Freie Universität Berlin


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Mit der Freien Universität verwurzelt

Ein Walnussbaum erinnert an Helmut Kewitz, Gründungsstudent und ehemaliger Professor für Klinische Pharmakologie

05.12.2014

Gepflanzt wurde der Baum von Kanzler Peter Lange, Irmtraud Kewitz und ihren Töchtern Annette und Gabriele Kewitz (v.r.), unterstützt durch Landschaftsarchitekten und Mitarbeiter der Bauleitung und technischen Abteilung der Freien Universität.
Gepflanzt wurde der Baum von Kanzler Peter Lange, Irmtraud Kewitz und ihren Töchtern Annette und Gabriele Kewitz (v.r.), unterstützt durch Landschaftsarchitekten und Mitarbeiter der Bauleitung und technischen Abteilung der Freien Universität. Bildquelle: Mona Muth
Helmut Kewitz war Gründungsstudent der Freien Universität und hatte später dort den ersten Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie inne.
Helmut Kewitz war Gründungsstudent der Freien Universität und hatte später dort den ersten Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie inne. Bildquelle: privat

Vor ziemlich genau 66 Jahren – am 4. Dezember 1948 – wurde die Freie Universität gegründet: mithilfe der amerikanischen Alliierten, von Wissenschaftlern, Berliner Politikern und einer Gruppe engagierter Studierender. Darunter auch Medizinstudent Helmut Kewitz, der im geteilten Berlin an der damaligen Universität Unter den Linden im sowjetischen Sektor miterlebt hatte, wie dort systemkritische Studierende einfach verschwanden. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen setzte sich Kewitz für die Gründung einer freien Universität im Westteil der Stadt ein. Später hatte er an der neu gegründeten Hochschule den ersten Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie inne. An den mittlerweile verstorbenen Mediziner und die bewegte Vergangenheit der Freien Universität erinnert nun ein Walnussbaum auf dem erweiterten Campus.

Einige Schaufeln Blumenerde fehlen noch, dann kann der junge Walnussbaum vor dem noch nicht ganz fertigen Neubau für die Kleinen Fächer anfangen, Wurzeln zu schlagen. Gestiftet wurde er von Helmut Kewitz‛ Ehefrau und Töchtern, die den Baum zusammen mit Kanzler Peter Lange feierlich pflanzten – als Erinnerung an den Wegbereiter und -begleiter der Freien Universität Helmut Kewitz, der vor fünf Jahren im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Und als Symbol für die Geschichte und die Zukunft der Hochschule: Die Freie Universität wächst und verzweigt sich immer mehr auf dem Campus. Ihre Wurzeln reichen dabei zurück in eine Zeit, als die Universität noch nicht einmal eine Bibliothek besaß und nur wenige Hörsäle und Laboratorien. 66 Jahre später zählt die seit ihrer Gründung international vernetzte Freie Universität, die in einem bundesweiten Wettbewerb 2007 und 2012 den Titel einer Exzellenzuniversität errang, auch im europäischen und weltweiten Vergleich zu den renommierten Hochschulen.

Veritas, Iustitia, Libertas

Helmut Kewitz und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben damals den Grundstein für diese Entwicklung gelegt. Noch heute trägt die Freie Universität Berlin die Forderungen von damals in ihrem Siegel: Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit. Kewitz‘ Tochter Gabriele erinnert sich an die Erzählungen ihrer Eltern: „Mein Vater und seine Freunde haben sich heimlich in Dahlem getroffen und mit amerikanischen Alliierten an der Planung für eine neue, freie Universität gearbeitet.“ Die leerstehenden Villen und Gebäude der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften – der heutigen Max-Planck-Gesellschaft – boten der neuen Universität in Dahlem ein Domizil.

Besonders am Anfang packten die Gründungsstudenten mit an, wo es nötig war: Sie trugen Tische und Stühle in die Seminarräume und halfen bei der Immatrikulation der Studierenden. „Das hat sie miteinander verbunden“, erzählt Gabriele Kewitz. „Mit den beiden Gründungsstudenten Stanislaw Kubicki und Helmut Coper, die als erste Medizinstudenten die Matrikelnummern eins und zwei hatten, verband meinen Vater noch Jahre später eine Freundschaft.“

Ein Leben für die Forschung

Helmut Kewitz selbst studierte zwar nicht mehr an der Freien Universität, kam aber 1949 als Assistent an das Pharmakologische Institut in Dahlem. Er war einer der Ersten, die an der Universität promovierten – dabei war lange nicht klar, ob die Examina der neuen Hochschule überhaupt allgemein anerkannt werden würden. Doch der Plan ging auf: 1969 hatte Kewitz den ersten Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie in der Bundesrepublik Deutschland inne und blieb so der Freien Universität verbunden. Auch als Direktor des Universitätsklinikums Benjamin Franklin machte er sich einen Namen. Für seine wissenschaftliche Leistung im Bereich der Pharmakologie wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sein ganzes Leben war mit der Freien Universität verknüpft. Mit dem Walnussbaum wurden ihm und den Gründerinnen und Gründern nun ein Denkmal auf dem Campus gesetzt.