Große Nummern der Ökonomie

Namen lassen sich leichter merken als Zahlenkolonnen. Deshalb sind die Schließfächer der Wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek jetzt nicht mehr nummeriert, sondern nach berühmten Ökonominnen und Ökonomen benannt

13.08.2015

Jedem Fach ein Namen: Die 102 Schließfächer in der Fachbereichsbibliothek der Wirtschaftswissenschaft tragen jetzt die Namen berühmter Ökonomen
Jedem Fach ein Namen: Die 102 Schließfächer in der Fachbereichsbibliothek der Wirtschaftswissenschaft tragen jetzt die Namen berühmter Ökonomen Bildquelle: Karin Reese
Die Studentin Karina Pimucane beteiligte sich zusammen mit 200 weiteren Studierenden an der Aktion. Als Dankeschön darf sie ein Lehrbuch für die Dauer eines Semesters ausleihen
Die Studentin Karina Pimucane beteiligte sich zusammen mit 200 weiteren Studierenden an der Aktion. Als Dankeschön darf sie ein Lehrbuch für die Dauer eines Semesters ausleihen Bildquelle: Karin Reese

Keynes, Smith, Robinson und Schumpeter – dies sind vier von insgesamt 102 berühmten Persönlichkeiten der Wirtschaftswissenschaften, deren Namen nun die Schließfächer der Wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek zieren. Weil Studierende häufig ihre Schließfachnummer vergaßen, beschlossen die Mitarbeiter der Bibliothek, den Fächern einen Namen zu geben – und baten die Studierenden um Vorschläge. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Mehr als 200 Studierende hatten berühmte Wirtschaftsexperten vorgeschlagen. Karin Reese, Leiterin der Bibliothek, die die Aktion im Frühsommer dieses Jahres initiiert hatte, freut sich über das Interesse – auch wenn die hohe Beteiligung zu vielen Doppelungen geführt habe: „Karl Marx beispielsweise wurde besonders häufig vorgeschlagen“, sagt Reese. Eine Auswahl traf sie gemeinsam mit Giacomo Corneo, Professor am Lehrstuhl für öffentliche Finanzen, und Georg Schreyögg, Professor am Management-Department. „Aus den Vorschlägen hat sich eine tolle Mischung ergeben“, sagt Corneo, „Verschiedene Fachrichtungen und Wissenschaftler unterschiedlichster Herkunftsländer sind vertreten.“

Als Dankeschön extra lange Ausleihzeiten

Eines der Auswahlkriterien war, Ökonominnen und Ökonomen nur posthum zu ehren. „Wir haben bewusst darauf geachtet, dass die Namensgeber nicht mehr in der Wissenschaft aktiv sind“, sagt Reese. Zu ungewiss sei, wie sich Wissenschaftler oder Theorie in Zukunft entwickelten. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften. „Hier kann man den Entscheidungen des Nobelpreiskomitees vertrauen“, sagt Corneo. Alle Studierenden, deren Vorschläge umgesetzt wurden, können als Dankeschön ein Semester lang ein Lehrbuch ihrer Wahl aus der Bibliothek ausleihen.

Auch Karina Pimucane hat sich an der Aktion beteiligt. Die 21-Jährige studiert im sechsten Semester Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität und wurde durch eine Vorlesung inspiriert: „Vergangenes Semester hatte ich ein Modul zum Thema Spieltheorie besucht. Ein Thema, dass mich gleich fasziniert hat“, sagt sie. Den Namen einer der bekanntesten Spieltheoretiker reichte die Studentin schließlich als Vorschlag ein: John Nash. Der Mathematiker Nash erhielt 1994 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Leistung auf dem Gebiet der Spieltheorie. Seit Hollywood seinem Leben mit dem Film „A beautiful mind“ ein Denkmal setzte, ist Nash auch außerhalb der Fachwelt bekannt.

Ein kleines Denkmal am Schließfach

Für das kleine Nash-Denkmal am Schließfach durfte sich Karina Pimucane nun für die Dauer eines Semesters ein Buch aus der Bibliothek ausleihen. „Darin geht es allerdings nicht um Spieltheorie, sondern um Makroökonomie. Dieses Buch brauche ich im kommenden Semester unbedingt“, sagt sie.

Die Bibliotheksleiterin Karin Reese hat indes schon weitere Pläne: „Einige Studenten haben sich gewünscht, mehr über die wissenschaftlichen Leistungen der Namensgeber zu erfahren. Das nehmen wir als nächstes in Angriff.“ Die Fortbildung am Bücherspint geht also weiter.