Freie Universität Berlin


Service-Navigation

„Unser Zukunftskonzept trägt Früchte“

Ein Gespräch über den internationalen Wissenschaftler- und Studierendenaustausch der Freien Universität mit Universitätspräsident Professor Peter-André Alt und Herbert Grieshop, Geschäftsführer des Center for International Cooperation

14.06.2012

Voneinander profitieren: Studierende nutzen das zusätzliche Angebot an Lehrveranstaltungen und Vorträgen der Gastwissenschaftler, die mit spezifischen Forschungsprojekten nach Dahlem kommen.
Voneinander profitieren: Studierende nutzen das zusätzliche Angebot an Lehrveranstaltungen und Vorträgen der Gastwissenschaftler, die mit spezifischen Forschungsprojekten nach Dahlem kommen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Alexander von Humboldt-Tagung 2011 an der Freien Universität: Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der AvH, Prof. Helmut Schwarz, Präsident der AvH, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Prof. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität.
Alexander von Humboldt-Tagung 2011 an der Freien Universität: Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der AvH, Prof. Helmut Schwarz, Präsident der AvH, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Prof. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
International erfolgreich: 17 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland, unter den Doktoranden sind es 30 Prozent. Von den Masterstudenten kommt inzwischen fast jeder Vierte aus dem Ausland.
International erfolgreich: 17 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland, unter den Doktoranden sind es 30 Prozent. Von den Masterstudenten kommt inzwischen fast jeder Vierte aus dem Ausland. Bildquelle: David Ausserhofer
Dr. Herbert Grieshop ist Geschäftsführer des Center for International Cooperation der Freien Universität Berlin.
Dr. Herbert Grieshop ist Geschäftsführer des Center for International Cooperation der Freien Universität Berlin. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin.
Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin. Bildquelle: David Ausserhofer

Die Freie Universität Berlin ist in Deutschland die beliebteste Adresse für ausländische Spitzen- und Nachwuchs-wissenschaftler. Das hat die jüngste Erhebung der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) über die Verteilung ihrer Stipendiaten und Preisträger auf deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen gezeigt. Was macht den internationalen Wissenschaftler-und Studierendenaustausch der Freien Universität so erfolgreich? Campus.leben fragte Universitätspräsident Professor Peter-André Alt und Herbert Grieshop, Geschäftsführer des Center for International Cooperation der Hochschule.

Welche Faktoren tragen zum Spitzenplatz der Freien Universität im Ranking der Alexander von Humboldt-Stiftung bei?

Peter-André Alt: Unser Zukunftskonzept der „Internationalen Netzwerkuniversität", für das wir in der Exzellenzinitiative ausgezeichnet worden sind, trägt Früchte. An diesem Erfolg haben unsere Außenbüros, das Center for International Cooperation und die Abteilung für Außenangelegenheiten entscheidenden Anteil. Sie setzen unser Konzept in die Praxis um.

Herbert Grieshop: Dazu gehören auch ganz pragmatische Dinge: Wir ermutigen beispielsweise unsere Professoren, Alexander von Humboldt-Stipendiaten aktiv anzuwerben und unterstützen sie dabei. Potenzielle Kandidaten laden wir – falls notwendig – auch vorab ein, damit sie mögliche Anträge mit ihren Counterparts an der Universität besprechen können.

Europaweit werden die Mittel für die Geisteswissenschaften gekürzt. Die Freie Universität ist in den Geistes- und Sozialwissenschaften nach wie vor sehr erfolgreich und hat im Ranking der Alexander von Humboldt-Stiftung auch in dieser Fächergruppe ihren ersten Platz verteidigt. Wie erklären Sie diesen Erfolg?

Alt: Wir haben in Zeiten, in denen andere die Vielzahl der kleinen Fächer gekürzt haben, festgehalten an der Pluralität der Disziplinen. Das ist auch für unsere Forschungsförderung wichtig gewesen. Wir haben große Verbünde, zwei Cluster und mehrere Sonderforschungsbereiche in den Geistes- und Sozialwissenschaften aufgebaut. Sie haben alle ihre internationalen Netzwerke und erhöhen damit auch den Anteil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die aus dem Ausland zu uns kommen. Die bereits bestehenden vorzüglichen Beziehungen zu den Geisteswissenschaften in den USA sind durch unsere Graduiertenschulen erheblich gefördert worden – und durch eine unserer Focus Areas, das Dahlem Humanities Center. Es ist inzwischen eine internationale Plattform für die geisteswissenschaftliche Forschung – durchaus am amerikanischen Vorbild orientiert.

