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Wenn die Forschung auf den Hund kommt

Neue tierärztliche Methoden können Haustieren mit Gelenkproblemen helfen

10.09.2009

Veterinärmediziner an der Kleintierklinik entnehmen der Hündin Cika eine Flüssigkeitsprobe aus dem Gelenk
Veterinärmediziner an der Kleintierklinik entnehmen der Hündin Cika eine Flüssigkeitsprobe aus dem Gelenk Bildquelle: Ulrich Dahl

Nicht nur der Mensch hat Probleme mit Verschleißerscheinungen und Verletzungen von Knorpel, Sehnen oder Haut, auch Tiere können darunter leiden. Forscher am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität haben eine Methode entwickelt, mit der sie genetisch konditionierte Zelltransplantate aus patienteneigenen Knorpelzellen herstellen können. Die Methode kann bei Hunden bereits eingesetzt werden.

Sie sind meist nicht mehr die Jüngsten, hören auf Namen wie Lucy, Rex oder Finn und reagieren auf die Diagnose „Knieluxation“ oder „Arthrose“ höchstens mit einem Hundeblick: Die typischen Patienten, die zu Professor Leo Brunnberg in die Klinik und Poliklinik für Kleine Haustiere  der Freien Universität kommen, sind  Hunde mit orthopädischen Problemen. Für sie ist Gassigehen kein Vergnügen mehr, sondern nur noch eine Qual – genauso wie für ihre Besitzer. „Die autologe Zelltherapie, etwa bei Knieluxationen, könnte ein großer Fortschritt in der Veterinärmedizin werden“, sagt Leo Brunnberg. Für den Immunologieprofessor Michael F.G. Schmidt wäre es außerdem die Krönung seiner fast zehn Jahre andauernden Forschungsarbeit. „Wir sind sehr optimistisch, was das Marktpotenzial unserer Ergebnisse angeht.“

Ob Hund oder Mensch: Gewebe wie zum Beispiel der Knorpel einer Kniescheibe, Sehnen oder Haut geht oft durch Verschleiß oder angeborene Defekte verloren oder wird durch Verletzungen zerstört. Bisher kann man dieses Gewebe häufig nicht ersetzen, denn insbesondere Knorpel wächst nicht nach. Mit Hilfe von „Tissue Engineering“, einer Gewebekonstruktion, können lebende Zellen derart vermehrt und kultiviert werden, dass man sie dem Patienten reimplantieren kann, um die Gewebefunktion wiederherzustellen. „Mit unseren Forschungsergebnissen sind wir jetzt so weit, dass wir genetisch konditionierte Zelltransplantate aus patienteneigenen Knorpelzellen herstellen können“, sagt Michael F.G. Schmidt.

Gewebe mit besonderen Eigenschaften

Durch die besondere Konditionierung kann das neue Gewebe jedoch weit mehr als ein normales Transplantat: Sobald lokale Entzündungen auftreten, schüttet es Proteine aus, die die Schmerzen lindern und die Regeneration von Gewebe stimulieren. „Damit fokussiert sich die Therapie auf den Ort, wo sie gebraucht wird und verkürzt so die Dauer der Erkrankung.“ Die Methode kann bei Hunden mit entzündlichen degenerativen Gelenkerkrankungen bereits eingesetzt werden. Mittelfristig soll die neuartige Therapie mit den „Smarten Transplantaten“ auch bei Pferden mit Gelenkproblemen zur Anwendung kommen – und schließlich auch den vielen Menschen helfen, die unter Arthrose leiden.

Projektförderung durch den Bund

Dass das Projekt „Autologe konditionierte Zelltherapie (ACCT) zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen“ für die nächsten sechs Monate mit 100.000 Euro durch das ForMaT-Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird, und in der zweiten, zweijährigen Förderphase ein weitaus höherer Förderbetrag in Aussicht steht, ist für Professor Schmidt und seine Mitarbeiter ein schöner Erfolg. Und einer, der bis zum Beginn der Screeningphase im Oktober noch viel Arbeit bedeutet: „Als Forscher haben wir mit den betriebswirtschaftlichen Aspekten bisher wenig Erfahrung. Deshalb suchen wir für unser Team noch einen kompetenten Mitarbeiter aus diesem Fachbereich“, sagt Schmidts Mitarbeiterin, Kizzie Manning-Kröger. Außerdem sind die Forscher für die neue Therapie mit reaktiven Transplantaten weiter auf der Suche nach Patienten mit Gelenkproblemen – vorläufig noch solchen auf vier Beinen.