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Herbstfest im Studentendorf

In Schlachtensee sind zwei Doppelhäuser grundsaniert worden / Der Regierende Bürgermeister kommt am 16. Oktober zur feierlichen Wiedereröffnung

15.10.2015

Herbstfest im Studentendorf Schlachtensee. Gefeiert wird, dass zwei Doppelhäuser grundsaniert sind. Die Erneuerung des gesamten Komplexes soll bis 2023 abgeschlossen sein.
Herbstfest im Studentendorf Schlachtensee. Gefeiert wird, dass zwei Doppelhäuser grundsaniert sind. Die Erneuerung des gesamten Komplexes soll bis 2023 abgeschlossen sein. Bildquelle: Mila Hacke
Eine „Bude“, wie Studentenzimmer in Schlachtensee früher genannt wurden.
Eine „Bude“, wie Studentenzimmer in Schlachtensee früher genannt wurden. Bildquelle: Mila Hacke
Im November 1959 sind die ersten Studenten ins Studentendorf eingezogen, 56 Jahre später können die Bewohner nach der Sanierung zweier Doppelhäuser wieder ihre Buden beziehen.
Im November 1959 sind die ersten Studenten ins Studentendorf eingezogen, 56 Jahre später können die Bewohner nach der Sanierung zweier Doppelhäuser wieder ihre Buden beziehen. Bildquelle: Mila Hacke
Denkmalgerecht saniert: Die Häuser 9/10 und 22/23 können wieder bezogen werden.
Denkmalgerecht saniert: Die Häuser 9/10 und 22/23 können wieder bezogen werden. Bildquelle: Mila Hacke

Im Studentendorf Schlachtensee werden an diesem Freitag vier denkmalgerecht erneuerte Gebäude wiedereröffnet. Ein Jahr lang wurde an den Doppelhäusern 9 und 10 sowie 22 und 23 gebaut. Die Neueröffnung wird mit einem Herbstfest gefeiert, zu dem die Bewohner des Studentendorfs und ihre Nachbarn eingeladen sind. Zu persönlichen Grußworten haben sich der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller und der Kanzler der Freien Universität Peter Lange angekündigt.

Damit schließt sich ein Kreis – denn bevor die Erneuerung des Studentendorfs 2006 begann, habe es seitens der Senatsverwaltung Pläne gegeben, den Komplex wegen Baufälligkeit abzureißen, erinnert sich Andreas Barz, Vorstandvorsitzender der Studentendorf Schlachtensee eG, die das Studentendorf 2003 erworben hat und seit 2006 unter anderem mit Unterstützung der Freien Universität saniert: „Heute sagt niemand mehr, dass das abgerissen werden müsste.“

„Bedeutendstes Studentendorf der Bundesrepublik“

Das Studentendorf Schlachtensee ist nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 1957 und 1959 als Reeducation-Programm der Vereinigten Staaten errichtet worden. Die Struktur des Dorfes ist der eines demokratischen Staates nachempfunden: Im Studentendorf sollten die Studierenden der Freien Universität Demokratie im Kleinen praktizieren. Dazu gehörten in der Anfangszeit Hausgemeinschaften von 30 Personen, die sich gemeinsam sanitäre Anlagen und Teeküche teilten. „Die Amerikaner wollten ein Gemeinschaftskonzept fördern, das die jungen Menschen mit den demokratischen Regeln vertraut macht“, sagt Andreas Barz.

Doch das Interesse an demokratischer Teilhabe war seitens der Studierenden eher gering, erst im Zuge der Achtundsechziger-Bewegung veränderte sich dies. 1971 wurde das Dorf vom Studentenwerk Berlin übernommen, in den 1980er Jahren gab es zunächst Pläne für eine Sanierung, später für einen Abriss und Neubau. Dagegen regte sich jedoch Widerstand von Seiten der Studenten. Das Studentendorf blieb bis zu Beginn der Erneuerungsarbeiten im Jahr 2006 weitestgehend in seinem ursprünglichen Zustand. Seit 1991 steht die Anlage unter Denkmalschutz, 2006 wurde sie in den Rang eines Nationalen Kulturerbes erhoben. „Das Studentendorf Schlachtensee ist die bedeutendste studentische Wohnsiedlung in der Bundesrepublik Deutschland und Prototyp für das Wohnen in der Gemeinschaft“, sagt Andreas Barz.

Neues Wohnkonzept

Die Ansprüche der Studenten haben sich im Laufe der Jahre verändert. Hausgruppen von 30 Personen mit Gemeinschaftsbad finden heute keinen Anklang mehr. Da aber die Grundstruktur der Häuser wegen des Denkmalschutzes nicht verändert werden darf, musste für die Erneuerung ein besonderes Konzept entwickelt werden. Von 2006 an sind in den Häusern zum Beispiel aus drei Studentenbuden jeweils eine sogenannte Doublette mit einem Bad oder aus zwei Studentenbuden ein Apartment entstanden. Bei der Sanierung der Doppelhäuser 9/10 und 22/23 ist dieses Konzept zugunsten komfortabler Wohngemeinschaften variiert worden. „Wir hoffen dass dieses Konzept auch die nächsten 30 Jahre trägt“, sagt Andreas Barz. Vom WG-Prinzip, wenn auch in modifizierter Form, sei man bewusst nicht abgerückt: „Das Besondere ist weiterhin, dass man hier in einer Gemeinschaft lebt. Das muss man natürlich auch wollen.“

Darüber hinaus ist die Einrichtung der Häuser erneuert worden, außerdem werden durch ein neues Energiekonzept mit Wärmedämmung Betriebskosten eingespart. Die Sanierung der Häuser erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Mietern. Dabei wurde ein Sanierungsplan verabredet, der immer nur die Erneuerung von vier Häusern gleichzeitig vorsieht, so dass grundsätzlich niemand während der Erneuerung aus dem Dorf wegziehen muss. Außerdem wurden die Studenten in die Auswahl der Inneneinrichtung einbezogen. Studentenvertreter Erik Wegner spricht von einer „intensiven Zusammenarbeit“ mit der Genossenschaft des Studentendorfes und lobt das neue Wohnkonzept mit kleineren Wohneinheiten: „Das schweißt auch die Häusergemeinschaften noch enger zusammen.“ Im nächsten Jahr werden wieder vier Häuser erneuert, die Gesamtsanierung des Studentendorfs soll 2023 abgeschlossen sein.

Weitere Informationen

Festakt zur Wiedereröffnung und Herbstfest

Zeit und Ort

  • Freitag, 16. Oktober 2015, ab 16 Uhr
  • Herbstfest mit Live-Musik ab 17.20 Uhr
  • Studentendorf Schlachtensee, Wasgenstraße 75, 14129 Berlin (U-Bhf. Krumme Lanke, U 3, und Bus 118 Wasgenstraße)
  • www.studentendorf.berlin