Freie Universität Berlin


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„Das Verfahren ist ein Muster für spätere Initiativen“

Die Freie Universität Berlin erhält 11,3 Millionen Euro aus dem Qualitätspakt von Bund und Ländern / Ein Gespräch mit Präsident Professor Peter-André Alt

21.12.2011

Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt: "Das Verfahren war insofern mustergültig, als die Spielregeln relativ frei geblieben sind, sodass wir kreativ überlegen konnten, was wir umsetzen möchten."
Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt: "Das Verfahren war insofern mustergültig, als die Spielregeln relativ frei geblieben sind, sodass wir kreativ überlegen konnten, was wir umsetzen möchten." Bildquelle: David Ausserhofer

Die Freie Universität erhält vom Bund zur weiteren Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen 11,3 Millionen Euro. Damit ist sie eine von insgesamt 40 Universitäten, die sich erfolgreich um die Förderung beworben haben. Sie beginnt im April 2012 und endet 2016. Wofür wird das Geld an der Freien Universität eingesetzt? Warum wird E-Learning immer wichtiger? Campus.leben sprach mit dem Präsidenten der Freien Universität, Professor Peter-André Alt.

Herr Professor Alt, die Freie Universität erhält 11,3 Millionen Euro zur Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen – wofür wird das Geld eingesetzt?

Wir haben mehrere Teilprojekte beantragt. Das erste zielt auf einen guten Start ins Studium mithilfe von sogenannten Online-Self-Assessments. Das heißt, dass Studienbewerber mittels onlinegestützter Verfahren feststellen können, ob sie für die Studiengänge, die sie interessieren, auch wirklich geeignet sind, ob sie die erforderlichen Voraussetzungen und Qualifikationen mitbringen. Solch ein Verfahren ist finanziell und technisch sehr aufwendig. Außerdem haben wir in diesem Teilprojekt Mittel für ein Mentorierungsprogramm beantragt, in dessen Rahmen fortgeschrittene Studierende ab den dritten und späteren Semestern Erstsemestern helfen, ins Studium zu finden. Die studentischen Mentoren werden dafür geschult.

Die Mittel fließen in Projekte, die an den Übergängen zwischen verschiedenen Studien- und Lebensphasen angesiedelt sind: die Informations- und Bewerbungsphase nach der Schule, die Studieneingangsphase und der Studienabschluss – warum ist Unterstützung gerade in solchen Phasen notwendig?

Das sind wichtige Orientierungspunkte. Wenn man in dieser Phase Fehler macht, hat das oft schwerwiegende Konsequenzen für die weitere Lebensplanung. Das lässt sich vermeiden, indem man frühzeitig justiert – und zwar in beide Richtungen: Diejenigen, die sich bewerben, müssen herausfinden, ob das Fach richtig ist, und die Institutionen müssen wissen, ob sie die richtigen Bewerber haben.

Der zweite geförderte Bereich bezieht sich auf den Ausbau des E-Learning. Warum ist das so wichtig? Wird durch den Einsatz von E-Learning die Lehre besser?

Das mag zunächst verwundern, weil natürlich auch in der Universitätslehre von heute die Präsenzlehre das entscheidende Element ist. Aber auf E-Learning-Basis schaffen wir Lernumgebungen, die es – ergänzend zu den Präsenzveranstaltungen – ermöglichen, das Studium zeitlich und räumlich flexibler zu gestalten, zum Beispiel durch die  Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen. Mit diesem Instrument können außerdem unterschiedliche Lerntempi der Studierenden berücksichtigt werden. Davon profitieren insbesondere die internationalen und nicht-muttersprachlichen Studierenden der Freien Universität. Moderne Technologien und Medien können aber auch für Prüfungen genutzt werden und schaffen Möglichkeiten, sich ohne große Hürden über eine Lehrveranstaltung auszutauschen und Kontakt mit Dozentinnen und Dozenten herzustellen. Denn die E-Learning-Plattformen stellen Foren für die Kommunikation bereit. Das ist ein sehr komplexes Feld, das immer wichtiger wird.

Wer war an der Entwicklung der Projekte, die jetzt gefördert werden, beteiligt?

Die Teilprojekte, die im Zuge unseres Antrags entwickelt wurden, lagen gewissermaßen auf der Hand: Ausgangspunkt unseres Konzepts war eine Stärken-Schwächen-Analyse, die bei den Ergebnissen unserer Evaluationen, insbesondere der 2010 bereits zum dritten Mal durchgeführten Befragung der Bachelorstudierenden angesetzt hat. Daraus konnten wir klare Problembereiche, wie zum Beispiel die Gestaltung der Studieneingangsphase, ableiten. Außerdem haben wir die Fachbereiche – etwa die Studiendekane, nach Defiziten und Erwartungen gefragt. Bei der konkreten Projektentwicklung haben wir insbesondere auf die Expertise unserer Erziehungswissenschaften, unseres Centers für Digitale Systeme (CeDiS) und der Abteilung für Lehr- und Studienangelegenheiten zurückgegriffen.

Die Mittel fließen außerdem in die Qualifizierung und Weiterbildung von Lehrenden. Ist das eine Art „Lehr-TÜV“?

Nein. Es geht darum, dass man das, was man in der wissenschaftlichen Qualifizierung für selbstverständlich hält –  nämlich dass sich jeder auf dem Laufenden hält – auch in der Lehre implementieren muss. Besondere Zielgruppen unseres dritten Teilprojekts sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die erstmals Lehraufgaben übernehmen, sowie Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren. Für sie wird aus den Mitteln des Hochschulpakts ein Qualifizierungsprogramm entwickelt und angeboten, in dem klassische Elemente der didaktischen Qualifizierung mit einem Coaching durch erfahrene Lehrende und Entwicklungsgespräche, die auf Ergebnissen der Lehrevaluation aufbauen sollen, verbunden werden. In Kombination mit schon vorhandenen Angeboten für andere Zielgruppen, zum Beispiel für die Doktoranden in strukturierten Promotionsprogrammen, bauen wir ein Qualifizierungsnetzwerk auf, das auf die individuellen Bedürfnisse hin zugeschnitten ist. Die Lehre gewinnt also auch auf dieser Ebene und deshalb immer mehr an Gewicht, weil wir die Lehrenden immer besser qualifizieren.

Ist die Mittelbewilligung zur Verbesserung der Studienbedingungen und der Lehre eine indirekte Exzellenzinitiative für die Lehre?

Das Verfahren ist nicht vergleichbar mit der Exzellenzinitiative für die Forschung: Die Zahl der Universitäten, die jetzt mit Mitteln für die Lehre ausgezeichnet worden sind, ist größer als bei der Exzellenzinitiative für die Forschung. Das Verfahren war aber insofern mustergültig, als die Spielregeln relativ frei geblieben sind, sodass wir kreativ überlegen konnten, was wir umsetzen möchten. Auch die Auswahl verlief relativ zügig. Insgesamt ist das Verfahren ein Muster für spätere Initiativen. Und für uns ein sehr erfreulicher Erfolg.