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Von Großstadtflair und Freigeistern

Zur Goldenen Promotion kamen rund fünfzig ehemalige Promovenden an die Freie Universität

18.11.2014

Mit einem Festakt zur „Goldenen Promotion“ würdigt die Freie Universität jährlich ihre Absolventen – in diesem Jahr die Promovenden von 1964.
Mit einem Festakt zur „Goldenen Promotion“ würdigt die Freie Universität jährlich ihre Absolventen – in diesem Jahr die Promovenden von 1964. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Rund 50 frühere Doktorandinnen und Doktoranden waren der Einladung des Alumni-Büros gefolgt. Auf dem Programm stand eine kurze Führung über den Campus…
Rund 50 frühere Doktorandinnen und Doktoranden waren der Einladung des Alumni-Büros gefolgt. Auf dem Programm stand eine kurze Führung über den Campus… Bildquelle: Bernd Wannenmacher
…sowie ein Besuch in der vom Architekten Lord Norman Foster entworfenen Philologischen Bibliothek.
…sowie ein Besuch in der vom Architekten Lord Norman Foster entworfenen Philologischen Bibliothek. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Man forschte, schrieb, gab die Arbeit ab und exmatrikulierte sich: Vor fünfzig Jahren war die Promotion an der Freien Universität eine ziemlich nüchterne Angelegenheit. „Zum Teil nahm man da die Promotionsurkunde zwischen Tür und Angel entgegen und das war’s“, sagt Franca Brand vom Alumni-Büro. Die Absolventen von damals zu würdigen, das hat sich das Alumni-Büro auf die Fahne geschrieben und lädt jährlich gemeinsam mit der Ernst-Reuter-Gesellschaft zum Festakt der „Goldenen Promotion“ an die Freie Universität ein. In diesem Jahr folgten rund fünfzig Promovenden von 1964 der Einladung, um sich unter dem Motto „Damals war’s“ gemeinsam an ihre Studienzeit zu erinnern.

Dreimal bewarb er sich für das Medizinstudium, dreimal wurde er abgelehnt. Und das, obwohl Friedrich Körber der Aufforderung des DDR-Zulassungsreferats gefolgt war, sich in der Industrie zu bewähren und sich für je ein Jahr als Arbeitsvorbereiter für einen Chemiker und als Laborgehilfe in einem Krankenhaus verdingt hatte. „Als Pastorensohn passte ich einfach nicht in den Lauf des Sozialismus, den ja gemäß Erich Honecker weder Ochs noch Esel aufhalten. Darum durfte ich nicht studieren“, sagt Friedrich Körber.

Für ein Studium in den Westen umgesiedelt

Dass er schließlich doch noch studierte, promovierte und Professor wurde, verdankt er seinem Entschluss, aus der DDR nach Westberlin umzusiedeln. Hier wurde ihm das Studium der Humanmedizin durch ein Stipendium der Freien Universität ermöglicht. „Meine Eltern konnten mich aus der DDR heraus nicht unterstützen. Ich bin heute noch sehr dankbar, dass es dieses Stipendiensystem gab“, sagt Körber.

Der Erfolg gab seinem Entschluss recht: Von 1970 bis 1999 war er Professor für Physiologische Chemie und für Klinische Chemie. Fast zwei Jahrzehnte war er Dekan des damaligen Fachbereichs Grundlagenmedizin und ebenso lange Geschäftsführender Direktor des Instituts für Molekularbiologie und Biochemie der Freien Universität. Zudem gehörte der Naturwissenschaftler mehrere Jahre dem Akademischen Senat der Freien Universität an.

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Zu den Jubilaren zählten der Chemiker und frühere Dekan Professor Friedrich Körber,…
Zu den Jubilaren zählten der Chemiker und frühere Dekan Professor Friedrich Körber,… Bildquelle: Bernd Wannenmacher
…Professor Peter Ergenzinger, der hier die Urkunde von der Ersten Vizepräsidentin der Freien Universität, Professorin Monika Schäfer-Korting, entgegennimmt,…
…Professor Peter Ergenzinger, der hier die Urkunde von der Ersten Vizepräsidentin der Freien Universität, Professorin Monika Schäfer-Korting, entgegennimmt,… Bildquelle: Bernd Wannenmacher
…und Jutta Meischner, die ihr Ziel als junge Frau gegen äußere Widerstände verfolgt und sich schließlich erste Frau bei ihrem Doktorvater in Archäologie promoviert hatte.
…und Jutta Meischner, die ihr Ziel als junge Frau gegen äußere Widerstände verfolgt und sich schließlich erste Frau bei ihrem Doktorvater in Archäologie promoviert hatte. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Auch für Peter Ergenzinger war das Studium an der Freien Universität ein Glücksfall. „Ich machte damals so eine Art Studium Generale in Tübingen und wollte das schon an den Nagel hängen, weil ich nie eine überzeugende Antwort auf die Frage fand, welches Fach ich studieren sollte“. An der Freien Universität habe er dann das kombinieren können, wovon er überzeugt gewesen sei, sagt der emeritierte Professor für Geographie – die Fächer Geographie und Wirtschaftsgeschichte.

