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Bibliothek mit Zukunft

Die Philologische Bibliothek feierte zehnjähriges Bestehen / Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Axel Malik

26.11.2015

Werke des Zeichen-Künstlers Axel Malik zieren die Philologische Bibliothek. Ihres zehnten Geburtstags wurde mit einer Festveranstaltung gedacht.
Werke des Zeichen-Künstlers Axel Malik zieren die Philologische Bibliothek. Ihres zehnten Geburtstags wurde mit einer Festveranstaltung gedacht. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Skripturale Methode: Alex Malik zeichnet Kringel, Kurven und Linien, die über einen Beamer an die Wand geworfen werden.
Skripturale Methode: Alex Malik zeichnet Kringel, Kurven und Linien, die über einen Beamer an die Wand geworfen werden. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Vor zehn Jahren wurde die Philologische Bibliothek vom Architekturbüro Foster gebaut. Sie vereint zahlreiche philologische Einzelbibliotheken.
Vor zehn Jahren wurde die Philologische Bibliothek vom Architekturbüro Foster gebaut. Sie vereint zahlreiche philologische Einzelbibliotheken. Bildquelle: Peter Himsel

Am Tag der Jubiläumsfeier schallen Reden durch die gewöhnlich stillen Räume. Doch als der Berliner Künstler Axel Malik mit seiner Performance beginnt, ist es in der Bibliothek wieder wie immer: Es herrscht absolute Stille. Das schweigende Publikum guckt dem Künstler dabei zu, wie er Kringel, Kurven und Linien zeichnet, die über einen Beamer an die Wand geworfen werden. Zeichen reiht sich an Zeichen. „Mir geht es um den Akt des Schreibens selbst“, sagt Malik im Anschluss. Er wirft die Frage auf, wie sich seine skripturale Methode von gewöhnlichem „Krikelkrakel“ und vom „Kritzeln“ unterscheide. „Diese Zeichen halten es aus, dass man sie nicht wegwirft. Jedes ist unterschiedlich“, sagt er. „Das ist überwältigend.“

Noch bis Mitte Februar sind auf allen Etagen des Gebäudes zahlreiche Installationen Maliks zu sehen. Hinweisschilder, Wand- und Regalflächen hat der Künstler mit seinen unlesbaren Zeichen versehen. Bibliotheksdirektor Klaus Ulrich Werner ist begeistert: „Maliks Kunst kann als Impuls für einen Diskurs zwischen Kunst und Wissenschaft dienen.“ In seiner Rede sprach Werner von der „Renaissance der Bibliothek als Raum“. Der Wissensspeicher sei ein sozialer Treffpunkt und habe außerdem eine ganz besondere Aura, die auch im digitalen Zeitalter funktioniere.

Sozialer Stellenwert von Bibliotheken

Auch der Präsident der Freien Universität Berlin, Professor Peter-André Alt, betonte den sozialen Stellenwert der Bibliothek. „Ich habe meine Frau damals in der Germanistischen Bibliothek kennengelernt“, erzählte er. In den zehn Jahren seit ihrer Eröffnung sei die Philologische Bibliothek vor allem auch wegen ihrer Architektur zu einem Erkennungszeichen der Freien Universität geworden.

Auch auf das undichte Dach der Bibliothek kam der Präsident zu sprechen. „Bei Goethe heißt es, an einem Gebäude sei zu beachten, dass es vollkommen ausgeführt sei.“ Dies sei aber noch nicht der Fall. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Haus ein festes Dach hat“, sagte Alt. Der Schaden am Dach ist nicht der Architektur geschuldet, sondern der baulichen Ausführung. Verantwortlich für die Beseitigung der Mängel ist der Bauherr des Gebäudes, das Land Berlin.

Berlin Brain – der Spitzname entstand schon während der Bauzeit

Entworfen wurde die Philologische Bibliothek vom britischen Star-Architekten Lord Norman Foster, der zuvor schon Projekte wie die Kuppel des Reichtagsgebäudes geplant hatte. Die Historie der Bibliothek reicht bis in die 1990er Jahre zurück: 1997 entschied das Architektur-Büro „Foster und Partner“ den Wettbewerb für sich. Das heutige Gebäude unterscheidet sich vom damaligen Entwurf und kam erst durch eine Überarbeitung von Fosters Büro zustande. Das Gebäude sollte auf einem Parkplatz neben der sogenannten J-Gebäudestraße entstehen, dann entschied man sich aber, eineinhalb Gebäudekreuze der Rostlaube herauszunehmen und die Bibliothek inmitten der Gitterstruktur des Baus aus den siebziger Jahren zu errichten und mit diesem zu verbinden. Noch während der Bauphase, die 2001 begann, entstand ein Spitzname für die wabenartige, längliche Kuppel: „the Berlin Brain“.

Zuhause für elf philologische Teilbibliotheken

Der architektonische Clou des Baus ist die doppelschalige Gebäudehülle: Das äußere Gitterwerk besteht aus Aluminium- und Glaspaneelen, die Innenhaut aus weißen Stoffbahnen. Belüftung, Wärme, Sonnenschutz – all das kann über die Steuerung der Paneele geregelt werden. Drei Viertel des Jahres nutzt die Bibliothek so ihr natürliches Klima und braucht nicht beheizt zu werden. Auf den knapp 6300 Quadratmetern Nutzfläche ist Platz für bis zu 800.000 Bücher und mehr als 600 Arbeitsplätze. Im Durchschnitt nutzen täglich über 2000 Besucher die Bibliothek. Elf philologische Teilbibliotheken, die zuvor über den Campus verstreut waren, fanden im Kuppelbau ein neues Zuhause.

Weitere Informationen

Anlässlich des Jubiläums veranstaltet die Philologische Bibliothek das gesamte Wintersemester über eine Ringvorlesung mit dem Titel „Schreiben als Ereignis, Künste und Kulturen der Schrift“. Thematisch befasst sich das Programm mit der Neuorganisation von Schrift und Kommunikation im digitalen Wandel.