Was zeichnet die Freie Universität als Gastgeberin für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland besonders aus?

Alt: Zunächst einmal die attraktive Verbindung eines idyllischen Campus im Berliner Südwesten mit einer aufregenden und irisierenden Großstadt, die Verbindung zwischen Universität und außeruniversitären Partnereinrichtungen auf diesem Campus und eine gute Willkommenskultur. Unsere Gäste werden auf unterschiedlichen Ebenen und in den jeweiligen Einrichtungen betreut, in denen sie sich bewegen – die Postdocs beispielsweise durch die Dahlem Research School. Eine intensive Betreuung von Gastwissenschaftlern ist extrem aufwendig und kann nicht allein durch ein zentrales Welcome Center sichergestellt werden – die Fachbereiche und Verbünde leisten hier ebenfalls hervorragende Arbeit.

Wie profitiert die Universität von ihren Gästen?

Grieshop: In vielerlei Hinsicht. Zum einen profitieren Studierende vom zusätzlichen Angebot an Lehrveranstaltungen und Vorträgen. Zum anderen kommen gerade die Alexander von Humboldt-Stipendiaten mit spezifischen Forschungsprojekten nach Dahlem, die sie in Kooperation mit unseren Wissenschaftlern gemeinsam ausarbeiten und durchführen. Das stärkt natürlich wiederum die Forschungskraft der Universität.

Alt: Man muss nur mit offenen Ohren über den Campus laufen, um zu erleben, wie international er ist. Wenn sie die Arbeitsgruppen zum Beispiel mal belauschen, die mittags zum Essen gehen, da haben sie eine wirklich polyglotte Campusatmosphäre. Das Englische dominiert, aber Sie hören auch Spanisch, Italienisch, Französisch, Chinesisch oder Russisch.

Wie gelingt es der Freien Universität, ihre eigenen Studierenden für Auslandsaufenthalte zu begeistern, und was zieht Studierende und herausragende Promovierende aus dem Ausland nach Dahlem?

Alt: Unsere Verbindungsbüros bewerben im Ausland sehr erfolgreich die Studien- und Promotionsprogramme der Freien Universität. Mittlerweile haben wir mehr als 30 Prozent internationale Promovierende – diese Zahl spricht für sich. Von den Masterstudenten kommt inzwischen fast jeder Vierte aus dem Ausland. 

Grieshop: Umgekehrt ist es allerdings nicht so einfach, Studierende für ein oder mehrere Auslandssemester zu motivieren, denn wie alle Großstadtunis haben wir ein Problem: Jemand, der es geschafft hat, nach Berlin zu kommen, will nicht unbedingt im nächsten Jahr gleich wieder weggehen. Dies trifft für Studierende aus Deutschland zu und natürlich erst recht für diejenigen, die aus dem Ausland kommen. Dennoch zeigen unsere Absolventenbefragungen, dass wir bei der Entsendung gute Zahlen haben: Ungefähr ein knappes Drittel unserer Studierenden schafft es, während des Studiums einmal ins Ausland zu gehen, sei es als Praktikant oder als Erasmus-Student oder als ganz normaler Austauschstudent. Bis 2020 wollen wir das anspruchsvolle nationale Ziel erreichen: Dann soll jeder zweite Absolvent der Freien Universität im Rahmen seines Studiums einmal im Ausland gewesen sein.  

Mit der Mobilitätsstrategie 2020 wollen die europäischen Wissenschafts- und Bildungsminister der 47 Staaten, die sich zur Umsetzung der Bologna-Erklärung und damit zum Aufbau eines Europäischen Hochschulraums verpflichtet haben, Hürden beim Wechsel von Akademikern ins Ausland abbauen. Wie wird die Freie Universität diese Strategie aufgreifen? Oder ist sie in diesem Bereich schon Vorreiter?

Alt: Wir haben ja inzwischen den Vorteil, dass wir mit unseren Strategien, getragen durch das Zukunftskonzept, meistens etwas schneller sind als die anderen Universitäten. Das heißt, wir sind durchaus vorbereitet auf solche Zielsetzungen. Man muss dies sehr maßvoll steigern. Wer wie wir einen hohen Anteil Studierender hat, die aus dem Ausland kommen, kann nicht darauf zielen, dass 100 Prozent der Studierenden ins Ausland gehen sollen. Beim Anwerben internationaler Studierender liegt unser Schwerpunkt in den Masterprogrammen, die Bachelorprogramme werden im Wesentlichen auch weiterhin von hiesigen Studierenden genutzt. Was die Entsendung betrifft – da muss man heute den Studierenden in den sechssemestrigen Bachelorstudiengängen vor allem die Angst nehmen, dass sie durch ein Auslandssemester zu viel Zeit verlieren. Dies geht natürlich nur mit einer guten, intensiven Beratung. Das heißt, man muss sichtbar machen, dass Studienleistungen flexibel anerkannt werden.

