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Sieg mit Ekelfaktor

Doktorand der Freien Universität überzeugt mit einem Vortrag über Zeckenfütterung beim FameLab Berlin-Brandenburg

07.04.2015

Gekrönte Häupter: Christoph Krull siegte beim FameLab Berlin-Brandenburg, gefolgt von Britta Bookhagen. Beide fahren im Mai zum nationalen Finale in Karlsruhe.
Gekrönte Häupter: Christoph Krull siegte beim FameLab Berlin-Brandenburg, gefolgt von Britta Bookhagen. Beide fahren im Mai zum nationalen Finale in Karlsruhe. Bildquelle: Jenny Jörgensen

Was haben Sternenstaub, schiefe Brücken, Handys und die Ernährungsgewohnheiten von Zecken gemeinsam? Sie alle passen in drei Minuten auf einen Quadratmeter – beim „FameLab“, der Königsklasse der Science Slams. Ausgerüstet mit Gasmasken, Barbiepuppen und Atommodellen versuchten acht junge Wissenschaftler Jury und Publikum im Henry-Ford-Bau der Freien Universität für ihr naturwissenschaftliches Thema zu begeistern. Gewonnen hat Christoph Krull, Parasitologe bei den Veterinärmedizinern der Freien Universität. Seinem Vortrag „Die künstliche Fütterung von Schildzecken“ bescheinigte die Jury hohen Gänsehautfaktor.

Bekleidet mit einem weißen Kittel, in der Hand eine überdimensionierte Plastikzecke, mit den Füßen in einem mit Klebestreifen markierten Quadratmeter gefangen – so stand Christoph Krull etwas steif auf der Bühne. Keine Powerpoint-Präsentation, keine Notizen, nur, was man mit eigenen Händen tragen kann und drei Minuten Zeit – das sind die Bedingungen und die Herausforderung für die Kandidaten beim FameLab. Der inhaltliche Auftrag im Henry-Ford-Bau hieß: mit Naturwissenschaft unterhalten.

„Zecken sind blutsaugende Parasiten“, begann Krull trocken. Um die Krankheiten, die Zecken übertragen, erforschen und bekämpfen zu können, müssten die Parasiten im Labor gezüchtet und ernährt werden. „Sie werden mit Blut gefüttert“, sagte der Doktorand. „Und das geht so.“ Er hob die Hand mit der Riesenzecke und ließ sie auf seine andere Hand herabfahren. Ekelraunen im Publikum. „Natürlich saugen sie an Versuchstieren“, sagte Krull beruhigend.

„Zecken sind anspruchsvolle Tiere“

Um Tierversuche zu vermeiden, würden Zecken auch mit Blut von auf dem Schlachthof getöteten Tieren gefüttert. „Doch Zecken sind komplexe und anspruchsvolle Tiere. Deshalb ist die künstliche Fütterung noch nicht effektiv genug“, erläuterte der Biologe. An einem Modell erklärte Krull, wie er daran arbeite, die künstliche Fütterung der Zecken so zu verbessern, dass die Fütterung an lebenden Tieren irgendwann überflüssig werde.

Gleich bei seinem ersten Science Slam konnte der 31-Jährige den fünften regionalen Vorentscheid Berlin-Brandenburg für sich entscheiden. Die vierköpfige Jury bestätigte ihm, die „CCC-Kriterien“ – Content, Clarity und Charisma – von allen Teilnehmern am besten erfüllt zu haben. Die Krönung: Krull heimste auch den Publikumspreis ein. Unter der Last von zwei Lorbeerkränzen auf dem Kopf schwankte er leicht und sagte: „Ich bin völlig überrascht und freue mich riesig.“ Ganz bescheiden schrieb er seinen Erfolg nur einem Faktor zu: „Ich hatte einfach ein gutes Thema.“

Den zweiten Preis erhielt Britta Bookhagen vom Potsdamer Institute for Advanced Sustainability für ihren Vortrag „Gesteine und Handys“. Gewappnet mit Smartphone und Metallpendeln erklärte die Geowissenschaftlerin anschaulich, wie sie die Herkunft von Metallen in Handys erforscht. „Die Verbraucher wollen wissen, unter welchen Umwelt- und Arbeitsbedingungen die Rohstoffe für Handys gewonnen werden“, erklärte die 38-Jährige.

Auch die nicht ausgezeichneten Präsentationen waren spannend. So erfuhr das Publikum beispielsweise, was Barbiepuppen mit Erdöl zu tun haben, wie das Universum entstanden ist und wie die Vermessung der Erde präziser vorgenommen werden kann, um den Anstieg des Meeresspiegels millimetergenau bestimmen zu können.

Im Mai geht es zum Finale nach Karlsruhe

„Die Vorträge in diesem Jahr sind von besonders hoher Qualität gewesen“, betonte Brigitta Schütt, Jury-Mitglied und Vizepräsidentin der Freien Universität. Die Geografieprofessorin machte nur eine Einschränkung: „Was das Charisma angeht, können sich alle Kandidaten noch steigern.“ In der Jury waren neben der Vertreterin der Freien Universität das GeoForschungsZentrum Potsdam, Science Slam Berlin und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) vertreten. Der British Council und die geowissenschaftliche Koordinierungsplattform Geo.X präsentierten das FameLab.

Für die beiden Sieger geht es am 13. Mai zum nationalen Finale nach Karlsruhe. Neben einem Preisgeld von 300 Euro für den ersten und 200 Euro für den zweiten Platz erhalten Krull und Bookhagen für die nächste Runde ein professionelles Medien- und Präsentationstraining. Wer dort mit der „CCC-Formel“ überzeugt, tritt am 4. Juni im englischen Cheltenham beim internationalen FameLab-Finale in den Wettbewerb um den Siegerkranz.