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Die Universität als Experimentierfeld

Beim Spring Campus der University Alliance for Sustainability trafen sich Wissenschaftler, Hochschulmitarbeiter und Doktoranden, um gemeinsam Strategien für eine nachhaltige Universität zu entwickeln

11.05.2016

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Die Teilnehmer des Spring Campus Bildquelle: Bettina Tacke
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Xue Ling, Professor von der Peking University, spricht auf einer Podiumsdiskussion am Eröffnungstag Bildquelle: Bettina Tacke
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Das Tropenhaus des Botanischen Gartens hat eine umfassende energetische Sanierung hinter sich. Bildquelle: Bettina Tacke

Mehr als 120 Teilnehmer von 19 Universitäten und sechs außeruniversitären Einrichtungen haben sich kürzlich in Berlin getroffen, um gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit einzutreten. An drei Tagen ging es unter anderem um Klimapolitik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Wasserbewirtschaftung und um Energieeffizienz. Es herrschte Einigkeit: Universitäten müssen beim Thema Nachhaltigkeit Vorreiter sein – und sich selbst als lebendiges Labor begreifen.

Die Eröffnung war nicht ohne Dramatik. Zwei Grundsatzreden machten deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht einfach ein Ziel unter vielen, sondern überlebenswichtig ist. Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms, warnte vor den Herausforderungen wachsender Bevölkerungszahlen bei steigender sozialer Ungleichheit. Walter Hirche, Mitglied des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung, brachte es auf den Punkt: „Die Menschheit hat entweder eine nachhaltige Zukunft oder keine Zukunft.“

„Do Universities Matter?“ lautete provokant der Titel des Spring Campus. Spielen Universitäten bei der Nachhaltigkeit überhaupt eine Rolle? „Das war natürlich eine rhetorische Frage“, sagt Andreas Wanke, dessen Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie die University Alliance for Sustainability koordiniert. Ziel sei es gewesen, herauszuarbeiten, auf welche Weise Universitäten auf dem Themengebiet einen möglichst wirksamen Beitrag leisten können.

Seit gut einem Jahr schon gibt es die University Alliance for Sustainability. Finanziert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), ermöglicht sie einen Austausch auf allen Ebenen zwischen der Freien Universität und ihren strategischen Partnern: der Hebrew University in Jerusalem, der Peking University, der St. Petersburg State University und der University of British Columbia in Vancouver. Im vergangenen Jahr hatten sich Vertreter der Hochschulen bereits zu zwei einwöchigen Beratungen über die Lehre und das Universitätsmanagement getroffen. Ein Mobilitätsprogramm finanziert jährlich einen Austausch zwischen den Universitäten für bis zu 70 Forschende, Studierende und Mitarbeiter.

Das Leitbild, das hinter dem Verbund stehe, sei der „Whole Institution Approach“: „Wir wollen Forschende unterschiedlicher Disziplinen, Doktoranden und Mitarbeiter des Universitätsmanagements miteinander in Kontakt bringen“, erklärt Katrin Risch, die Koordinatorin des Projekts. Dahinter stehe die Idee, dass Universitäten sich als lebendiges Labor begreifen, als Testfeld für wissenschaftliche Fragestellungen. Das könne heißen, dass Politikwissenschaftler eine Nachhaltigkeitsstrategie formulieren oder sich Experten für Organisationsentwicklung Gedanken darüber machen, wie Nachhaltigkeit in den Strukturen der Universität optimal verankert werden kann.

Der Spring Campus setzte diese Idee mit einer Workshop-Reihe um. Forschende sprachen über Klimapolitik, Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Wasserbewirtschaftung, während Vertreter des Universitätsmanagements darüber berieten, wie sich die universitären Strukturen durch gute Planung, Kommunikationsstrategien und Einbindung von Studierenden, Forschern und Beschäftigten nachhaltig verändern lassen. Eine Gruppe von 20 Doktoranden blieb noch zwei Tage länger, um einander den Stand ihrer Dissertationen vorzustellen.

Am Morgen jeden Tages versammelten sich die Teilnehmer aller Workshops zu einer zweistündigen Plenarsitzung. Dort sollte gerade die Vernetzung zwischen den verschiedenen Bereichen innerhalb der Universitäten erfolgen. „Dieser Teil ist außerordentlichen gut verlaufen“, freut sich Andreas Wanke. Die Sitzungen seien offen und dialogorientiert gewesen. „Darüber hinaus wurden viele Gespräche in den Pausen fortgesetzt. Das ist ein Zeichen, dass die Atmosphäre zwischen den Teilnehmern gut war“, sagt er.

„Universitäten sind schon immer die Orte gewesen, an denen Innovation angetrieben wurde“, sagt James Tansey, Direktor des Center for Interactive Research on Sustainability der University of British Columbia. Für ihn ist klar, dass Hochschulen in der Verantwortung stehen. „Als Universität sind wir in der Lage, neue Ideen in die Praxis umzusetzen, sowohl auf dem Campus als auch in den Städten, in denen wir angesiedelt sind.“

Noch drei Jahre lang ist die Finanzierung für die University Alliance for Sustainability gesichert. In dieser Zeit, so hofft Andreas Wanke, sollen viele gemeinsame Projekte in die Wege geleitet werden. Neben einem strukturellen Erfahrungsaustausch sind gemeinsames Forschen und Lehren das Ziel, bis hin zur Einrichtung gemeinsamer Studiengänge.

Auch im Bereich des Campus Managements gibt es viel voneinander zu lernen. Die Freie Universität und ihre strategische Partnerin in Vancouver haben zum Beispiel beide Energieeffizienz zu ihrem Vorzeigeprojekt gemacht. Doch während sich die Kanadier darauf konzentriert haben, für Neubauten Nachhaltigkeitszertifikate zu erlangen, hat die Freie Universität Erfahrung mit der Sanierung älterer Gebäude gesammelt und ein Prämiensystem entwickelt, das Anreize zum Energiesparen setzt. „Das könnte auch für andere Universitäten interessant sein“, sagt Andreas Wanke.

Weitere Informationen

Homepage der University Alliance for Sustainability

Kontakt:

Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie der Freien Universität Berlin, Tel. +49 30 838-52254; E-Mail: andreas.wanke@fu-berlin.de

Katrin Risch, Program Manager der University Alliance for Sustainability, Tel. +49 30 838-51044; E-Mail: katrin.risch@fu-berlin.de