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Der Mineraliensucher

Im Ruhestand geehrt und gefragt wie nie: Der Geologe Peter Halbach erforscht Rohstoff-Vorkommen in der Tiefsee

28.02.2012

Rohstofffabrik am Meeresboden: In 1500 bis 3000 Meter Tiefe lagern sich Metallsulfide um schwarz rauchende Schlote ab.
Rohstofffabrik am Meeresboden: In 1500 bis 3000 Meter Tiefe lagern sich Metallsulfide um schwarz rauchende Schlote ab. Bildquelle: ROV KIEL 6000, IFM-GEOMAR
Erforscht Rohstoff-Vorkommen in der Tiefsee: der Geologe Peter Halbach.
Erforscht Rohstoff-Vorkommen in der Tiefsee: der Geologe Peter Halbach. Bildquelle: Privat

Es sind unscheinbare Klumpen, die in endloser Weite aus dem Schlamm wachsen. Lägen sie nicht in 4000 bis 5000 Meter Meerestiefe, man könnte sie für runzelige Kartoffeln halten. Doch die rundlichen Gebilde am Ozeangrund sind um vieles wertvoller als jede Sättigungsbeilage. Manganknollen enthalten – neben Mangan – Nickel, Kupfer und Cobalt in hoher Konzentration. Peter Halbach erforscht diese gefragten Rohstoffe der Tiefsee seit über 40 Jahren. Doch so begehrt wie jetzt, in Zeiten knapper werdender Ressourcen, war seine Expertise selten. Dabei lebt der Professor für Rohstoffgeologie am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität Berlin bereits seit 2004 im Ruhestand.

Es sind nicht nur die Manganknollen, die in den Weltmeeren als Rohstofflieferant interessant sind. Auch mit kobaltreichen Eisen-Mangan-Krusten, die ganze Bergrücken in der Tiefsee bedecken, und polymetallischen Massivsulfiden, die an weiß oder schwarz rauchenden Schloten in 1500 bis 3000 Meter Meerestiefe zu finden sind, beschäftigt sich Peter Halbach in seiner Forschung seit Jahrzehnten.

Zu Zeiten der Ölkrise war der Geologe, der an der TU Clausthal-Zellerfeld und der Technischen Universität Berlin studierte und 1967 über marin-sedimentäre Eisenerze promovierte, bereits ein gefragter Experte. „In den 1970-er Jahren versuchten deutsche Bergbauunternehmen im Rahmen eines internationalen Konsortiums erstmals Manganknollen vom Meeresboden zu ernten“, sagt der Träger der Moore Medal, die höchste Auszeichnung der renommierten International Marine Minerals Society.

Mineralvorkommen in den Weltmeeren

Doch der Rückgang der Rohstoffpreise machte die Bergbauaktivitäten in der Tiefsee unrentabel. Die Lagerstätten an Land waren günstiger auszubeuten. Nichtsdestotrotz widmete sich der Geologe Halbach weiter der Grundlagenforschung zur Entstehung und Verbreitung von Erzvorkommen in den Ozeanen. 1985 akzeptierte er den Ruf der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld auf die C3-Professur für Marine Rohstoffe. Vier Jahre später übernahm er die Leitung des dortigen Zentrums für Rohstofforientierte Meeresforschung. 1992 folgte der Wechsel an die Freie Universität Berlin.

Heute berät der Autor von rund 150 Publikationen nationale und internationale Regierungsorganisationen und forscht weiter zu den Mineralvorkommen in den Weltmeeren. Dieser Tage hofft der Geologe auf die Zusage für eine Studie, die er im Auftrag der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) über das Potential für Seltene Erden in Manganknollen und -krusten erstellen soll. Die ISA wacht auf Grundlage der UN-Seerechtskonvention über die Bodenschätze der Tiefsee als „gemeinsames Erbe der Menschheit“.

Fachtagung „Minerals of the Ocean“

Vielleicht wird der Fahrt- und Projektleiter von 15 Meeresexpeditionen in diesem Jahr auch noch einmal an einer Forschungsreise teilnehmen – die Gespräche laufen. Und dann ist da natürlich die Internationale Fachtagung „Minerals of the Ocean“ im Juni 2012, die der Berliner Geologe seit rund einer Dekade im Zwei-Jahres-Turnus gemeinsam mit Kollegen der Staatlichen Universität St. Petersburg (SPBU) an der Newa organisiert. Ein Engagement für die deutsch-russische Wissenschaftskooperation, für das der Geologe, neben seiner geowissenschaftlichen Exzellenz, im vergangenen Oktober die Ehrendoktorwürde der SPBU erhielt