Freie Universität Berlin


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Spitzenforschung für Hollywood

Kip Thorne hielt die 15. Einstein-Lecture der Freien Universität Berlin, die anlässlich des 100. Jahrestags der Allgemeinen Relativitätstheorie gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft stattfand

30.11.2015

Vor 100 Jahren stellte Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften vor. Der Physiker Kip Thorne erinnerte vergangene Woche mit einer Einstein Lecture an dieses Ereignis.
Vor 100 Jahren stellte Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften vor. Der Physiker Kip Thorne erinnerte vergangene Woche mit einer Einstein Lecture an dieses Ereignis. Bildquelle: Christian Werner
Vieles mag relativ sein...
Vieles mag relativ sein... Bildquelle: Christian Werner
... nicht aber der Zuspruch zu Kip Thornes Vortrag im Max-Kade-Auditorium der Freien Universität, das absolut gut gefüllt war.
... nicht aber der Zuspruch zu Kip Thornes Vortrag im Max-Kade-Auditorium der Freien Universität, das absolut gut gefüllt war. Bildquelle: Christian Werner

Der 25. November 1915 gilt als Geburtstag der Allgemeinen Relativitätstheorie. An diesem Tag übergab Albert Einstein seine Schrift, die erstmals die Grundlagen der Theorie festhält, der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wohin Einstein ein Jahr  vorher umgezogen war: ins damalige Mekka der modernen Physik. Der Jahrestag veranlasste die MPG und die Freie Universität zu einer besonderen Veranstaltungskooperation im Rahmen der Einstein-Lecture, zu der die Universität seit 2005 jährlich einlädt. Gemeinsamer Stargast des Abends war der Caltech-Physiker Kip Thorne, der als Berater des Hollywoodfilms „Interstellar“ im letzten Jahr einem breiteren Publikum bekannt wurde und gut vernetzt ist mit dem Physikalischen Institut der Freie Universität und den Max-Planck-Instituten für Gravitationsphysik und für Wissenschaftsgeschichte.

„Durch ihre Geschichte, mehr noch durch aktuelle Forschung, sind beide Einrichtungen dem Erbe Einsteins in besonderer Weise verbunden“, betonte Universitätspräsident Alt in seiner Willkommensrede. Jürgen Renn, Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, würdigte Thorne in seiner Facheinführung als Protagonist der physikalischen Relativitätsforschung, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltet habe – auch dank Kip Thorne, der „weitsichtig und mutig alle Arten von Grenzen überschritt“, die des Eisernen Vorhangs eingeschlossen.

Zwischen Physik und Film

Wie das konkret gelingen kann, zeigte Kip Thorne dann in seinem Vortrag, der Einblicke in das Making-of von „Interstellar“ gab. Aus dem Dialog zwischen Physik und Regie entstanden ebenso schöne wie physikalisch korrekte Bilder kosmischer Großereignisse – verbunden durch eine spannende Story.

Im Film bricht der Forscher Cooper ins Weltall auf, um eine zweite Erde zu finden, die der durch Naturkatastrophen bedrohten Menschheit eine neue Heimat bieten soll. Er gelangt dabei zu Millers Planet – einem Wasserplaneten mit meterhohen Wellen –, durchquert ein Schwarzes Loch und kehrt – nur um drei Stunde gealtert – auf die Erde zurück, wo inzwischen 21 Jahre vergangen sind.

Wie man sich diese kosmische Konstellation vorstellen muss, und an welchen Stellen Einsteins Formeln für den Film relevant wurden, erörterte Thorne anhand eindrucksvoller Filmausschnitte, die die 1200 Zuhörer im Max-Kade-Auditorium der Freien Universität sichtbar in ihren Bann schlugen. Zahlreiche Fragen und Autogrammwünsche zeigten, dass der Brückenschlag zwischen Spitzenphysik und Unterhaltungsindustrie auch einer hochkomplexen Forschung breite Aufmerksamkeit sichern kann.