoren weckten Nina Knolls Interesse an Fragen der Stressbewältigung, Gastwissenschaftler aus den USA vermittelten ihr einen Eindruck von der Vielfalt des Bereichs. 

Von New York nach Berlin

Nach dem Diplom und einem einjährigen Studienaufenthalt als Fulbright-Stipendiatin an der State University of New York in Stony Brook ging Knoll 1998 an die Freie Universität Berlin, um am Graduiertenkolleg „Psychiatrie und Psychologie des Alterns“ ihre Dissertation zu schreiben. Nach deren Abschluss blieb sie in Berlin und war zuletzt stellvertretende Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie an der Charité. Über die Berufung als Professorin an die Freie Universität im vergangenen Jahr freue sie sich jeden Tag, sagt sie: „Diese Stelle ist ein wahnsinniges Glück: Ich mag die FU wirklich sehr und bin unheimlich froh, weiterhin in Berlin sein zu können!“

Doppelt bewegen

Eines von Knolls aktuellen Projekten ist die Studie „Bewegter Alltag“, die von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. Darin untersuchen sie und ihre Kollegin Silke Burkert von der Charité gemeinsam mit einem Team junger Wissenschaftler Strategien, die Paaren helfen sollen, ihre körperliche Aktivität im Alltag dauerhaft zu steigern und so einer Vielzahl von Krankheiten vorzubeugen. Ein Ziel ist es, Empfehlungen zu erarbeiten, wie Partner einander bei dem Vorhaben unterstützen können, sich mehr zu bewegen. „Bei Paaren erleben wir häufig, dass sie sich gegenseitig unterstützen, wenn es um gesundheitsrelevantes Verhalten geht“, sagt Knoll.

Einander helfen heißt auch miteinander sprechen

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Nina Knoll ist die Krankheitsbewältigung in Partnerschaften. In einer jüngeren Studie befassten sie und ihre Arbeitsgruppe sich mit Paaren, bei denen ein Partner infolge einer Erkrankung seine Alltagsaktivitäten vorübergehend einschränken musste. „Uns interessierte in der Studie besonders die Zeitspanne, innerhalb derer die Patienten wieder mehr Kontrolle erlangen und ihre Autonomieziele entsprechend anpassen. Wir haben analysiert, wie die Unterstützung durch die gesunden Partner diese Zielsetzungen erleichtern oder erschweren kann“, erläutert die Psychologin.

Zu Frustration könne es führen, wenn der gesunde Partner viel Hilfe leiste, obwohl der gesundheitlich eingeschränkte Partner seine Selbständigkeit zurückerlangen will. Ihre Empfehlung lautet daher: „Paare sollten sich über Unterstützungs- und Autonomiebedürfnisse frühzeitig austauschen.“ Zudem sei es wichtig, dass auch der kranke Partner die Möglichkeit bekomme, zu unterstützen.

Focus Area "Disease in Human Aging“ (DynAge)

Gemeinsam mit Professor Ulrich Keilholz, Tumormediziner an der Charité, sowie weiteren Kollegen aus mehreren Fachbereichen der Freien Universität und von Kliniken der Charité baut Knoll derzeit die Focus Area „Disease in Human Aging“ (DynAge) auf, in der es um Erkrankungsprozesse über die Lebensspanne geht. Angesichts des demografischen Wandels sollen unter anderem Empfehlungen erarbeitet werden, wie das Gesundheitssystem den Herausforderungen begegnen kann.