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Dante in Dahlem

Verlängert bis 10. November: Die Universitätsbibliothek der Freien Universität zeigt bibliophile Ausgaben der „Göttlichen Komödie“

29.10.2015

Die Erstausgabe der Übersetzung von König Johann aus Sachsen mit einem Porträt Dantes
Die Erstausgabe der Übersetzung von König Johann aus Sachsen zeigt ein Porträt Dantes Bildquelle: Jonas Huggins
Eine Illustration Botticellis zu einer italienischen Ausgabe der "Göttlichen Komödie"
Eine Illustration Botticellis in einer italienischen Ausgabe der "Göttlichen Komödie" Bildquelle: Jonas Huggins
Gustav Dorés düstere Illustration
Eine düstere Illustration von Gustave Doré Bildquelle: Jonas Huggins

In 100 Gesängen vom Inferno bis ins Paradies – Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ ist eine Reise durch das Weltbild des Mittelalters. Anlässlich des 750. Geburtstags des italienischen Dichters ist in der Universitätsbibliothek der Freien Universität noch bis zum 31. Oktober eine Auswahl von italienischen Ausgaben und deutschen Übersetzungen der „Divina Commedia" aus dem Bestand der Bibliotheken der Freien Universität zu sehen.

William Blake, Gustave Doré, Salvador Dalí: Viele Größen der Kunstgeschichte haben die „Göttliche Komödie“ bebildert. Sandro Botticelli, dem die Gemäldegalerie aktuell eine vielbeachtete Ausstellung widmet, illustrierte das gesamte Werk. Es sind oft gruselige Szenen, die tief in der Psyche des Menschen forschen. Berühmte Illustrationen zeigen knorrige Bäume mit menschlichem Antlitz, dreiköpfige Monster und Sünder, die auf ein kleines Boot getrieben werden.

Professor Sebastian Neumeister vom Institut für Romanische Philologie der Freien Universität hat die Ausstellung im Foyer der Universitätsbibliothek kuratiert. Die Göttliche Komödie sei noch heute „sensationell“, weil sie ein ganzes Weltbild des Mittelalters liefere: „Und zwar nicht als trockenen Geschichtstext, sondern als spannende, gut dargestellte Jenseitswanderung“, betont Neumeister. „Die Komödie „bietet unglaublich konkrete und lebendige Szenen und Personen, die noch heute packend sind – wenn man sie nur liest!“

Das Werk hat eine turbulente Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte. Dante, aus politischen Gründen aus seiner Heimatstadt Florenz verbannt, stellte es kurz vor seinem Tod im Jahr 1321 fertig. Die Kirche setze es von 1614 bis 1747 auf den Index. Das schmälerte nicht die Wirkung: Bis heute überstrahlt die „Göttliche Komödie“ andere Texte, die Dante zu philosophischen, physikalischen und politischen Fragen schrieb.

Die „Göttliche Komödie“ ermöglicht eine reiche Bandbreite an Interpretationen. Dante selbst unterscheidet vier Deutungsebenen: Neben einer wörtlichen Auslegung gebe es einen allegorischen, einen moralischen und einen anagogischen Sinn – letzterer bezieht sich auf die Vorstellung der Endzeit.

Auf die Frage, welches Ausstellungsobjekt das interessanteste sei, hat Sebastian Neumeister eine klare Antwort: Die Erstausgabe der Übersetzung der Komödie durch König Johann von Sachsen aus dem 19. Jahrhundert, die er unter dem Namen Philalethes publiziert hat. Zum einen liege sie vollständig vor, zum anderen verblüffe ihre Entstehungsgeschichte: Der sächsische König hat die Komödie zufällig auf einem Wochenmarkt gefunden, als er sich auf Italienreise befand. Anschließend übertrug er das Werk in jahrelanger Arbeit ins Deutsche, wobei ihm ein hochrangiges Expertenteam zur Seite stand. Die Übersetzung ist heute noch anerkannt.

Weitere Informationen

Ort und Zeit:

  • Verlängert bis Dienstag, 10. November 2015, montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr
  • Foyer der Universitätsbibliothek, Garystraße 39, 14195 Dahlem