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Herzensangelegenheit der Forschung

Sonderforschungsbereich beschäftigt sich ausschließlich mit kardiologischen Fragen

26.02.2009

Die Forscher wollen gemeinsam neue Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten der Herzmuskelerkrankung finden
Die Forscher wollen gemeinsam neue Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten der Herzmuskelerkrankung finden Bildquelle: Freie Universität Berlin / CeDis

Erkrankungen des Herzmuskels stellen die Forschung seit Jahren vor viele Fragen. Noch herrscht Unklarheit darüber, bei wem aus einem grippalen Infekt einmal ein Infarkt werden könnte und bei wem die Gene eines Tages zum Risiko werden könnten. Mit solchen Fragestellungen beschäftigt sich ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bis 2012 geförderter Sonderforschungsbereich.

Liebe und Schnupfen haben einiges gemeinsam. Beides kann jeden erwischen. Und beides kann gefährlich fürs Herz werden. Doch während ein gebrochenes Herz in der Regel wieder heilt, kann ein Schnupfen unter Umständen langwierige Schäden nach sich ziehen. Dann nämlich, wenn die Krankheit – und vor allem die Viren, die sie ausgelöst haben – auf das Herz übergreift. Coxsackie-Viren, Adenoviren und Paroviren heißen die häufigsten Auslöser. Doch sie kommen oft als Allerweltskrankheit daher. „Jeder kann diese Viren in seinem Leben schon einmal gehabt haben, ohne es zu merken“, sagt Heinz-Peter Schultheiss, Professor für Kardiologie und Pulmologie am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. In manchen Fällen kann es zu einer sogenannten dilatativen Kardiomyopathie (DCM) kommen. Bei dieser Erkrankung wird das Herz immer größer und der Herzmuskel immer schwächer. Das Herz pumpt das Blut nicht mehr so stark und zuverlässig durch den Körper, wie es ein gesundes Herz tagtäglich tut. Etwa eine halbe Million Menschen – zumeist trifft es Männer zwischen 30 und 50 Jahren – leiden an einer solchen entzündlichen Herzkrankheit. DCM ist eine der häufigsten Formen der Herzmuskelerkrankungen und der zweithäufigste Grund für eine Herztransplantation. Bei der Hälfte der Patienten kommt innerhalb von fünf Jahren jede Hilfe zu spät.

Doch bis heute gibt es keine allgemein anerkannten Richtlinien, wie die Krankheit am besten zu behandeln ist. Auch fehlen bisher einfache Diagnoseverfahren zur Früherkennung. Um diese Wissenslücke zu schließen, wurde 2004 von der DFG ein Sonderforschungsbereich an der Charité eingerichtet. In zehn Arbeitsgruppen arbeiten insgesamt 150 Wissenschaftler der Disziplinen Virologie, Biochemie, Immunologie und Pharmakologie standortübergreifend mit Medizinern verschiedener Kliniken zusammen. Gemeinsam wollen sie neue Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten der Herzmuskelerkrankung finden. "Die entscheidende Frage ist: Welche Mechanismen sind dafür verantwortlich, wenn eine Virusinfektion des Herzens letztlich zu einer Kardiomyopathie führt?", sagt Heinz-Peter Schultheiss. Er ist Sprecher des SFB und leitet eine Forschergruppe, die sich vor allem mit der komplizierten Diagnose der Erkrankung beschäftigt. Denn ob das Herz von Viren befallen ist und ob es deswegen zu einer chronischen Entzündung kommt, können Ärzte nur feststellen, wenn sie den Herzmuskel direkt untersuchen.

Genetische Veranlagung spielt eine entscheidende Rolle

Dem Patienten wird mit einem Herzkatheter eine Gewebeprobe entnommen, um anschließend im Labor in einem komplizierten Verfahren das Virus zweifelsfrei nachzuweisen. Bei der Frage, warum ein Virus bei einem Patienten so eine verheerende Wirkung auf das Herz haben kann und bei einem anderen nicht, haben die Forscher in den letzten Jahren wichtige Fortschritte gemacht. „Erste Daten, die aber noch ausgewertet werden, deuten darauf hin, dass die genetische Veranlagung der Immunabwehr gegen Viren eine entscheidende Rolle spielt. Das ist etwas völlig Neues“, erklärt Schultheiss. Auch die Therapie der entzündlichen Herzmuskelerkrankungen konnte im Rahmen des Sonderforschungsbereiches weiterentwickelt werden: "Zwei der Viren, die die Erkrankung auslösen, kann man sehr gut mit dem Wirkstoff Interferon therapieren", sagt Schultheiss. Eine Behandlung mit Interferon könne die Herzfunktion wieder verbessern, selbst bei Patienten, die schon seit Jahren an Herzschwäche litten. Ein Erfolg, der neue Fragen aufwirft, denn nicht alle Viren sprechen auf die Therapie gleichermaßen gut an.

Um spannende Forschungsfelder müssen sich die Wissenschaftler des SFB keine Sorgen machen, sagt Heinz-Peter Schultheiss:"Je tiefer man in die Materie einsteigt, desto komplexer werden die Fragen. Alternative Therapien, internationale Studien und neue Wege, um die Therapien zu testen – daran werden wir weiter arbeiten."