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Von der Mücke zum Elefanten

Das von Studenten der Freien Universität gegründete StartUp „elefunds“ ermöglicht Online-Käufern, ihren Rechnungsbetrag aufzurunden, um die Differenz zu spenden

25.01.2012

Das Team "elefunds" (v.l.n.r.): Christoph Haas, Yannick Sonnenberg, Tim Wellmanns, David Hirsch, Ben Spiekermann.
Das Team "elefunds" (v.l.n.r.): Christoph Haas, Yannick Sonnenberg, Tim Wellmanns, David Hirsch, Ben Spiekermann. Bildquelle: elefunds
Spenden nach dem elefunds-Prinzip: Beim Online-Shopping erhält der Käufer die Möglichkeit, den  Rechnungsbetrag aufzurunden, um die Differenz an eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl zu spenden.
Spenden nach dem elefunds-Prinzip: Beim Online-Shopping erhält der Käufer die Möglichkeit, den Rechnungsbetrag aufzurunden, um die Differenz an eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl zu spenden. Bildquelle: elefunds

„Trink- und Wechselgeld sind die ältesten und einfachsten Formen des Spendens“, sagt Tim Wellmanns. Der 29-Jährige studiert Kultur- und Sozialanthropologie an der Freien Universität Berlin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fundraising. „Früher wanderten die Münzen aus der Hosentasche direkt in den Hut oder Klingelbeutel. Wir haben schon länger darüber nachgedacht, wie man dieses Modell auf das Internet übertragen kann.“ Zusammen mit Yannick Sonnenberg und David Hirsch nahm er im Wintersemester am Funpreneur-Wettbewerb von profund – der Gründungsförderung der Freien Universität teil.

Gemeinsam entwickelte das Team die Idee für „electronic fundraising“ – die elektronische Spendenaktion – weiter: Beim Online-Shopping sollten die Käufer die Möglichkeit haben, den Rechnungsbetrag aufzurunden, um die Differenz an eine gemeinnützige Organisation ihrer Wahl zu spenden.

Das tue nicht weh, mache Spaß, und man müsse nicht lange darüber nachdenken, so die Überlegung des Teams. Und: Würde diese Art des Spendens zur Selbstverständlichkeit, könnten hohe Summen zusammenkommen.

Der Name „elefunds“ wurde erdacht und mit einem Elefanten als Logo illustriert. Parallel schrieb der Informatiker David Hirsch die Software für ein Plugin: Dieses Programm kann in den Bezahlvorgang von Online-Shops integriert werden und ermöglicht es, mit einem Klick zu spenden. „elefunds“ leitet die Spende dann an die jeweilige gemeinnützige Organisation weiter.

Gutes tun und davon berichten

Als Mittler zwischen Online-Shops, gemeinnützigen Organisationen und Konsumenten bietet „elefunds" Vorteile für alle Beteiligten: Die Anbieter erhalten Aufmerksamkeit und einen neuen Kanal für das Fundraising. Die Kunden erhalten beim Einkaufen das Gefühl, auch etwas Gutes getan zu haben. Wer möchte, kann über die Anbindung an soziale Netzwerke seinen Freunden von der guten Tat berichten und so andere zum Spenden anregen.

Online-Shops können ihre Kundenbindung fördern und dabei gemeinnützige Organisationen indirekt unterstützen. Da die Spenden mit „elefunds“ über eine neutrale Instanz abgewickelt werden, gehen die Unternehmen zudem dem Vorwurf aus dem Weg, sie würden nur spenden, um der eigenen Firma ein verantwortungsbewusstes Image zu verleihen.

Rückenwind von SAP

Wellmanns, Sonnenberg und Hirsch engagierten sich derart, dass das Projekt schnell und nachhaltig Fahrt aufnahm: Große Organisationen wie die UNO-Flüchtlingshilfe, Ärzte ohne Grenzen und foodwatch sagten zu. Auf Vermittlung von profund, der Gründungsförderung der Freien Universität, prüfte eine Anwaltskanzlei kostenfrei die Verträge, ein Steuerberater stand als Wirtschaftspate zur Seite, das Team holte sich Verstärkung und gründete eine GmbH.

Außerdem kamen neue Mitarbeiter und Praktikanten dazu, um das Team zu unterstützen. Bis Ende Januar testen die Gründer ihr Modell nun im eigenen Online-Shop. Für Februar 2012 ist der „Echtbetrieb“ mit bis zu fünf Partner-Shops und weiteren gemeinnützigen Organisationen geplant.

Im Rahmen eines gewonnenen „Social Impact Startup Stipendiums“ erhält „elefunds“ Büroräume und wird in den kommenden vier Monaten zusammen mit anderen „sozialen Unternehmensgründern“ von der Firma iq-consult beraten und von dem Softwarehersteller SAP unterstützt. Mit diesem Rückenwind gelang es dem Team erst kürzlich, in die Top 20 des Businessplanwettbewerbs der Länder Berlin und Brandenburg (BPW) vorzustoßen und das Interesse von Investoren zu wecken, die die Idee unterstützen wollen.

Auch ethisch lässt sich Geld verdienen

Reich werden die Jungs mit ihrer Idee vorerst wahrscheinlich nicht: Das Team hält sich nach eigener Aussage strikt an den Ethikkodex des Deutschen Fundraising-Verbandes und will nicht durch Provisionen über Gebühr am generierten Spendenvolumen mitverdienen. Stattdessen gibt es individuelle Absprachen mit allen Partnern über die Vergütung ihrer Dienstleistung, die Sie zum Festpreis vertreiben.

Auf lange Sicht soll „elefunds“ für die gemeinnützigen Organisationen möglichst günstig sein: „Wenn wir das Potenzial sozialer Netzwerke nutzen können und die Käufer ihre Spende und den Shop auf Facebook und Twitter mitteilen, verdienen wir unser Geld über diese Werbung und können den Service sehr günstig anbieten“, sagt Yannick Sonnenberg. Um die soziale Einstellung zu unterstreichen, startete „elefunds“ von Anfang an mit einem Ethikkodex, der die Vorstellungen der Gründer bezüglich Fundraising dokumentiert und in dem sich diese zu sozialem Engagement und ethischer Unternehmensführung bekennen.

Da die Idee im Vordergrund steht und nicht das „schnelle Geld“, sucht das StartUp momentan in allen Bereichen Unterstützung von Menschen, die ihr Wissen für eine gute Sache zur Verfügung stellen wollen. „elefunds“ betrachtet sich als Social Business, dessen primäres Interesse der gesellschaftliche Mehrwert ist, den die Gründungsidee des Unternehmens schaffen kann.