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Zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns entsteht die Enzyklopädie „1914-1918-online“ / Start der Realisierungsphase

24.02.2012

(v.l.n.r.) Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos (CeDiS Freie Universität Berlin), Prof. Alan Kramer (Trinity College Dublin), Prof. Dr. Ute Daniel (TU Braunschweig) und Prof. Dr. Oliver Janz (FMI Freie Universität)
(v.l.n.r.) Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos (CeDiS Freie Universität Berlin), Prof. Alan Kramer (Trinity College Dublin), Prof. Dr. Ute Daniel (TU Braunschweig) und Prof. Dr. Oliver Janz (FMI Freie Universität) Bildquelle: Gisela Gross

Es war die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“: Der Erste Weltkrieg kostete 17 Millionen Menschen das Leben, weitere 20 Millionen Soldaten wurden verwundet. Etwa 40 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt an dieser Tragödie, die nicht nur in Europa, sondern weltweit verheerende Auswirkungen hatte. An der Freien Universität Berlin entsteht zu diesem Thema zurzeit die Enzyklopädie „1914-1918-online“. Bei einem Workshop läuteten die internationalen Projektmitarbeiter die Realisierungsphase ein.

„1914-1918-online“ ist ein sowohl technisch als auch inhaltlich ehrgeiziges Projekt. Ähnlich wie bei Wikipedia sollen die Nutzer durch ein System von vernetzten Artikeln immer wieder auf interessante Informationen zum Thema stoßen. Gleichzeitig will die Enzyklopädie geschichtswissenschaftliche Forschungslücken identifizieren und schließen helfen. Mehrere hundert international renommierte Experten werden in den nächsten zwei Jahren an diesem Großprojekt mitarbeiten. „Wir möchten die globalen Zusammenhänge begreiflich machen“, formuliert Alan Kramer, Historiker am Trinity College Dublin, seine Erwartungen.

Alle Fäden des Vorhabens laufen an der Freien Universität zusammen, genauer gesagt am Friedrich-Meinecke-Institut sowie dem Center für Digitale Systeme (CeDiS). Eine Million Euro haben die Historiker um Professor Oliver Janz sowie die Spezialisten für die digitale Erschließung und multimediale Aufbereitung wissenschaftlicher Materialien um Professor Nicolas Apostolopoulos gemeinsam mit der Bayerischen Staatsbibliothek München von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben. Die Deutschen Historischen Institute in London, Paris, Warschau, Rom und Moskau sind ebenfalls maßgeblich beteiligt.

Die Vorteile des Internets nutzen

Die Online-Publikation unterscheidet sich stark von den konventionellen Abläufen bei der Herausgabe von Monografien oder Sammelbänden, was neue technologische Verfahren erfordert. Zudem werden Navigationsverfahren für die Enzyklopädie entwickelt, die es dem Nutzer ermöglichen, sich mit dem Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu beschäftigen. Dabei sollen auch sogenannte „Semantic-Web-Techniken“ zum Einsatz kommen, die den Leser neue Verbindungen zwischen einzelnen Inhalten entdecken lassen. Interessiert sich jemand beispielsweise für den „Steckrübenwinter“ – die Krise der Nahrungsmittelversorgung in Deutschland im Winter 1916/1917 – wird er auch auf die alliierte Blockade der internationalen Handelswege aufmerksam gemacht. Diese war wiederum eng mit dem deutschen U-Boot-Krieg gegen Großbritannien verbunden, über den sich der Nutzer dann ebenfalls mittels Bild- und Filmmaterial informieren kann.

Die Rolle kleinerer Staaten sowie der außereuropäischen Welt beleuchten

Beim ersten Zusammentreffen von etwa 60 Projektbeteiligten Mitte Januar betonte Vizepräsident Professor Michael Bongardt die große Expertise der Freien Universität in der E-History – der elektronischen Aufarbeitung historischer Erkenntnisse, etwa mit digitalen Zeitzeugenarchiven und Multimediaplattformen. Die vielen ausländischen Beteiligten spiegelten zudem die internationale Netzwerkphilosophie der Universität wider. „Dieses Projekt ist das erste wirklich globale zum Ersten Weltkrieg, auch hinsichtlich der Mitarbeiter“, sagte die Historikerin Ute Daniel. Die Wissenschaftlerin der TU Braunschweig ist neben Oliver Janz und Alan Kramer eine von drei Gründungsherausgebern der Enzyklopädie. „Die Rolle kleinerer Staaten sowie der außereuropäischen Welt kommt bislang in der Forschung viel zu kurz“, sagt sie. „Es ist ebenfalls unklar, wie sich die militärischen Entscheider über Ländergrenzen hinweg wahrnahmen, ob und wie sie kommunizierten.“ Insbesondere die Vor- und Nachkriegsjahre seien noch unzureichend erforscht.

Forschungslücken zum Ersten Weltkrieg schließen

„Die Folgen des Kriegs im Osten – allein im russischen Bürgerkrieg mit mindestens 14 Millionen Toten und mit massiver antisemitischer Gewalt – waren noch katastrophaler als im Westen“, sagt Alan Kramer. „Erst in den letzten Jahren wird über Afrika und Asien geforscht: Heute ist fast vergessen, dass der Krieg zwischen Deutschen und Briten in Deutsch-Ostafrika ohne die Zwangsarbeit von einer Million Schwarzafrikanern nicht möglich gewesen wäre und dass er Hundertausende das Leben kostete.“

Auf der Grundlage des frei zugänglichen Internetangebots sollen von 2014 an auch Schulklassen und Universitätsseminare in der Lage sein, sich über wichtige Tatsachen ein neues und umfassenderes Bild zu machen und mit diesen Informationen selbstständig weiterzuarbeiten.