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Unsicherheit managen

Wissenschaftler am Institut für Management forschen zum Umgang mit unvorhersehbaren Krankheitsausbrüchen

05.01.2012

Im Rahmen des am Institut für Management angesiedelten Forschungsprojekts „Epidemic Communicator – Uncertainty as a Trigger for Service Innovations“ arbeiten Betriebswirte und Veterinärmediziner zusammen.
Im Rahmen des am Institut für Management angesiedelten Forschungsprojekts „Epidemic Communicator – Uncertainty as a Trigger for Service Innovations“ arbeiten Betriebswirte und Veterinärmediziner zusammen. Bildquelle: Marina Kosmalla
Zwischen 1918 und 1920 forderte die Spanische Grippe mindestens 25 Millionen Todesopfer. Das Bild zeigt ein Militär-Notfallkrankenhaus in Kansas während der Pandemie.
Zwischen 1918 und 1920 forderte die Spanische Grippe mindestens 25 Millionen Todesopfer. Das Bild zeigt ein Militär-Notfallkrankenhaus in Kansas während der Pandemie. Bildquelle: National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., United States.

Das Erdbeben und die nukleare Katastrophe in Fukushima trafen die Menschen in Japan im März vergangenen Jahres plötzlich und unvorbereitet. In Deutschland war man nicht für den jüngsten Ausbruch der EHEC- bzw. HUS-Erreger im Frühjahr und Sommer gewappnet. Das sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen, dass trotz moderner informationstechnologischer und wissenschaftlicher Möglichkeiten Ereignisse eintreten können, die offenbar nicht vorhersehbar waren. Wie geht man, wie gehen Institutionen mit solchen unkalkulierbaren Unsicherheiten um?

Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Freien Universität Berlin im Rahmen des Forschungsprojekts „Epidemic Communicator – Uncertainty as a Trigger for Service Innovations“. Das Projekt, das am Institut für Management des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften angesiedelt ist und von Gordon Müller-Seitz geleitet wird, wird mit Forschungsgeldern in Höhe von 40.000 Euro von der Peter-Pribilla-Stiftung finanziert. Gordon Müller-Seitz ist promovierter Diplomkaufmann und hat derzeit eine Vertretungsprofessur an der Universität Göttingen inne.

Unsicherheiten erkennen und Handlungsempfehlungen ableiten

Im Zuge des Forschungsprojekts sollen drei verschiedene Krankheitsausbrüche (EHEC-, Salmonellen- und Listerienausbrüche) der letzten zwei Jahre untersucht werden. Zentral ist dabei die Frage, wie die beteiligten Institutionen – etwa das Robert Koch-Institut (RKI), die zentrale Einrichtung der Bundesregierung zur Krankheitsüberwachung und -prävention – mit der grundsätzlichen Unsicherheit umgehen, die jederzeit vor dem Ausbruch einer Epidemie herrscht. Ziel der Forschung ist es, bestimmte Muster im Umgang mit Unsicherheiten zu erkennen und daraus mögliche Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten, damit bei einem erneuten Ausbruch schneller und besser reagiert werden kann.

Kooperation zwischen Betriebswirten und Veterinärmedizinern

Gordon Müller-Seitz erachtet die interdisziplinäre Ausrichtung des Projekts für wichtig: „Durch die Kooperation mit den Kollegen aus der Veterinärmedizin wollen wir die betriebswirtschaftliche Perspektive durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse fruchtbar ergänzen“, erklärt der Betriebswirt. Denn während die Naturwissenschaftler versuchen herauszufinden, wie und wo sich jemand zuerst infiziert hat, wo der Erreger herkam, und wie er sich dann ausbreiten konnte, befasst sich der Wirtschaftswissenschaftler mit der Frage, wie bestimmte Akteure – beispielsweise das Robert Koch-Institut – mit dem unerwarteten Ausbruch der Krankheit umgehen.

Entwicklung einer „App“

Neben den Fallanalysen, die sich auf das Handeln von öffentlichen Organisationen und Institutionen beziehen, richtet sich ein Teil des Vorhabens darauf, Privatpersonen besser informieren zu können. So soll etwa eine Applikation („App“) für Smartphones entwickelt werden, mit deren Hilfe die Nutzer im Falle eines Krankheitsausbruchs rasch Informationen von der Internetseite einer vertrauenswürdigen öffentlichen Institution abrufen können. Bei einem erneuten Ausbruch von EHEC könnten die Nutzer sich beispielsweise schnell über Ansteckungsgefahren und Krankheitssymptome informieren. Die „App“ soll dabei helfen, gesundheitliche Risiken besser einzuschätzen und panische Reaktionen zu vermeiden. Und so den Umgang mit Unsicherheit im Alltag erleichtern.