Freie Universität Berlin


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„Jeder Mensch kann zum Lebensretter werden“

Auf dem Campus der Freien Universität werden Defibrillatoren für Laienhelfer aufgestellt

19.03.2014

Diese unscheinbaren Geräte helfen, Leben zu retten: Acht Defibrillatoren für Laienhelfer sind auf dem Campus der Freien Universität schon einsatzbereit, zwei weitere folgen in Kürze.
Diese unscheinbaren Geräte helfen, Leben zu retten: Acht Defibrillatoren für Laienhelfer sind auf dem Campus der Freien Universität schon einsatzbereit, zwei weitere folgen in Kürze. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Es kommt etwa 15 bis 20 Mal pro Tag in Berlin und Umgebung vor, dass Menschen reanimiert werden müssen, weil das Herz-Kreislauf-System versagt. In vielen Fällen ist Kammerflimmern der Grund für die notwendigen Wiederbelebungsmaßnahmen, die durch starke Stromstöße unterstützt werden, um die normale Herzaktivität des Patienten wiederherzustellen. Um für alle Fälle gut gerüstet zu sein, stattet die Freie Universität Berlin ihren Campus derzeit mit sogenannten automatischen externen Defibrillatoren (AED) aus: Sie sind selbsterklärend, das heißt, sie können auch von Laien benutzt werden, weil sie im Notfall alle Schritte der Wiederbelebung vorgeben. Acht Geräte sind bereits einsatzbereit, insgesamt zehn sollen bis zum Frühjahr 2014 installiert werden.

Derzeit sind die rechtswissenschaftliche und die Philologische Bibliothek in der Rostlaube, die Kleintierklinik am Standort Düppel, das Präsidium, der Fachbereich Chemie, der Henry-Ford-Bau, die Geschäftsstelle des Hochschulsports sowie die Dienststelle Arbeitssicherheit der Freien Universität mit einem AED ausgestattet. Bis Mai 2014 folgen noch zwei Standorte, zum Jahresbeginn 2015 werden weitere Geräte installiert. „So können wir für die Freie Universität relativ flächendeckend sicherstellen, dass ein AED nur wenige Minuten vom jeweiligen Notfallort entfernt ist“, sagt Lutz Thormann von der Dienststelle Arbeitssicherheit.

Statistisch gesehen könnte es auf dem Campus der Freien Universität ein bis zwei Fälle pro Jahr geben, bei denen die neu angeschafften Geräte zur Erkennung und Behandlung von Kammerflimmern eingesetzt werden müssten. Kammerflimmern ist eine akute Herzrhythmusstörung, bei der durch jede Herzmuskelzelle ungeordnete Erregungen laufen und das Herz nicht mehr rhythmisch kontrahiert.  

„Im Zweifelsfall das Gerät immer einsetzen“

Wie wichtig schnelles Handeln für den betroffenen Patienten ist, macht Klaus Luszeit, praktizierender Rettungsassistent und Experte für das an der Freien Universität eingesetzte Modell Zoll AED Plus, deutlich: „Sobald die Atmung aussetzt, sinkt jede Minute, in der dem Patienten nicht geholfen wird, dessen Überlebenschance um 15%. Zwar kann das Gehirn etwa drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung problemlos überstehen, aber danach sterben die Gehirnzellen nach und nach ab.“

Nach zehn Minuten Atemstillstand wird die Wiederbelebung schon schwierig – allerdings dauert es im bundesweiten Durchschnitt 15 Minuten, bis ein Rettungswagen nach dem Notruf am Einsatzort ist. „Für den Laienhelfer gibt es bis zum Eintreffen eines Arztes zwei Möglichkeiten, der bewusstlosen Person mit Kammerflimmern zu helfen: Erstens, indem er sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnt, und zweitens, indem er so früh wie möglich defibrilliert, also Elektroschocks abgibt“, erklärt Luszeit.

Doch woran erkennt der Laie, ob der Einsatz des AED erforderlich ist? Luszeit nennt nur ein Kriterium: Wenn der Patient bewusstlos ist und (im Gegensatz zu einer bloß kreislaufbedingten Ohnmacht) nicht auf Ansprechen und Rütteln reagiert, soll das Gerät sofort zu Hilfe geholt werden.

