Wissenschaftliches Publizieren 3.0

250 Teilnehmer aus 37 Ländern diskutierten an der Freien Universität über Perspektiven und Herausforderungen des Publizierens im digitalen Zeitalter

18.10.2011

"Open Access" : Der freie Zugang zu Literatur im Internet bietet Wissenschaftlern viele Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.
"Open Access" : Der freie Zugang zu Literatur im Internet bietet Wissenschaftlern viele Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Bildquelle: flickr/monica´s dad
John Willinsky, Initiator und Direktor des Public Knowledge Project (PKP)
John Willinsky, Initiator und Direktor des Public Knowledge Project (PKP) Bildquelle: Jason Nugent
Professor Nicolas Apostolopoulos, Leiter des Centers für Digitale Systeme (CeDiS)
Professor Nicolas Apostolopoulos, Leiter des Center für Digitale Systeme (CeDiS) Bildquelle: Jason Nugent

Welche Möglichkeiten bietet "Open Access", also der freie Zugang zu Literatur und anderen Materialien im Internet? Welche Herausforderungen bringt es mit sich, dass auch wissenschaftliche Inhalte und Forschungsdaten im Netz mitunter frei erhältlich sind? Wie können Veröffentlichungen nach einheitlichen Standards online verfügbar gemacht werden? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum der dritten internationalen "Scholarly Publishing Conference" des Public Knowledge Project (PKP), die vom Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der Freien Universität Berlin veranstaltet wurde. Die Konferenz fand erstmalig in Europa statt.

Das Publikationsmodell des „Open Access" entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit, gleichzeitig wächst der Bedarf an einer geeigneten Infrastruktur für den digitalen Publikationsprozess. Bereits heute können Forscherinnen und Forscher mit speziellen Programmen die Veröffentlichung wissenschaftlicher Zeitschriften komplett online gestalten – vom Einreichen der Beiträge über deren Begutachtung bis hin zur Online-Publikation.

Die Vorteile des „Open Access“ liegen auf der Hand: Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Internet ermöglicht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht nur, weltweit schnell und direkt auf neue Erkenntnisse zuzugreifen und ihre eigenen Ergebnisse auf gleichem Wege verfügbar zu machen. Eine Online-Publikation ist kostengünstiger als ihre gedruckte Version, beschleunigt den Forschungsprozess und macht durch öffentliche Gelder finanzierte Wissenschaft leichter und schneller für die Öffentlichkeit verfügbar.

Das Public Knowledge Project

„Die Verpflichtung zur wissenschaftlichen Arbeit trägt auch die Verantwortung mit sich, diese Arbeit so weit wie möglich zu verbreiten und anderen zugänglich zu machen, “ sagte John Willinsky, Initiator und Direktor des Public Knowledge Project (PKP) in seinem Eröffnungsvortrag. Im digitalen Zeitalter beinhalte diese Verantwortung, den Zugang zu wissenschaftlicher Arbeit durch innovative Publikationstechnologien und neue ökonomische Modelle zu verbessern, erklärte Willinsky.

Die Forschungs- und Entwicklungsinitiative PKP, die an der University of British Columbia, der Stanford University sowie der Bibliothek und dem Canadian Centre for Studies in Publishing der Simon Fraser University angesiedelt ist, hat kostenfreie Open-Source-Software für die Verwaltung, Publikation und Indexierung von wissenschaftlichen Zeitschriften und Konferenzen entwickelt. Die Publikationssoftware Open Journal Systems (OJS) wird derzeit weltweit für den Betrieb von mehr als 10.000 Zeitschriften eingesetzt und innerhalb einer großen Community beständig weiterentwickelt.

Elektronisches Publizieren an der Freien Universität Berlin

Das Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der Freien Universität Berlin unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Universität bei der Publikation elektronischer Fachzeitschriften. Die Freie Universität Berlin fördert die Umsetzung des „Open Access" und empfiehlt allen Universitätsangehörigen, Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Arbeiten entweder auf Open-Access-Dokumentenservern zu archivieren oder direkt in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen.

Seit Oktober 2010 treibt CeDiS mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zudem die Weiterentwicklung von Open Journal Systems (OJS) insbesondere für Fachzeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum, voran.

„Wir freuen uns, diese Tagung gemeinsam mit unseren kanadischen Partnern hier an der Freien Universität erfolgreich organisiert zu haben. Wir sind überzeugt davon, dass die Softwareentwicklung, die PKP betreibt, ganz wesentlich zur weiteren Verbesserung und Akzeptanz elektronischen Publizierens im Allgemeinen und von Open-Access-Publikationen im Besonderen beiträgt. Unsere bereits langjährige Zusammenarbeit werden wir künftig intensivieren und weiter ausbauen“, erklärte Professor Nicolas Apostolopoulos, Leiter des Center für Digitale Systeme.