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„Unbestechlicher, politisch stark engagierter Beobachter seiner Zeit“

Vor 60 Jahren, am 6. Februar 1954, starb der Historiker Friedrich Meinecke, Gründungsrektor der Freien Universität

05.02.2014

Der Historiker Prof. Dr. Friedrich Meinecke (1862-1954) war der erste Rektor der im damaligen Westsektor Berlins neu gegründeten Freien Universität Berlin. Hier eine Aufnahme in seinem Arbeitszimmer im Jahr 1948.
Der Historiker Prof. Dr. Friedrich Meinecke (1862-1954) war der erste Rektor der im damaligen Westsektor Berlins neu gegründeten Freien Universität Berlin. Hier eine Aufnahme in seinem Arbeitszimmer im Jahr 1948. Bildquelle: Universitätsarchiv der Freien Universität Berlin
Das Ehrengrab Friedrich Meineckes auf dem Dahlemer Friedhof.
Das Ehrengrab Friedrich Meineckes auf dem Dahlemer Friedhof. Bildquelle: AKiP (Bernd Sösemann)

Das Institut für Geschichtswissenschaften der Freien Universität in der Dahlemer Koserstraße trägt den Namen eines bedeutenden Historikers: Friedrich Meinecke zählte in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu den weithin bekannten Geisteswissenschaftlern. Am 6. Februar 1954 starb der Gründer des Historischen Seminars und Gründungsrektor der Freien Universität. Eine Würdigung von Professor Bernd Sösemann, Leiter der Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und interkulturelle Publizistik im Ruhestand.

Drei Hauptwerke begründeten Friedrich Meineckes Ruhm: „Weltbürgertum und Nationalstaat“ (1908), „Die Idee der Staatsräson in der neueren Geschichte“ (1924) und „Die Entstehung des Historismus“ (1936). In diesen Büchern dominieren die Geschichte der Ideen und Entdeckung des Individualitätsprinzips, die Spannungen zwischen Herrschaft, Macht und Geist sowie zwischen Politik und Ethik.

Weit über die Fachgrenzen hinaus wirkte die erste Publikation nach 1945: „Die deutsche Katastrophe. Betrachtungen und Erinnerungen“. Friedrich Meinecke konnte für sich in Anspruch nehmen, die Zeit vom Kaiserreich bis in die NS-Herrschaft hinein als Zeitgenosse engagiert und distanziert zugleich darstellen und reflektieren zu können. Seine Kritik am Wilhelminismus war 1918 als „Miesmacherei“ und seine Lehrtätigkeit nach 1933 als „Judenschule“ diffamiert worden. Er gründete 1926 die „Vereinigung verfassungstreuer Hochschullehrer“ mit und verweigerte sich den Nationalsozialisten aus Gewissensgründen. 1946 forderte er als „unbestechlicher, politisch stark engagierter Beobachter seiner Gegenwart“ (Gerhard A. Ritter) eindringlich die Abkehr von Imperialismus, Militarismus und Antisemitismus. Er hoffte, dass die Ideale der Klassik und des Idealismus, die Werte einer „Kulturnation“ und ein „demokratischer Liberalismus“ (Gisela Bock), allen Deutschen belebende Botschaften sein könnten.

1951 nannte sich das „Seminar für Mittelalterliche und Neuere Geschichte“ der Freien Universität in „Friedrich-Meinecke-Institut“ (FMI) um. Die gesammelten Werke und Briefe des Historikers sind zwischen 1957 und 2012 in zehn Bänden erschienen; eine Mitschrift der Vorlesung zur Französischen Revolution liegt als Online-Edition vor.

Seit Januar 1991 fördert eine Gesellschaft von Mitgliedern und Absolventen des FMI die Institutsbibliothek, Exkursionen und Publikationen. Jedes Jahr wird der Friedrich-Meinecke-Preis für eine hervorragende Dissertation verliehen. Der Förderkreis bietet im Lauf des Jahres fünf öffentliche Vorträge an, in denen Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter ihre entstehenden oder abgeschlossenen Projekte vorstellen und diskutieren.

Vor 60 Jahren, am 6. Februar 1954, starb unser Gründungsrektor im Alter von 91 Jahren – hochgeachtet als Herausgeber der renommierten „Historischen Zeitschrift“ über 42 Jahre, ausgezeichnet durch die Berufung in den Orden Pour le Mérite, die Mitgliedschaft oder den Vorsitz in deutschen, amerikanischen, britischen und dänischen Akademien, Gesellschaften und Kommissionen sowie durch die Ernennung zum Ehrenrektor der Freien Universität Berlin vor 65 Jahren.

Bernd Sösemann