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Mit „Fredegar“ nach Harvard: Zeitreise ins Frühmittelalter

Historiker der Freien Universität erhält Stipendium für Forschungsaufenthalt in Harvard

15.07.2009

Der Historiker Dr. Andreas Fischer wird in Harvard forschen
Der Historiker Dr. Andreas Fischer wird in Harvard forschen Bildquelle: Privat

Wie sehen die Entwicklungen in der Welt des Mittelmeerraums um das 7. Jahrhundert aus, wenn man sie aus damalig westlicher Perspektive betrachtet? Eine Frage, die zugleich aktuell und historisch bedeutsam ist. Andreas Fischer, promovierter Historiker an der Freien Universität, will dies in einem einjährigen Fellowship an der Harvard University erforschen.

„Was an Harvard fasziniert, ist die intellektuelle Atmosphäre. Ich freue mich zudem besonders auf den Kontakt mit Wissenschaftlern, denen ich endlich persönlich die Fragen stellen kann, die mich schon lange beschäftigen.“ Andreas Fischer ist einer von drei Stipendiaten der Volkswagen Stiftung, die sich in der zweiten Runde des Wettbewerbs um ein „Fellowship für Postdoktoranden aus den Geisteswissenschaften an der Harvard University“ unter 25 Bewerbern durchgesetzt haben. Das Stipendium über den Zeitraum eines Jahres wird jeweils mit 100000 Euro gefördert.

Im 7. Jahrhundert nach Christus entstand mit der damaligen Ausbreitung des Islam eine neue Weltordnung: Im Westen waren auf dem Boden des ehemaligen Römischen Reiches germanische Königreiche entstanden, während das Imperium im Osten mit dem Byzantinischen Reich fortbestand. Die Expansion des Islam veränderte die Situation im Mittelmeerraum dramatisch – eine Entwicklung, die noch bis heute spürbar ist. „Bisher wurde vorwiegend zu den sozialen und ökonomischen Auswirkungen der poltischen Entwicklung geforscht“, erklärt Fischer, „mich interessieren aber vor allem die Auswirkungen auf kulturelle und religiöse Verbindungen.“ Bei den Untersuchungen soll im Mittelpunkt stehen, wie sich die Verbindungen aus westlicher Sicht darstellten.

Forschungsgrundlage: die „Fredegar-Chronik“

Als Grundlage seiner Forschungen dient Fischer die lateinische Chronik des sogenannten „Fredegar“, dem wichtigsten historiografischen Werk des 7. Jahrhunderts. Aus der genauen Analyse des Textes, des Autors und der Quellen will der Historiker Rückschlüsse darauf ziehen, welche Informationen damaligen Zeitgenossen zugänglich waren, wie diese Informationen aufgenommen wurden und wie sie das Weltbild beeinflussten.

Seit 2006 ist Andreas Fischer wissenschaftlicher Mitarbeiter am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität, wo er auch promovierte zum Thema „Kardinäle im Konklave. Die lange Sedisvakanz der Jahre 1268 bis 1271“. Mit seinem Stipendium am Humanities Center der Harvard University , das im Herbst 2009 beginnt, will der Historiker seine Studien zur „Fredegar-Chronik“ vertiefen und weiter an seiner Habilitation arbeiten.