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Die letzten ihrer Art

Ausstellung über bedrohte Wildpflanzen im Botanischen Garten

20.07.2015

Warum Heilpflanzen wie Arnika vom Aussterben bedroht sind, und was dagegen getan werden kann, erfahren Besucher in der Galerieausstellung des Botanischen Gartens.
Warum Heilpflanzen wie Arnika vom Aussterben bedroht sind, und was dagegen getan werden kann, erfahren Besucher in der Galerieausstellung des Botanischen Gartens. Bildquelle: N. Köster, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Immer mehr Wildpflanzenarten verschwinden in Deutschland. Warum sie schützenswert sind, welche Funktionen sie in Ökosystemen erfüllen und wie Botanische Gärten ihrem Aussterben entgegen wirken, zeigen der Botanische Garten und das Botanische Museum in Dahlem noch bis zum 30. August in der Ausstellung „Die Letzten ihrer Art – Gefährdete Wildpflanzen in Botanischen Gärten“. Campus.leben sprach mit dem Kurator der Ausstellung Professor Albert-Dieter Stevens.

Herr Professor Stevens, was zeigen Sie in der Ausstellung?

Im Mittelpunkt stehen vom Aussterben bedrohte Wildpflanzen in Deutschland, wie die bekannte Heilpflanze Arnika oder das Gelbe Galmeiveilchen – eine der seltensten Pflanzen Deutschlands, die nur wenige Vorkommen rund um Aachen aufweist. Sowohl im Botanischen Garten als auch im Museum werden auf Postern allgemeine Informationen zum aktuellen Stand und zu den Ursachen ihres Aussterbens gegeben. Es wird aufgezeigt, welche Bedeutung Botanische Gärten im Wildpflanzenschutz haben, und erklärt, was und wie sie dazu beitragen, zumindest einige Pflanzenarten vor dem Verschwinden zu bewahren.

Im Garten können Besucher zudem über 20 verschiedene gefährdete Arten entdecken, die durch spezielle, auffällige „Steckbriefe“ vorgestellt werden. Beim Spaziergang entlang des Hauptwegs und durch den Wasserpflanzengarten vor der Dahlemer Saatgutbank sind sie leicht zu finden. Am Eingang des Gartens können Besucher einen Flyer erhalten, in dem die Standorte der gefährdeten Wildpflanzen auf einem Gartenplan eingezeichnet sind.

Was können Botanische Gärten tun, um dem Pflanzenaussterben entgegenzuwirken?

Die Botanischen Gärten Deutschlands spielen eine wichtige Rolle beim Erhalt der bedrohten pflanzlichen Vielfalt sowohl durch konkrete als auch durch indirekte Maßnahmen. Sie richten spezielle Erhaltungs- und Vermehrungskulturen ein, lagern Saatgut gefährdeter Pflanzenarten in sogenannten Gen- oder Saatgutbanken und siedeln gefährdete Bestände wieder an. Diese Maßnahmen werden zum Beispiel im „Netzwerk zum Schutz gefährdeter Wildpflanzen in besonderer Verantwortung Deutschlands“ (WIPS-De) erstmalig deutschlandweit aufeinander und mit Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Bürgern abgestimmt.

Ziel von WIPs-De ist der Aufbau eines nationalen Schutzprogramms für 15 Wildpflanzenarten, für die Deutschland im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ eine besondere Verantwortung übernommen hat. Das Modellprojekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert, durch die auch diese Ausstellung finanziert wurde.

Zudem wirken Botanische Gärten und insbesondere natürlich forschungsorientierte Gärten an den Universitäten oder Forschungsmuseen durch Aufklärung, Bildung und Forschung dem Artensterben indirekt entgegen. Sie vermitteln die Problematik der breiten Öffentlichkeit und vor allem Schülern und Studierenden. So können kommende Generationen hoffentlich etwas mehr für dieses wichtige Zukunftsthema sensibilisiert werden.

Wie sehen diese Aufklärungsmaßnahmen beispielsweise aus?

Wir bieten Fortbildungsmaßnahmen und Unterrichtsmaterialien für Lehrer an, die mit einem Besuch im Botanischen Garten verbunden werden können. Das Schulangebot „Mit Arnika unterwegs“ bietet Unterrichtseinheiten für die erste bis sechste Klasse. Arnika ist eine insbesondere in Norddeutschland stark zurückgehende Heilpflanzenart. Bei einem dreistündigen Aufenthalt im Botanischen Garten lernen Schüler die bedrohte Pflanzenart kennen, erarbeiten ihren Lebensraum, Gründe für ihr Aussterben, Artenschutzmaßnahmen und diskutieren eigene Handlungsoptionen. Zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts wird den Lehrern außerdem ein Arbeitsbuch zum Download bereitgestellt.

Die Fragen stellte Marina Kosmalla

Weitere Informationen

Ausstellung "Die Letzten ihrer Art – Gefährdete Wildpflanzen in Botanischen Gärten"

Zeit und Ort

  • Bis 30. August 2015, täglich von 10 bis 18 Uhr (bzw. Gartenöffnungszeiten, 9 Uhr bis Dämmerung)
  • Botanischer Garten und Galerie des Botanischen Museums, Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin
  • Eintritt Museum: Erwachsene 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro; Eintritt Garten: Erwachsene 6 Euro, ermäßigt 3 Euro (beim Garteneintritt ist der Museumseintritt inklusive)

Das Begleitheft zur Ausstellung kann hier heruntergeladen werden.