„Mehr Unterstützung für unsere Sporthelden“

Ein Gespräch mit dem Leiter des Hochschulsports Jörg Förster, der zum Generalsekretär des EAS gewählt wurde

07.10.2014

Der Schwimmer Yannick Lebherz macht doppelt Karriere: Der Hochleistungssportler studiert an der Freien Universität Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaft.
Der Schwimmer Yannick Lebherz macht doppelt Karriere: Der Hochleistungssportler studiert an der Freien Universität Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaft. Bildquelle: Mirko Seifert

Das Netzwerk „European Athlete as Student Network“ (EAS) setzt sich für die Vereinbarkeit von Hochleistungssport und Studium ein. Jörg Förster, Direktor des Hochschulsports der Freien Universität, wurde nun zum Generalsekretär des EAS gewählt. Mit der Unterzeichnung der „Berliner Sporterklärung“ Mitte dieses Jahres hat die Freie Universität außerdem die herausragende Rolle von Sport für die Gesellschaft unterstrichen.

Herr Förster, Sie sind gerade von der elften EAS-Konferenz in Rom zurückgekehrt. Die Freie Universität ist seit 2011 Teil des europäischen Netzwerkes, bei dem sich Vertreter von Bildungseinrichtungen und Sportinstitutionen aus 16 Ländern für die Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport einsetzen. Sie selbst sind seit 2004 beim EAS aktiv. Wie steht es um die „duale Karriere“, und was hat sich in den letzten Jahren in diesem Bereich getan?

Die Förderung der „dualen Karriere“ ist ein wichtiger gesamtgesellschaftlicher Auftrag, wenn wir weiter „unsere Sporthelden“ bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften bejubeln wollen. Viele der studierenden Spitzensportlerinnen und Sportler können durch ihren Sport keine wirtschaftliche Grundlage für das Leben nach der aktiven Zeit schaffen. Hinzu kommt, dass Leistungssportler im Vergleich zu ihren Altersgenossen deutlich später ins Berufsleben starten.

Die „duale Karriere“ ist deshalb eines der Top-Themen der EU-Sportpolitik. Bereits im September 2012 hat die EU-Kommission hierzu ein Grundsatzpapier veröffentlicht, an dessen Entwicklung ich mitarbeiten konnte. Bei der EAS-Konferenz Rom wurde deutlich gemacht, dass diese Richtlinien in die nationalen Strukturen implementiert werden müssen, etwa durch spezielle Fördersysteme.

Die Freie Universität hat bereits 2007 einen bilateralen Vertrag mit dem Olympiastützpunkt Berlin geschlossen, der die formale Grundlage für die Förderung der studierenden Spitzensportler bildet. Yannick Lebherz, Schwimmer und Bachelor-Student in den Fächern Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaft, ist ein gutes Beispiel.

Sie sind nicht nur Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands (ADH), sondern wurden nun auch zum Generalsekretär des EAS gewählt. Welche Aufgaben kommen auf Sie zu?

Die Spitzensportförderung ist Teil meiner dienstlichen Aufgabe. Daher ist es sinnvoll, dass ich dieses Thema in den lokalen, nationalen und internationalen Gremien begleite, um den Input aus diesen Gruppen unmittelbar in die Arbeit an der Freien Universität einfließen zu lassen. Als Generalsekretär des EAS werden meine Aufgaben vergleichbar mit denen sein, die ich zuvor bereits als deutscher Vertreter im Exekutivkomitee der EAS übernommen habe.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Bei der dualen Karriere geht es immer noch darum, die Leistungsnachweise in der akademischen Ausbildung flexibler zu gestalten. Nur das kann zur besseren Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport beitragen. Zukünftig darf es kein Hindernis mehr sein, wenn eine Athletin oder ein Athlet zum Beispiel ein Auslandsemester absolvieren will oder eine Prüfung aus sportlichen Gründen an einem anderen Hochschulstandort auf der Welt abgelegt werden muss. Hier gilt es, für beide Seiten Rechtssicherheit zu schaffen.

Die „Berliner Sporterklärung“ würdigt den Sport in all seiner Vielfalt: als Integrations-, Bildungs-, Wirtschafts- und Imagefaktor sowie als Beitrag zur Lebensqualität. Im Juni dieses Jahres unterzeichnete Kanzler Peter Lange für die Freie Universität Berlin die Erklärung. Welcher Punkt ist für Sie und die Hochschule von besonderer Bedeutung?

Hochschulsport wird an der Freien Universität Berlin einerseits als Möglichkeit verstanden, Studierenden und Beschäftigten eine „bewegte Lebensweise“ als Teil einer gesunden Lebensführung am Arbeits- und Lernort Hochschule zu gestatten.

An einer internationalen Netzwerkuniversität wie der Freien Universität hat der Hochschulsport aber auch den Auftrag, Integration und Inklusion zu ermöglichen. Die Kurse des Hochschulsports bieten den Hochschulangehörigen und Gästen verschiedener Nationen die Möglichkeit, durch den gemeinsamen Sport Kontakte aufzubauen und zu pflegen.

Die Fragen stellte Annika Middeldorf