Freie Universität Berlin


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Forschung – ganz großes Theater

Biologen der Freien Universität arbeiten mit Schauspielern und Regisseuren des English Theatre Berlin zusammen

14.02.2012

Um den Ruhm gebracht: Das English Theatre stellt die Geschichte der eigentlichen Entdeckerin der DNA-Struktur, Rosalind Franklin, in den Mittelpunkt eines neuen Stückes.
Um den Ruhm gebracht: Das English Theatre stellt die Geschichte der eigentlichen Entdeckerin der DNA-Struktur, Rosalind Franklin, in den Mittelpunkt eines neuen Stückes. Bildquelle: Christian Jungeblodt

Als Rosalind Franklin am 23. Februar 1953 spätabends noch in ihrem Labor des Londoner King’s College sitzt, kann sie nicht ahnen, dass sie kurz vor der wichtigsten Entdeckung ihrer Forscherkarriere steht. Sie zerbricht sich den Kopf über eine Fotografie, die später Wissenschaftsgeschichte schreiben wird: Es ist das „Photograph 51“, eine Röntgenaufnahme der DNA, auf der erstmals ihre Doppelhelix-Struktur erkennbar ist. „Photograph 51“ lautet auch der Titel des Theaterstücks von Anna Ziegler, das Schauspieler des English Theatre und Wissenschaftler der Freien Universität Berlin gemeinsam in Szene setzen.

Mit dem Projekt „Science & Theatre“ sollen naturwissenschaftlicher Forschung eine neue Bühne und ein neues Publikum erschlossen werden. „Wissenschaft berührt so viele Bereiche des menschlichen Lebens und der Gesellschaft, dass man den Fragen, die sie aufwirft, viel häufiger auch künstlerisch begegnen sollte“, sagt Regine Hengge, Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität. Gemeinsam mit Günther Grosser, dem künstlerischen Leiter des Englischen Theaters, rief sie das Projekt 2010 ins Leben.

Bei den Proben lässt Regisseur Günther Grosser die Schauspieler die Szene mit Rosalind Franklin vor dem Foto wieder und wieder spielen. „Diese Szene zeigt Franklins Dilemma als Wissenschaftlerin: Sie wollte sich nicht an Spekulationen über den DNA-Aufbau beteiligen, sondern gewissenhaft arbeiten“, erklärt Grosser.

Drama der Wissenschaft

Das Bild, das die damals gerade erst 32 Jahre alte Forscherin gemacht hatte, verhilft letztendlich nicht ihr, sondern ihren Konkurrenten zum Höhepunkt der Forscherkarriere: James Watson und Francis Crick nutzen Franklins unveröffentlichte Daten ohne ihr Wissen und publizieren wenige Wochen später im Wissenschaftsmagazin Nature ihren berühmten Aufsatz über die Doppelhelix-Struktur der Desoxyribonukleinsäure. Gemeinsam mit Franklins Kollegen Maurice Wilkins erhalten sie dafür 1962 den Nobelpreis. Franklin ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot, ihr entscheidender Beitrag wird jahrelang übergangen. Die Geschichte von Rosalind Franklin ist bis heute eines der großen Dramen der Wissenschaft.

Ines Veiga, Doktorandin an der der Freien Universität, hat sich an der dramaturgischen Umsetzung des Theaterstücks beteiligt. Gemeinsam mit anderen Studierenden und Doktoranden erarbeitete sie die wissenschaftsgeschichtlichen und wissenschaftlichen Hintergründe und diskutierte mit den Schauspielern während eines Seminars über die Forschung der realen Rosalind Franklins. Veiga findet, dass das Stück hochaktuell ist. „Es geht um wissenschaftliche Integrität – das ist heute mindestens genauso relevant wie damals.“

Zusammenarbeit von Künstlern und Wissenschaftlern

Im angloamerikanischen Sprachraum gibt es für die Wissenschaft schon länger einen festen Platz auf der Bühne. In den USA fördert die renommierte Sloan-Foundation gezielt Autoren, die sich mit wissenschaftlichen Themen auseinandersetzen. Die Stiftung zeichnete Anna Zieglers „Photograph 51“ im vergangenen Jahr mit einem Preis aus. Auch „Science & Theatre“ bekommt 2012 Unterstützung: Die Schering-Stiftung fördert das Projekt seit zwei Jahren wegen der „innovativen Zusammenarbeit von Künstlern und Wissenschaftlern“. 

Dass von dieser Kooperation nicht nur das Publikum profitiert, sondern auch die Studierenden etwas davon haben, davon ist Professorin Hengge überzeugt: „Nachwuchsforscher können sich in Wissenschaftskommunikation üben – und über wichtige ethische Fragen diskutieren, für die sonst in der Ausbildung kaum Platz ist.“

Vorstellungstermine von „Photograph 51“:

Premiere am 24. Februar, weitere Aufführungen täglich vom 25. Februar bis 10. März (außer sonntags und montags), jeweils 20 Uhr im English Theatre Berlin, Fidicinstrasse 40, 10965 Berlin - in englischer Sprache.