Grieshop: Hilfreich wäre ein Ausbau von Studiengängen mit vorgegebenen strukturierten Zeitfenstern. Es ist für die Studierenden sehr viel einfacher, wenn sie nicht selbst suchen und entscheiden müssen, sondern bestimmte Optionen für den Austausch mit Partneruniversitäten haben, an denen sie garantiert ihre Leistungspunkte bekommen. Die Freie Universität bietet zugegebenermaßen erst wenige Joint Degrees – Studiengänge in Kooperation mit einer anderen Universität –, in denen ein Auslandsjahr vorgesehen ist. Oder es gibt Abschlüsse, für die das dritte Semester verpflichtend an der Partneruniversität stattfindet. Sehr erfolgreich ist etwa unser Masterstudiengang „Management und Marketing“ mit zwölf Partneruniversitäten in neun Ländern. Grundsätzlich gilt aber: Mobilität findet nicht nur innerhalb eines Studiengangs statt, sondern auch beim Übergang vom Bachelor zum Master, man wechselt also nach dem Bachelor ins Ausland oder kommt dann erst hierher. Die Diskussion in Deutschland ist da noch ein bisschen auf das alte System konzentriert.

Internationale Erfahrung ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere. Welche Wege wird die Universität in Zukunft gehen, um dies zu fördern und zu unterstützen?

Alt: Wenn man wirklich einmal etwas weiter als in Fünfjahresplänen denkt, werden wir einen viel stärkeren Austausch haben, der sich unterhalb institutioneller Grenzen bewegt. Die Teilnahme an bestimmten Modulen im Studium wird das Ziel sein, das wir anstreben müssen. Dual Degrees – von den Partneruniversitäten gemeinsam anerkannte Abschlüsse – scheitern heute häufig noch an bürokratischen Hürden. Diese Hürden müssen abgebaut und Strukturen geschaffen werden, damit ein Austausch selbstverständlich wird. Wir verfolgen dieses Ziel in unserem Exzellenzkonzept mit den sogenannten Primary Partnerships – das sind bevorzugte Partnerschaften mit ausgewählten Universitäten.

Grieshop: Die Freie Universität hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass sie sehr engagiert politische und gesellschaftliche Verantwortung übernommen hat. Das wird in Zukunft noch wichtiger sein, denn wir brauchen weltweite Kooperationen, um Antworten auf globale Herausforderungen finden zu können. Die Universität lebt dies nicht nur durch ihre internationalen Aktivitäten, sondern auch durch die Anerkennung gesellschaftlichen und politischen Engagements: Mit ihrem Freiheitspreis ehrt sie Persönlichkeiten, die sich um die Freiheit verdient gemacht haben, und mit dem Beitritt zum Scholars at Risk Network bietet sie künftig politisch verfolgten Wissenschaftlern mit einem Gastaufenthalt die Chance, eine Zeitlang unabhängig zu forschen. Ich denke, dass das die Universität insgesamt noch internationaler, vielfältiger und lebendiger machen wird.

Weitere Informationen

International forschen

Jährlich ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung mehr als 2.000 Forscherinnen und Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 25.000 „Humboldtianern“ aller Fachgebiete in mehr als 130 Ländern – unter ihnen 48 Nobelpreisträger.

In einem aktuellen Ranking der Stiftung wurde die Anzahl der Gastaufenthalte von insgesamt 6.082 internationalen Spitzen- und Nachwuchswissenschaftlern ausgewertet, die in den vergangenen fünf Jahren als Stipendiaten oder Preisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung in Deutschland forschten. Demnach liegt die Freie Universität Berlin mit 286 Gastaufenthalten von Preisträgern und Stipendiaten aus dem Ausland in den Jahren 2007 bis 2011 auf Platz eins. Die Stipendiaten wählen die Universität, an der sie forschen wollen selbst aus – ein Spitzenplatz im Humboldt-Ranking ist daher ein wichtiger Indikator für internationale Kontakte und Reputation der Uni.