„Die Politik braucht die Wissenschaft“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach im Henry-Ford-Bau zur Eröffnung der Alexander von Humboldt-Jahrestagung

30.06.2011

(v.l.n.r.): Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der AvH, Prof. Helmut Schwarz, Präsident der AvH, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Prof. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin
(v.l.n.r.): Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der AvH, Prof. Helmut Schwarz, Präsident der AvH, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Prof. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Ohne Personalausweis ging nichts. Die rund 1200 Gäste, die am Montagabend zur feierlichen Eröffnung der Jahrestagung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) in den Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin strömten, mussten einen strengen Sicherheitscheck durchlaufen. Aus gutem Grund: Die Festrede zur Tagungseröffnung hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Stiftungspräsident Professor Helmut Schwarz freute sich besonders über diese Premiere: „Keiner Ihrer Vorgänger war jemals bei einer unserer Jahrestagungen zu Gast“, bedankte er sich in seiner Begrüßungsrede. Angela Merkel stehe der Alexander-von-Humboldt-Stiftung nicht nur als Schirmherrin des Bundeskanzler-Stipendien-Programms nahe, sondern auch als Physikerin, die selbst Forschung auf höchstem Niveau betrieben habe und „auch heute noch – nach 25 Jahren Abstinenz von der Wissenschaft – die wichtigsten Aspekte einer nukleophilen Substitution oder die Geheimnisse eines Hamilton-Operators“ erklären könne.

Ganz so weit her sei es mit ihren Kenntnissen nicht mehr, räumte eine gut gelaunte Angela Merkel in ihrer Festrede ein: „An das, was Professor Schwarz genannt hat, sind meine Erinnerungen verblüffend schwach. Was mir aber geblieben ist, ist die Fähigkeit, Fragen zu stellen.“ Und verantwortungsbewusste Politik sei auf wissenschaftliche Erkenntnis angewiesen. Mit Hilfe enger globaler Vernetzung könne die Forschung mittlerweile höchst komplexen Fragen und Herausforderungen tiefer auf den Grund gehen. Dennoch seien auch heute bahnbrechende Erfindungen oft noch das Werk Einzelner. Deshalb bleibe es wichtig, Eliten in der Wissenschaft zu fördern, betonte die Kanzlerin: „Deutschlands wichtigste Ressource sind kluge und intelligente Köpfe.“

AvH-Stipendiaten und -Preisträger an der Freien Universität Berlin

Zu solchen klugen Köpfen zählen zweifelsohne die „Humboldtianer“, von denen mehr als 600 aus etwa 100 Ländern der Erde zur Jahrestagung nach Berlin angereist waren. An der Freien Universität forschen zahlreiche AvH-Stipendiaten und -Preisträger: Dem von der AvH vorgelegten Jahresbericht 2010 zufolge, in dem die Zahlen der ausländischen AvH-Stipendiaten und Preisträger an den jeweiligen gastgebenden Universitäten und Forschungseinrichtungen bekannt gegeben werden, liegt die Freie Universität Berlin mit 191 Stipendiaten und 49 Preisträgern knapp hinter der Ludwig-Maximillians-Universität München (200 Stipendiaten und 53 Preisträger).

Mit Professor Piet Wibertus Brouwer arbeitet an der Freien Universität außerdem einer der neun internationalen Top-Wissenschaftler, die 2009 bundesweit erstmals mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet wurden – dem höchstdotierten internationalen Preis für Forschung in Deutschland. Unter der Federführung des renommierten Festkörperphysikers, der zuvor an der Cornell University (Ithaca) in den USA tätig war, ist an der Freien Universität ein Zentrum für Theoretische Physik entstanden, das Dahlem Center for Complex Quantum Systems.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hatte nicht zum ersten Mal zu ihrer Jahrestagung nach Dahlem geladen. „Es ist eine schöne Tradition geworden, Gast an der Freien Universität Berlin sein zu dürfen“, bedankte sich Stiftungspräsident Schwarz auch beim Präsidenten der Freien Universität, Professor Peter-André Alt. „Wir fühlen uns bei Ihnen einfach wohl, lieber Herr Alt!“