Wissenschaft kinderleicht

Vom antiken Spiel bis zur Suche nach dem Weltenbummler Walter – 89 Kurstermine zum Mitmachen bei der KinderUni der Freien Universität

09.10.2015

Spielen wie vor 3000 Jahren: Beim Exzellenzcluster Topoi lernten die Grundschüler Kinderspiele der Antike kennen.
Spielen wie vor 3000 Jahren: Beim Exzellenzcluster Topoi lernten die Grundschüler Kinderspiele der Antike kennen. Bildquelle: Marina Kosmalla
Schülerin Amita bastelt eine Puppe aus Pappe.
Schülerin Amita bastelt eine Puppe aus Pappe. Bildquelle: Marina Kosmalla
Im „Sehlabor“ konnten die Schüler die sogenannte Eye-Tracking Technik selbst ausprobieren.
Im „Sehlabor“ konnten die Schüler die sogenannte Eye-Tracking Technik selbst ausprobieren. Bildquelle: Marina Kosmalla

Rund 2200 Schülerinnen und Schüler der Klassen zwei bis sechs waren bei der diesjährigen KinderUni zu Gast an der Freien Universität, wo sie in den Schülerlaboren experimentieren, bei den Archäologen töpfern oder bei den Medizinern Spielzeug mit dem Computertomografen untersuchen konnten. Die wissenschaftlichen Themen wurden speziell für die Grundschüler aufbereitet.

„Einer muss gewinnen.“ Darin waren sich die Viertklässler einig. Aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft den Titel verteidigen kann? Dass Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung kein bisschen langweilig sind, zeigte Professorin Laura Martignon vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Vorlesung „Glück und Pech – wie gehe ich damit um?“

Für die Schüler, die wussten, dass insgesamt 32 Mannschaften bei der WM antreten, war die erste Aufgabe nicht schwer. Kniffliger war da schon die Frage, welche Augensumme bei einem Wurf mit zwei Würfeln am wahrscheinlichsten ist. Zum Glück hatte die Mathematikerin zwei große Schaumstoffwürfel dabei, mit denen die Lösung anschaulich erforscht werden konnte. Helfende Hände boten sich viele an – sowohl fürs Würfeln als auch für das Spiel „Stein, Papier, Schere“.

Die KinderUni verteilte sich auf elf Standorte in Dahlem und Steglitz und fand in Kooperation mit den Max-Planck-Instituten für Bildungsforschung und Molekulare Genetik sowie dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin statt. „Die Bilanz von Anmeldungen und Kursverteilung ist sehr erfreulich“, sagt Organisator Wieland Weiß. „Insgesamt haben 98 Klassen von 69 Schulen teilgenommen und fast alle 26 Schulen, die 2015 erstmals dabei sein wollten, haben auch mindestens einen Platz erhalten.“

Wir lesen gar nicht Wort für Wort

Im „Sehlabor“ vom Center for Applied Neuroscience der Freien Universität erklärte Diplom-Psychologin Jacqueline Wißmann, was Eye-Tracking ist und wozu die Aufzeichnung und Auswertung der Blickbewegung in der Wissenschaft und Praxis genutzt wird. Am Computer konnten die Schülerinnen und Schüler die Technik selbst ausprobieren. Die Viertklässlerinnen Riya und Reka hatten am meisten Spaß an den bekannten Wimmelbildern, in denen die Figur des Weltenbummlers Walter gesucht werden muss. Interessant fanden sie auch, ihre eigenen Blickbewegungen beim Lesen nachzuverfolgen. Dabei konnten sie feststellen, dass sie gar nicht Wort für Wort lesen, sondern kurze Wörter einfach übergehen.

„Getroffen!“, freute sich der siebenjährige Alex, als sein Pfeil die Zielscheibe erreichte. Dass griechische Kinder vor fast 3000 Jahren ähnliche Spiele gespielt haben, wie Kinder heute, zeigte Elisabeth Kanarachou vom Exzellenzcluster Topoi in dem Kurs „Kinderspiele der Antike“. Begeistert hätten ihr die Zweitklässler von ihren Lieblingsspielsachen erzählt, erzählte die Wissenschaftlerin. Zwar sind diese heute eher aus Plastik, Leder oder Stoff und nicht wie damals aus Ton, aber mit Puppen und Bällen haben die Kinder im antiken Griechenland auch gern gespielt. Natürlich mussten einiges dann unbedingt auch ausprobiert werden – wie Bogenschießen, Tauziehen und Puppen aus Pappe basteln.