Freie Universität Berlin


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„Wir bilden die Steuerzahler von morgen aus“

Podiumsdiskussion an der Freien Universität zur Finanzierung von Hochschulen

01.03.2012

Frauen in der Wissenschaft fördern: ProFiL-Koordinatorin Dorothea Jansen mit Teilnehmerinnen des Jahrgangs 2006.
Frauen in der Wissenschaft fördern: ProFiL-Koordinatorin Dorothea Jansen mit Teilnehmerinnen des Jahrgangs 2006. Bildquelle: Sören Stache

„Arm, aber sexy? Universitäten zwischen Exzellenzanforderungen und Finanzierungsnöten.“ Unter diesem Titel fand die Abschlussveranstaltung des achten Durchgangs des hochschulübergreifenden Programms „Professionalisierung für Frauen in Forschung und Lehre“ (ProFiL) an der Freien Universität Berlin statt. Es hat seit 2004 bereits 317 Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Professur unterstützt.

„Heutzutage arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler länger an Forschungsgeldanträgen als in Forschung und Lehre an sich“, sagte Professor Hans-Ulrich Heiß vom Institut für Telekommunikationssysteme der Technischen Universität Berlin. Der Wissenschaftler kritisierte, dass Forschungsgelder häufig nur aufgrund von quantitativen Merkmalen bewilligt würden, etwa der Höhe eingeworbener Drittmittel.

Heiß betonte, dass drittmittelfinanzierte Forschung die Gefahr von Sachzwängen berge. Zudem sei sie auch risikobehaftet. „Am Fachbereich für Elektrotechnik der Technischen Universität sind von 60 Professuren 20 aus externen, privaten Mitteln finanziert“, sagte Heiß. Die Universität müsse die Kosten der Professuren auch bei einem Wegfall der externen Finanzierung weiter tragen, da diese auf Lebenszeit besetzt würden.

Wenig Geld – mehr Kreativität?

„Weniger Geld führt teilweise zu einem Wachstum an Kreativität“, sagte Professorin Karin Donhauser vom Institut für deutsche Sprache und Linguistik der Humboldt-Universität zu Berlin. Das bedeute allerdings nicht, dass die Universitäten in dem Maße besser würden, je weniger Geld man ihnen gebe. Donhauser forderte mehr Geld für die Grundfinanzierung und Lehre der Universitäten.

Der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung im Berliner Senat, Knut Nevermann, sicherte zu, das Land werde die im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder finanzierten Projekte auch nach Auslaufen der Initiative im Jahr 2017 unterstützen. Ein mögliches Instrumentarium dafür sei die Einstein-Stiftung. Gleichzeitig betonte Nevermann, dass eine Finanzierung von Hochschulen durch den Bund, die derzeit nicht erlaubt ist, zu Verteilungsproblemen und Konkurrenz zwischen Schulen und Hochschulen führen könne.

Zugleich machte Nevermann auf die teilweise prekären Verhältnisse von wissenschaftlichen Mitarbeitern aufmerksam. „70 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter an deutschen Hochschulen haben Verträge mit einer Laufzeit von unter zwei Jahren.“ Das sei eine Sauerei. „Die Freie Universität habe sich dafür entschieden, mit wissenschaftlichen Mitarbeitern keine Verträge unter einer dreijährigen Laufzeit abzuschließen“, sagte Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin.

Vor- und Nachteile befristeter Stellen

„Heute gibt es zu viele befristete Stellen“, sagte Alt. Aus diesem Grund habe die Freie Universität Berlin in ihrem Antrag für die neue Runde der Exzellenzinitiative das „Karriere-Wege-Modell“ entworfen, das wissenschaftlichen Mitarbeitern durch Überbrückungsfinanzierungen auf dem Weg zur Professur helfen und auf diese Weise Perspektiven schaffen soll. Professor Hans-Ulrich Heiß fügte hinzu: „Entweder nimmt eine Person 30 Jahre lang eine Stelle ein, oder wir geben sechs Personen die Möglichkeit, diese Stelle für jeweils fünf Jahre inne zu haben.“ Auf diese Weise könne man mehr Menschen am universitären Leben teilhaben lassen.

Karin Donhauser warf die Frage auf, warum die außeruniversitäre Forschung, die vom Bund finanziert wird, jedes Jahr fünf Prozent mehr Geld erhalte. „Warum wird bei den Hochschulen gespart?“, fragte Donhauser. „Schließlich bilden wir den Nachwuchs für die außeruniversitäre Forschung aus.“ „Und die Steuerzahler von morgen“, ergänzte Professor Martin Schwab, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Freien Universität. „Viele betrachten Universitäten nur als Kostenfaktoren“, sagte Professor Hans-Ulrich Heiß. Dabei hätten allein die Ausgründungen der Technischen Universität Berlin rund 14.000 Arbeitsplätze in der Hauptstadt geschaffen.