Freie Universität Berlin


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Teilen statt Wegwerfen

Die Hochschultage an der Freien Universität für Klimaschutz und Nachhaltigkeit boten eine Woche lang Ideen für ein umweltverträglicheres Leben

03.05.2016

Porzellan statt Pappe – die Devise überzeugte diese Studentin, die sich gerne mit Kaffeetasse fotografieren ließ ...
Porzellan statt Pappe – die Devise überzeugte diese Studentin, die sich gerne mit Kaffeetasse fotografieren ließ ... Bildquelle: Manuel Krane
... wie auch andere Studierende, die im Laufe der Hochschultage in der vergangenen Woche durch das Foyer vor der Großen Mensa kamen.
... wie auch andere Studierende, die im Laufe der Hochschultage in der vergangenen Woche durch das Foyer vor der Großen Mensa kamen. Bildquelle: Peter Schraeder
Die Tafel der Verschwendung: Genießbar trotz abgelaufenen Haltbarkeitsdatums.
Die Tafel der Verschwendung: Genießbar trotz abgelaufenen Haltbarkeitsdatums. Bildquelle: Peter Schraeder
Hingucker im Foyer: ein Berg aus Pappbechern, der die Abfallmengen anprangert, die jeder verursacht.
Hingucker im Foyer: ein Berg aus Pappbechern, der die Abfallmengen anprangert, die jeder verursacht. Bildquelle: Peter Schraeder

Gegen die großen Umweltschäden, die die heutige Lebensweise vieler Menschen nach wie vor verursacht, braucht es kreative und praktische Ansätze. Dass es diese gibt, zeigte SUSTAIN IT! – Initiative für Nachhaltigkeit + Klimaschutz in der vergangenen Woche. Die Initiative ist am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität angesiedelt und setzt sich für „aktives Nachhalten“ ein. Im Rahmen der Hochschultage unter dem Motto „g)re(eneration“  wies sie nicht nur auf ökologische Missstände hin, sondern machte auch Vorschläge für umweltbewusstes Verhalten im Alltag. Eine ganze Woche lang konnten Interessierte sich mit Mitmachaktionen und über Informationsangebote dem Thema nähern.

So bot etwa die „Tafel der Verschwendung“ Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, die aber durchaus noch genießbar waren, zum Mitnehmen; sie wären sonst als „unverkäuflich“ im Müll gelandet. „Das Essen haben wir von einem Foodsharing-Projekt bekommen“, erklärte Studentin Malina Austen, Mitglied von SUSTAIN IT!. Angeboten wurden Brot, Obst und Gemüse, die für den Verkauf im Handel zwar zu alt, ansonsten jedoch einwandfrei waren. Das erkannten auch die Studierenden: Der Zulauf bei dem „Eat In“ war groß.

Genuss gegen Schnelllebigkeit

In der Mitte des Foyers befand sich der eigentliche Augenöffner: ein Berg aus 45.000 Pappbechern! „Für den Aufbau haben wir zwei Tage gebraucht“, sagte Malina Austen. Die Kaffeebecher waren Fehldrucke und sollten eigentlich ungenutzt vernichtet werden.

Dieser Wegwerfkultur setzte SUSTAIN IT! eine weitere künstlerische Aktion entgegen: den entspannten Kaffeegenuss aus einer Porzellantasse. Bei dem interaktiven „Kunst- und Fotolabor“ konnten sich die Besucher zunächst ihr Lieblingsgeschirr aus den zahlreichen Tassen aussuchen, die auf Stehtischen drapiert den Raum schmückten. Hatte man eine Wahl getroffen, ging es rauf auf die Bühne und ran an den mit Blumen dekorierten Tisch – um sich in aller Ruhe und bei entspannter Musik mit seiner Kaffeetasse fotografieren zu lassen. Ihr fertiges Foto konnten die Genießer im Anschluss gleich mitnehmen. „Eine schöne Idee“, meinte eine der Besucherinnen lächelnd.

„Veränderung auf gesellschaftlicher Ebene“

Einen ernsteren Charakter hatte hingegen eine kleine Fotoausstellung zur industriellen Wasserverschmutzung: Die Aufnahmen zeigten Seen voller Ölschlieren und Fabrikarbeiter mit Atemmasken. An verschiedenen Monitoren konnte man sich außerdem über die Wasserknappheit in Kalifornien informieren – und über die damit einhergehende soziale Ungerechtigkeit. Auch eine Berlin-Karte mit Standorten für nachhaltig produzierte Kleidung fand sich in der Ausstellung. Dazu gab es eine Kleidertausch-Party, eine Bildungskonferenz samt Theaterstück und einen Filmabend.

Die Projektwoche sollte vor allem motivieren, Veränderungen im eigenen Leben in Angriff zu nehmen. Für Studentin Carolin Bergmann ist das auch der Grund, weshalb sie sich bei SUSTAIN IT! engagiert: „Man muss bei sich selbst anfangen“, sagte sie. Ihren Lebensstil habe sie in der Initiative wiedergefunden. Tobias Kalt, Student der Politikwissenschaft und ebenfalls SUSTAIN IT!-Mitglied, ist es wichtig, auch den großen Rahmen mitzudenken. „Mich interessiert die Frage, wie sich Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene umsetzen lassen.“