„Der Helfende sollte sich nicht mit Pulskontrolle aufhalten oder das Gerät erst holen, wenn der Atem aussetzt, da Kammerflimmern schon dann eintritt, wenn der Patient noch atmet“, sagt der Rettungsassistent.Grundsätzlich gelte: Auch im Zweifelsfall soll das Gerät angewendet werden. Luszeit erklärt: „Bewusstlosigkeit ist immer lebensbedrohlich, und in vielen Fällen hat das Herz versagt. Selbst wenn kein Kammerflimmern vorliegt und nicht defibrilliert werden muss, hilft der AED dem Laien bei der Herzdruckmassage, indem er Anweisungen gibt.“

AED erkennt zuverlässig Kammerflimmern

Dass der AED auch dann Elektroschocks abgibt, wenn sie medizinisch nicht notwendig sind, muss der Helfer nicht befürchten: Das Gerät stellt Kammerflimmern und Tachykardie („Herzrasen“) von über 180 Schlägen pro Minute mit 98-prozentiger Sicherheit fest. „Das schafft nicht einmal der Fachmann. Kardiologen erkennen diese Fälle zu 95%“, sagt Luszeit. Nur wenn der AED diagnostiziert, dass der externe Stromimpuls zum Überleben nötig ist, lädt er auf und gibt auf Knopfdruck die Energie für die Elektroschocks frei. Alle Herzmuskelzellen halten dann inne; bei erfolgreicher Defibrillation gibt das Reizleitungssystem des Herzens wieder den Impuls für geordnete Kontraktionen.

„Je früher Sie es schaffen, den Menschen sozusagen zu ‚resetten‘, desto größer ist die Aussicht auf Erfolg“, erläutert Luszeit. „Da der gesamte Ablauf der Maßnahmen – von der Drucktiefe der Herzmassage bis zur Auslösung der Schocks – vom AED gemessen, gesteuert und angesagt wird, kann wirklich jeder Mensch zum Lebensretter werden.“

Auf drei Arten kann der Helfer nachvollziehen, was zu tun ist: Auf der Anzeigefläche des AED sind sämtliche Schritte auf Bildern erklärt, ein Display zeigt den jeweils nächsten Schritt schriftlich an. Außerdem „spricht“ das Gerät: Es gibt auf Deutsch Anweisungen und auch Feedback. Wenn die Herzdruckmassage – für die Töne den Takt vorgeben – zum Beispiel nicht auf fünf bis sechs Zentimeter Tiefe kommt, befiehlt der AED „fester drücken“.

Bis die Rettungskräfte am Einsatzort sind, nutzt der Laienhelfer so die Chancen, dem Patienten das Leben zu retten. Auf einen weiteren wichtigen Vorteil der Geräte weist Lutz Thormann hin: „Die Elektroden sind mit den Geräten der Feuerwehr kompatibel. Wenn sie einmal am Patienten angebracht sind, können die Rettungskräfte die Wiederbelebung direkt weiterführen.“

Weitere Informationen

Ablauf der Wiederbelebungsmaßnahmen mit dem AED an der Freien Universität

  • Bewusstloser zeigt keine Reaktion: um Hilfe rufen, Atemwege kontrollieren und ggf. freimachen
  • AED holen lassen und Notruf 112 abgeben (Nummer des AED bei Notruf angeben, Adresse ist bei der Feuerwehr gespeichert), währenddessen selbst beim Patienten bleiben, 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen geben
  • Deckel des AED unter den Rücken des Patienten legen, damit der Kopf überstreckt
  • Elektroden wie angegeben anbringen, Gerät einschalten
  • Anweisungen des Geräts befolgen, bis die Rettungskräfte eintreffen und übernehmen
  • Bei Defibrillation sicherstellen, dass Patient, Helfer und Anwesende keinen Kontakt mit metallischen oder nassen Flächen haben (zum Beispiel bei Regen den Patienten vor Beginn der ersten Hilfe in einen trockenen Hauseingang mit Stein- oder Teppichboden ziehen)

 

Allgemeine Informationen zu den AED