Freier Geist ist erhalten geblieben

„Der freie Geist an der Freien Universität ist glücklicherweise über die ganzen Jahre erhalten geblieben“, sagt Ergenzinger. „Berlin hat einfach dieses Flair, hier ist alles wesentlich dynamischer. Das Studium und die Arbeit hier haben mich damals wahnsinnig beflügelt.“

Ergenzinger forschte etwa zur Geographie der Sahara und entwickelte neue, ungewöhnliche Messmethoden. Unter anderem leitete er während seiner Assistentenzeit in den 1960er Jahren für zwölf Monate die Außenstelle des Instituts für Geographische Wissenschaften in Bardi, Tschad. Bis zur Pensionierung war Ergenzinger insgesamt 40 Jahre am Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität tätig.

Für den Festakt ist Peter Ergenzinger eigens aus Frankreich angereist – gemeinsam mit seiner Gattin, Professorin Carmen de Jong, die er 1990 bei der Arbeit an der Freien Universität kennen gelernt hatte. Kein Wunder also, dass sich das Ehepaar der Alma Mater verbunden fühlt. „Auch wenn wir in Amerika gewesen wären – wir wären sofort gekommen“, sagt Carmen de Jong.

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Der Festakt ist bietet den Jubilaren auch immer Anlass, sich gemeinsam an frühere Zeiten zu erinnern…
Der Festakt ist bietet den Jubilaren auch immer Anlass, sich gemeinsam an frühere Zeiten zu erinnern… Bildquelle: Bernd Wannenmacher
…sich nach langer Zeit wiederzusehen oder auch Neuigkeiten auszutauschen.
…sich nach langer Zeit wiederzusehen oder auch Neuigkeiten auszutauschen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Für Jutta Meischner war die Anreise zum Festakt nicht ganz so weit: Die Archäologin lebt seit 1945 in Berlin und ist der Stadt, abgesehen von Auslandsaufenthalten zu Forschungszwecken, immer treu geblieben. „Berlin ist ein Nucleus für jegliche Interessen“, sagt sie.

Sich nicht von eigenen Zielen abbringen lassen

Das Fach Archäologie begeisterte die junge Jutta Meischner derart, dass sie sich trotz Kritik aus ihrem Umfeld nicht vom Studium abbringen ließ. „Bei den Großeltern hieß es, man solle doch lieber Lehrerin werden oder etwas Ordentliches lernen“, sagt Jutta Meischner. „Ich habe dann einfach gesagt, dass ich mit dem Griechisch, das ich im Studium lernte, ja auch Lehrerin werden könnte.“

Jutta Meischner hat sich durchgesetzt – und war am Ende die erste Frau, die bei ihrem Doktorvater Professor Friedrich Wilhelm Goethert in Archäologie promovierte. Bald erhielt sie eine Festanstellung am Deutschen Archäologischen Institut, wo sie bis zu ihrer Pensionierung tätig war. „Mich interessierten die kunstgeschichtlichen Aspekte. Mein Motiv war es, in die Geschichte zurück zu steigen“, sagt Meischner.

Über die Einladung zum Festakt hat sie sich gefreut. „Hier sind zwar alle weit über siebzig, aber das ist doch auch kein Alter. Zum Diamantenen Jubiläum komme ich wieder.“ Die Freude an dem besonderen Festakt teilt auch Franca Brand: „Es ist wirklich schön zu sehen, mit welchem Stolz die Urkunden zur Goldenen Promotion heute noch entgegengenommen und Erinnerungen ausgetauscht werden.“

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Dann melden Sie sich bitte im Alumni-Büro der Freien Universität unter der E-Mail-Adresse alumni@fu-berlin.de.

Auf den Seiten des Alumni-Büros finden Sie auch Bildergalerien zu bisherigen Veranstaltungen.