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„Die wissenschaftliche Qualität entscheidet“

Jean-Pierre Bourguignon, Präsident des Europäischen Forschungsrats, ist an der Freien Universität mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammengekommen

19.07.2016

Auf Erkundungstour in Dahlem: Der Präsident des ERC Jean-Pierre Bourguignon (2. v. r.) mit den Forschern Kenichi Ataka, Rainer Haag und Stephanie Reich (v. l. n. r.).
Auf Erkundungstour in Dahlem: Der Präsident des ERC Jean-Pierre Bourguignon (2. v. r.) mit den Forschern Kenichi Ataka, Rainer Haag und Stephanie Reich (v. l. n. r.). Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Jean-Pierre Bourguignon ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Europäischen Forschungsrats. Vergangene Woche besuchte er die Freie Universität.
Jean-Pierre Bourguignon ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Europäischen Forschungsrats. Vergangene Woche besuchte er die Freie Universität. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
„Europäischer Nobelpreis“: Eine Förderung durch den ERC gilt unter Wissenschaftlern als eine der höchsten internationalen Auszeichnungen.
„Europäischer Nobelpreis“: Eine Förderung durch den ERC gilt unter Wissenschaftlern als eine der höchsten internationalen Auszeichnungen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Interessierter Zuhörer: Jean-Pierre Bourguignon war es ein Anliegen die Wissenschaftler persönlich zu sprechen.
Interessierter Zuhörer: Jean-Pierre Bourguignon war es ein Anliegen die Wissenschaftler persönlich zu sprechen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Gemeinsam den Campus entdecken: Jean-Pierre Bourguignon mit Eva-Maria Silies und Maria Seifert, die sich an der der Freien Universität um Forschungsförderung und –information kümmern.
Gemeinsam den Campus entdecken: Jean-Pierre Bourguignon mit Eva-Maria Silies und Maria Seifert, die sich an der der Freien Universität um Forschungsförderung und –information kümmern. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Eine Förderung durch den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) gilt unter Wissenschaftlern als eine der höchsten internationalen Auszeichnungen. ERC-Präsident Professor Jean-Pierre Bourguignon hat in der vergangenen Woche einen Tag auf dem Campus in Dahlem verbracht und das Gespräch mit den dort ansässigen Forscherinnen und Forscher gesucht. „Mir ist sehr daran gelegen, die durch uns geförderten Wissenschaftler persönlich kennenzulernen“, sagte der Mathematikprofessor. „Besuche dieser Art gehören zu meinen liebsten Aufgaben.“

Der ERC, dem Jean-Pierre Bourguignon seit zwei Jahren vorsteht, wurde 2007 durch die Europäische Kommission eingerichtet. Der Rat ist Teil des Forschungsrahmenprogramms „Horizon 2020“ und entscheidet allein in diesem Jahr über die Vergabe von etwa 1,7 Milliarden Euro an Fördermitteln. Um eine Förderung können sich sowohl etablierte wie auch junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerben. Die Mittel der sogenannten ERC-Grants sind nicht an Einrichtungen oder Forschungskonsortien gebunden, sondern richten sich an Einzelpersonen, die damit bis zu fünf Jahre lang unabhängig arbeiten können.

Ein weiteres Merkmal: Die Förderung ist themenoffen. „Die Wissenschaftler entscheiden darüber, welche Themen relevant sind. Das können und möchten wir nicht vorgeben“, sagte Jean-Pierre Bourguignon bei seinem Besuch in Dahlem. Entscheidend sei allein die wissenschaftliche Qualität.

Forschung an den Grenzen des Wissens

Forschung an den Grenzen des Wissens betreibt beispielsweise der Wissenschaftshistoriker Professor Markham J. Geller. Mit ERC-Mitteln ausgestattet, studiert er die Medizin und Heilkunst des Babylonischen Altertums. Jean-Pierre Bourguignon besuchte den gebürtigen Amerikaner am Exzellenzcluster Topoi in der Dahlemer Hittorfstraße. Topoi ist eine Einrichtung der Freien Universität und der Humboldt-Universität, unter deren Dach Wissenschaftler verschiedener Berliner Forschungseinrichtungen die Transformation von Wissen in der Antike erkunden.

„Ohne die Förderung des ERC wäre das Projekt nicht möglich gewesen“, sagt Markham J. Geller. Die Erforschung der Medizingeschichte sei Teamarbeit und nur zu bewältigen, wenn mehrere Forscher aus verschiedenen Disziplinen zusammenkämen. Für die Untersuchungen zur babylonischen Medizin studieren Professor Geller und sein Team unter anderem Keilschrifttafeln, die noch nicht wissenschaftlich analysiert worden sind. Die Originalquellen sind mehrere tausend Jahre alt und werden in Museen weltweit gelagert. „Allein das Archiv des British National Museum ist in dieser Hinsicht ein großes Puzzle. Die einzelnen Teile zusammenzusetzen, ist ein wunderbares Gefühl“, sagt Geller.

Erfahrungsaustausch mit ERC Grantees und interessierten Wissenschaftlern

Jean-Pierre Bourguignon zeigte bei seinem Besuch großes Interesse an den verschiedenen vom ERC geförderten Forschungsprojekten: Ist die Förderphase lang genug, um ein Projekt abzuschließen? Welche Haltung haben die Forscher zu Open Access? Der freie Zugang zu den Projektergebnissen gehört zu den Anforderungen des ERC. Wie könnte der ERC die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besser unterstützen?

Gelegenheit für einen weiteren Einblick bot der Erfahrungsaustausch im Präsidium der Freien Universität, bei dem erfolgreiche Grantees und Wissenschaftler, die sich für den ERC interessieren, zusammenkamen. Universitätspräsident Professor Peter-André Alt dankte dem hochrangigen Gast für seinen Besuch und würdigte die Bedeutung des ERC für die internationale Sichtbarkeit der Forschenden sowie der Gasteinrichtungen.

Ein erfolgreicher ERC Grantee ist der Romanistikprofessor Joachim Küpper von der Freien Universität Berlin: 2009 wurde sein Forschungsprojekt zum europäischen Drama und Theater der frühen Neuzeit aus knapp 1.600 Anträgen ausgewählt. „Für mich war der entscheidende Vorteil dieser Förderung, dass ich dadurch zusätzliche Expertise für das Projekt gewinnen konnte“, sagt Küpper, der für seine Forschung etwa den Rat eines Spezialisten für russische Literatur aus dem 17. Jahrhundert brauchte. Joachim Küpper fügte hinzu: „Mir ist keine Förderung bekannt, die ähnlich unkompliziert ist.“

Weitere Informationen

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