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„Ich möchte einfach nur ein normales Leben führen“

Flüchtlinge konnten sich bei einer Veranstaltung über das Programm Welcome@FUBerlin informieren

22.10.2015

Ibrahim (li) und Amin im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. Der 30-jährige Amin wünscht sich nichts mehr als „ein normales Leben“.
Ibrahim (li) und Amin im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. Der 30-jährige Amin wünscht sich nichts mehr als „ein normales Leben“. Bildquelle: Annika Middeldorf
Bei Veranstaltung an der Freien Universität Berlin konnten sich Flüchtlinge über das Welcome@FUBerlin-Programm informieren.
Bei Veranstaltung an der Freien Universität Berlin konnten sich Flüchtlinge über das Welcome@FUBerlin-Programm informieren. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Etwa 100 an einem Studium an der Freien Universität interessierte Flüchtlinge waren in den Henry-Ford-Bau gekommen, um sich zu informieren. Im November ist eine weitere Informationsveranstaltung geplant.
Etwa 100 an einem Studium an der Freien Universität interessierte Flüchtlinge waren in den Henry-Ford-Bau gekommen, um sich zu informieren. Im November ist eine weitere Informationsveranstaltung geplant. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Das Ehepaar Richard Mann und Bärbel Jochum-Mann kennt sich aus dem Studium an der Freien Universität. Den Brüdern Muhanad (li) und Adnan möchten sie so helfen, wie sie es sich für ihre eigenen Söhne wünschen würden.
Das Ehepaar Richard Mann und Bärbel Jochum-Mann kennt sich aus dem Studium an der Freien Universität. Den Brüdern Muhanad (li) und Adnan möchten sie so helfen, wie sie es sich für ihre eigenen Söhne wünschen würden. Bildquelle: Annika Middeldorf

Sie haben sich in einer Flüchtlingsunterkunft in Charlottenburg kennengelernt: der Syrer Amin und Murad aus dem Irak. Gemeinsam sind sie heute nach Dahlem gekommen, um sich mit etwa 100 anderen Flüchtlingen über das akademische Maßnahmenpaket „Welcome@FUBerlin“ zu informieren. Die Bildungsinitiative soll Flüchtlingen, die ein Studium an der Freien Universität planen, den Zugang zur Hochschule erleichtern.

In seiner Heimat Syrien hat  Amin Medizin studiert. Seit drei Monaten ist der 30-Jährige nun in Berlin und äußert heute im Henry-Ford-Bau der Freien Universität nur einen Wunsch: Er möchte sein Studium in Berlin fortsetzen und „einfach nur ein normales Leben führen“.

Die Hoffnung auf ein wenig Normalität hat auch die Brüder Muhanad und Adnan nach Dahlem geführt. Seit einer Woche leben die beiden jungen Syrer mit ihrem 11-jährigen Bruder in der Unterkunft in Wannsee. Begleitet werden sie heute nicht von ihren Eltern, die in Damaskus zurückgeblieben sind, sondern von zwei ehrenamtlichen Helfern des ökumenischen Willkommensbündnisses Wannsee. Richard Mann und seine Ehefrau Bärbel Jochum-Mann haben beide selbst an der Freien Universität studiert und hoffen, dass die Brüder über das Programm „Welcome@FUBerlin“ einen Zugang zum Studium in Deutschland finden.

Die Bausteine des Welcome@FUBerlin-Programms

Gelingen soll dies mit den unterschiedlichen Bestandteilen der Initiative – wie ausgewählten Lehrveranstaltungen, Deutschkursen oder einem Buddy-Programm, bei dem Studierende die Flüchtlinge an der Universität begleiten. Ab dem kommenden Sommersemester wird es voraussichtlich möglich sein, Leistungsnachweise zu erwerben, die auf ein späteres Studium angerechnet werden können. Mit dem englischen Kursangebot „Berlin- und Deutschlandstudien“ soll den Neuankömmlingen die kulturelle, historische, soziale und politische Entwicklung Deutschlands im internationalen Kontext vermittelt werden.

Integration durch Bildung

Muhanad und Adnan wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen. Dann würde Adnan gerne sein Jurastudium fortführen, das er vor der Flucht aus Syrien begonnen hat. „ Junge Flüchtlinge in das deutsche Bildungssystem zu integrieren, ist enorm wichtig“, sagt Richard Mann, der Ende der sechziger Jahre an der Freien Universität Politikwissenschaft studiert hat.

„Kurzfristig gesehen ist das bestimmt eine schwierige Herausforderung, aber mittel- und langfristig wird es unserer Gesellschaft viel bringen“, sagt der 73-Jährige. Für das Ehepaar Mann ist die Unterstützung der Flüchtlinge eine Herzensangelegenheit: „Wir helfen den Jungs, so wie wir es uns auch für unsere Söhne wünschen würden, wenn sie in dieser Situation wären“, sagt Bärbel Jochum-Mann.

Weitere Informationen

Alle Informationen zum Welcome@FUBerlin-Programm finden Sie auf www.fu-berlin.de/welcome. Im November ist eine weitere Informationsveranstaltung geplant, der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.