Freie Universität Berlin


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Integration fängt mit dem Kennenlernen an

Studierende der Freien Universität besuchten gemeinsam mit Flüchtlingen die Lange Nacht der Wissenschaften

06.07.2016

Mit dem „Secret Handshake“ erkennen sich die Verabredeten: Die rechte Hand formt ein „L“, der ausgestreckte Daumen der linken Hand zeigt ein „I“ - für „Let's integrate“. Im karierten Hemd: Abdul Ezzalden, direkt hinter ihm steht Abdullah Alsadik.
Mit dem „Secret Handshake“ erkennen sich die Verabredeten: Die rechte Hand formt ein „L“, der ausgestreckte Daumen der linken Hand zeigt ein „I“ - für „Let's integrate“. Im karierten Hemd: Abdul Ezzalden, direkt hinter ihm steht Abdullah Alsadik. Bildquelle: Marina Kosmalla
Pegah Hassanpour erklärt Abdul Ezzalden die Aufgabenstellung für einen Mitmachkurs der Hochschulambulanz für Psychotherapie, Diagnostik und Gesundheitsförderung. Dabei musste ...
Pegah Hassanpour erklärt Abdul Ezzalden die Aufgabenstellung für einen Mitmachkurs der Hochschulambulanz für Psychotherapie, Diagnostik und Gesundheitsförderung. Dabei musste ... Bildquelle: Marina Kosmalla
... die Gruppe gut zusammenarbeiten, um eine Decke umzudrehen, ohne dass eine der daraufstehenden Personen runterfällt.
... die Gruppe gut zusammenarbeiten, um eine Decke umzudrehen, ohne dass eine der daraufstehenden Personen runterfällt. Bildquelle: Marina Kosmalla
Jonathan Fox mit den Gründern von „Let’s integrate!“, Lasse Landt, Khaled Alaswad, Paul Spieker, Cindy Spieker, Talal Maskineh (v.l.n.r.).
Jonathan Fox mit den Gründern von „Let’s integrate!“, Lasse Landt, Khaled Alaswad, Paul Spieker, Cindy Spieker, Talal Maskineh (v.l.n.r.). Bildquelle: Marina Kosmalla

Rund 20 Studierende und Flüchtlinge haben sich in der „klügsten Nacht des Jahres“ zu einem blind date getroffen: In kleinen Gruppen erkundeten sie den Campus Dahlem, nahmen an Mitmachexperimenten teil, lauschten den Konzerten verschiedener Musiker und lernten mehr über die jeweils andere Kultur. Organisiert wurde die Aktion von Jonathan Fox, Juniorprofessor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, und der Plattform „Let’s integrate!“, die von Absolventen der Freien Universität gegründet worden ist.

„Deutsch oder Englisch?“ war die erste Frage der Studierenden an Abdul und Abdullah. „Deutsch ist okay“, antworteten die beiden Flüchtlinge, und überraschten ihre Begleiter mit ihren guten Deutschkenntnissen. Die jungen Leute hatten sich fünf Minuten zuvor zum ersten Mal getroffen, aber durch die lockere Atmosphäre und die lebhaften Gespräche wirkte es, als würden sie sich schon eine ganze Weile kennen.

Der 25-jährige Abdullah Alsadik lebt seit zehn Monaten in Deutschland. Er hat an der University of Technology in Baghdad, Irak, Informatik studiert und ist gerade auf der Suche nach Arbeit – als Informatiker, aber auch als Koch oder im Reparaturservice für Kühlschränke und Klimaanlagen. Der 18-jährige Abdulwahhab Ezzalden – kurz Abdul – ist seit acht Monaten hier und würde ebenfalls gern Informatik studieren. Bei dieser Technik-Affinität war beim Rundgang über den Campus ein Stopp am Institut für Informatik Pflicht!

Die Idee, dass Studierende der Freien Universität gemeinsam mit Flüchtlingen die Lange Nacht der Wissenschaften besuchen könnten, hatte Jonathan Fox, Juniorprofessor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Durch persönliche Kontakte hatte er von der Plattform „Let’s integrate!“ erfahren, die Organisatoren angesprochen und ein Treffen vereinbart. Die Koordinatoren des Welcome@FUBerlin-Programms hatten über den Veranstalter con gressa Freikarten für alle Teilnehmer organisiert.

Menschen zusammenbringen

„Let’s integrate!“ ist eine Webseite, die Treffen von Flüchtlingen und Berlinern ermöglicht. „Die Idee dahinter ist, Menschen und Kulturen zusammenzubringen, um dadurch Berührungsängste abzubauen und ein größeres Verständnis für die andere Kultur zu schaffen“, sagt Paul Spieker, einer der Gründer und Alumnus der Freien Universität. „Wir wollten eine Plattform schaffen, über die Flüchtlinge und Einheimische einfach und ohne weitere Verpflichtungen miteinander in Kontakt kommen können. Denn der erste Schritt für Integration ist, sich kennenzulernen.“ Die „Paare“ sollten sich zudem auf Augenhöhe treffen. Es gehe vor allem darum, sich kennenzulernen und nicht darum, Geflüchteten zu helfen, sagt Spieker. Dafür gebe es andere Plattformen.

Drei Ehemalige der Freien Universität – Lasse Landt, Paul Spieker und Cindy Spieker – haben „Let’s integrate!“ Ende des vergangenen Jahres gegründet, gemeinsam mit den syrischen Flüchtlingen Khaled Alaswad und Talal Maskineh. „Jeder redet über Flüchtlinge, aber kaum einer redet mit ihnen“, sagt Lasse Landt. „Das wollten wir ändern.“ Seit dem 1. Mai 2016 können Treffen über die Webseite vereinbart werden. Bis heute sind so bereits rund 200 Kontakte zustande gekommen.

Gemeinsam Fußball gucken

Als Erweiterung der üblichen Verabredungen werden mittlerweile auch Aktionen zu bestimmten Anlässen geplant, etwa zur Langen Nacht der Wissenschaften oder zur Fußball-EM. „Lade einen Flüchtling zum Fußballgucken mit deinen Freunden ein!“, lautet gerade etwa ein Vorschlag auf der Webseite. „Wichtig ist uns, dass die Treffen für beide Seiten kostenlos sind“, sagt Lasse Landt. „Daher sind wir auf der Suche nach Sponsoren, die Freikarten besorgen, so wie Jonathan Fox es getan hat.“

Pegah Hassanpour kann sich ein Treffen über „Let’s integrate!“ gut vorstellen. Die 22-Jährige ist Bachelorstudentin am John-F.-Kennedy-Institut und hat Jonathan Fox dabei unterstützt, auf die Aktion zur Langen Nacht aufmerksam zu machen. Sie ist auch selbst mit einer Gruppe über den Campus gelaufen. „Abdul und Abdullah waren sehr nett und offen. Der Abend war wirklich interessant und ich habe einiges über sie persönlich und ihre Kultur erfahren.“ Als sie die Ausstellung „500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ am Friedrich-Meinecke-Institut besucht haben, erzählten die beiden etwa von ihrem Alltag im Fastenmonat Ramadan.

Die Studentin war zum ersten Mal bei der Langen Nacht der Wissenschaften dabei und viele der besuchten Institute hatten sie und ihre Kommilitonen noch nie von innen gesehen. „Der Rundgang hat Spaß gemacht“, erzählt Pegah Hassanpour und grinst, „auch wenn das größte Angebot auf Kinder ausgelegt war.“ So haben sowohl die Flüchtlinge als auch die Studierenden an diesem Abend viel Neues erfahren und gesehen.