Freie Universität Berlin


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Goethes „Römischer Karneval“

28. April, 18 Uhr: Vortrag des Direktors des Italienischen Kulturinstituts und Germanisten Professor Luigi Reitani am Italienzentrum der Freien Universität / 20 Jahre Italienzentrum

27.04.2016

Bernhard Huß ist Romanistikprofessor an der Freien Universität und Direktor des Italienzentrums.
Bernhard Huß ist Romanistikprofessor an der Freien Universität und Direktor des Italienzentrums. Bildquelle: Reiner Freese

Am 12. Juli 1996 wurde das Italienzentrum an der Freien Universität eingerichtet; die Gründung geht zurück auf ein Abkommen zwischen der Republik Italien und der Hochschule. In dem Zentrum werden die vielfältigen wissenschaftlichen Beziehungen im Berliner Raum zu italienischen Universitäten und Forschungszentren gebündelt, erweitert und intensiviert. Das Spektrum der Aktivitäten umfasst dabei nicht nur italienbezogene Themen in den Geisteswissenschaften, sondern auch in den Naturwissenschaften und der Medizin. Ein Interview mit dem Direktor der Einrichtung, Romanistikprofessor Bernhard Huß.

Herr Professor Huß, das Italienzentrum beginnt sein Sommersemester-Programm am 28. April mit einem Vortrag des Direktors des Italienischen Kulturinstituts und Germanisten, Professor Luigi Reitani, über Johann Wolfgang von Goethes Beschreibung des römischen Karnevals. Was verbindet den Literaturwissenschaftler Reitani mit Goethe – und was erwartet die Besucher des Vortrags?

Bernhard Huß: Luigi Reitani, der das Italienische Kulturinstitut Berlin seit dem vergangenen Jahr leitet und damit der wichtigste Kooperationspartner des Italienzentrums der Freien Universität ist, ist ein hervorragend ausgewiesener Experte für die deutsche Literatur zwischen Goethe und Thomas Bernhard. Ihn interessieren in besonderer Weise die Spiegelungen des deutsch-italienischen Kulturkontakts, wie sie nicht nur anhand bestimmter Autoren erkennbar werden, sondern auch mit Blick auf deren Behandlung wichtiger Kulturräume.

Wir erwarten uns einen illustrativen Vortrag in deutscher Sprache, der aufzeigt, wie produktiv Goethe auf das für ihn ganz neuartige, ihn auch irritierende Phänomen des persönlich erlebten Karnevals in Rom reagiert hat. Luigi Reitani ist übrigens ein glänzender Redner, mit dem wir nach seinem Vortrag gern auch in ein gemeinsames Gespräch und eine offene Diskussion eintreten möchten.

Welche weiteren Veranstaltungen plant das Italien-Zentrum in diesem Semester bislang?

Wir bereiten einen eintägigen Workshop aus Anlass des 100. Geburtstags des in Deutschland stark beachteten Schriftstellers Giorgio Bassani vor, der am 26. Mai stattfinden wird. Dazu sind einige der international führenden Bassani-Forscherinnen und -Forscher an die Freie Universität eingeladen. Sie werden mit uns gemeinsam ausgewählte Seiten aus Bassanis Romanen lesen und interpretieren; gerahmt wird das Ganze von Plenarvorträgen zur Rolle der Stadt Ferrara und zur Dimension der jüdischen Kultur bei Bassani.

Außerdem möchte ich eine ungewöhnliche Veranstaltung hervorheben, die wir am 14. Juni im Italienischen Kulturinstitut anbieten: Studierende der Italianistik und der Kunstgeschichte der Freien Universität sowie ein Barockmusikensemble werden in Luigi Reitanis Reihe „Aktualität der Klassiker" eine multimediale Lesung und Performance von Francesco Petrarcas „Trionfi" gestalten. Auch sonst ist das Programm wieder sehr reichhaltig und bietet in wöchentlichem Rhythmus die unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Wie wird das 20-jährige Jubiläum des Italienzentrums begangen?

Aus Anlass des Jubiläums werden wir das Programm des kommenden Wintersemesters mit einem Festvortrag des Italienischen Botschafters in Deutschland eröffnen, S. E. Pietro Benassi. Außerdem wird es ein literaturwissenschaftliches Seminar und eine öffentliche Veranstaltung zu Umberto Eco geben, dessen Berliner Ehrendoktorwürde 1998 am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften ihm seinerzeit bei der Eröffnungsveranstaltung verliehen wurde. Ecos Rede aus diesem Anlass gehört zu den Gründungstexten unseres Italienzentrums. Man kann sie nachlesen in dem von Professor Jürgen Trabant herausgegebenen Buch mit dem Titel „Umberto Eco, die Freie Universität und das Schnabeltier“ aus dem Jahr 1998.

Wenn Sie eine Zwischenbilanz nach den ersten 20 Jahren ziehen müssten – wie würde diese ausfallen?

Das Italienzentrum hat in einer multidisziplinären Ausrichtung zahlreiche Kontakte mit unterschiedlichsten italienischen Universitäten und Institutionen knüpfen können. Wir haben regelmäßig internationale Spitzenforscher aus Italien zu Gast, darunter Humboldt-Preisträger, Marie Curie-Fellows und Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Exemplarisch zu nennen wäre hier für das kommende Kalenderjahr der Aufenthalt des neuen Humboldt-Forschungspreis-Trägers Professor Mirko Tavoni aus Pisa, eines der profiliertesten historischen Linguisten und Dante-Forschers weltweit. Öffentliche Veranstaltungen mit Tavoni sind in Vorbereitung.

Außerdem gestalten wir mit unseren Kooperationspartnern der verschiedenen Fachbereiche an der Freien Universität regelmäßig themenspezifische Veranstaltungen mit italienischen Spitzenforscherinnen und Spitzenforschern; genannt seien nur beispielsweise die Klassische Archäologie, die Kunstgeschichte, die Wirtschafts- und die Rechtswissenschaft sowie das Aristotelismuszentrum unserer Universität. Auch mit der Humboldt-Universität und mit der Universität Potsdam arbeiten wir in diesem Sinne hervorragend zusammen.

Wir genießen für unsere Arbeit bei den italienischen Autoritäten einen sehr guten Ruf: Das Italienzentrum wird von der italienischen Kulturpolitik als einzigartige Plattform des deutsch-italienischen Kulturkontakts gesehen – es sei, wie der Botschafter einmal sagte, ein „fiore all'occhiello"; diesen schönen (und sehr italienischen) Ausdruck, der wörtlich „Blume im Knopfloch“ bedeutet, kann man im Deutschen mit „Flaggschiff“ oder „Musterprojekt“ nur recht ungenügend wiedergeben.

Die Fragen stellte Carsten Wette

Weitere Informationen

Ekphrasis und Revolution. Zum „Römischen Karneval" Johann Wolfgang Goethes

Vortrag von Professor Luigi Reitani (Direktor des Italienischen Kulturinstituts Berlin)

Zeit und Ort

  • Donnerstag, 28. April 2016, 18 Uhr
  • Freie Universität Berlin, Fabeckstr. 23-25, Raum 2.2059 (Holzlaube) (U-Bhf. Thielplatz / Dahlem-Dorf, U 3)

Italienzentrum der Freien Universität Berlin

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