Freie Universität Berlin


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1500 Genforscher diskutierten an der Freien Universität

Größte Internationale RNA-Tagung in Berlin

10.08.2008

RNA-Konferenz im Henry-Ford-Bau
RNA-Konferenz im Henry-Ford-Bau Bildquelle: Florian Richter
Banquett in der Mensa der Freien Universität anlässlich der RNA-Konferenz
Banquett in der Mensa der Freien Universität anlässlich der RNA-Konferenz Bildquelle: Florian Richter

Knapp 1500 Genetik-Experten aus aller Welt diskutierten über neueste Forschungsergebnisse zum Thema Ribonukleinsäuren (RNA). Die Veranstaltung mit gut 950 Vorträgen und Posterpräsentationen ist die 13. Jahrestagung der "RNA Society".

Die RNA hat in der Zelle unterschiedliche Aufgaben. Mit ihrer Hilfe werden unter anderem genetische Informationen "abgelesen" und als Bauplan für die  Produktion von Proteinen weitergegeben. In den vergangenen Jahren hat die Erforschung der Struktur und Funktion der Ribonukleinsäuren einen beispiellosen Aufschwung genommen. Grund dafür ist die Erkenntnis, dass die RNA-Moleküle die geheimen Regulatoren der Zelle sind. Diese Feststellung wird auch dadurch gestützt, dass diese heimlichen Regulatoren in ihrer Zahl sehr deutlich mit dem Entwicklungsstand der Lebewesen ansteigen. Somit hat der Mensch mit Abstand die meisten RNAs und die einzelligen Bakterien die wenigsten.

Der Kongress befasste sich deshalb unter anderem mit der Struktur und Funktion von RNA-Molekülen, die alleine oder im Zusammenhang mit gebundenen Eiweißmolekülen in der Zelle wie molekulare Scheren funktionieren können. Weitere RNA-Moleküle haben hohe Bindungseigenschaften für andere Moleküle der Zelle entwickelt, sodass sie in ihrer Funktionsweise denen der Antikörper unseres Immunsystems sehr ähnlich sind. Diese breitgefächerten Funktionen geben den RNA-Molekülen nicht nur für die zukünftige Biotechnologie, sondern vor allem für die Molekulare Medizin größte Bedeutung.

Zu den Teilnehmern des Kongresses gehörten so namhafte Experten wie Prof. David Baulcombe aus Cambridge (England), Prof. Witek Filipowicz aus Basel, Prof. Phillip Sharp aus Cambridge (USA) und Prof. Thomas Tuschl von der Rockefeller University in New York. Tuschl entdeckte vor wenigen Jahren den Mechanismus der RNA-Interferenz, der es ermöglicht, einzelne Gene "abzuschalten".

Der Kongress ist bereits die dritte hochkarätig besetzte RNA-Konferenz innerhalb der vergangenen neun Monate, die vom „Berliner Netzwerk für RNA-Technologien organisiert wurde. Das Netzwerk ist vor etwa zehn Jahren von Prof. Volker A. Erdmann von der Freien Universität mit Hilfe des Berliner Senats, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Industrie gegründet worden.